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Brexit und Printgeschäft belasten Konzern: Springer-Chef Döpfner kassiert Wachstumsprognose

Sieht im Fall des Faktenfälschers Relotius etwas "Systemisches" beim Spiegel: Mathias Döpfner, Vorstandschef von Axel Springer

Die Vorgaben waren ehrgeizig. Jedes Jahr wollte Springer-Chef Mathias Döpfner, dass der Berliner Medienkonzern im niedrigen einstelligen Prozentbereich wächst. In diesem Jahr jedoch macht dem Firmenchef unter anderem der geplante Ausstieg Großbritanniens aus der EU zu schaffen. Währungsbedingt stagniert 2016 der Konzernumsatz. Auch das strukturell rückläufige Printgeschäft macht sich weiter bemerkbar. Die Anleger reagieren enttäuscht: Die Aktie gibt um 2,6 Prozent nach.

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Der Berliner Springer-Konzern bekommt den geplanten Ausstieg Großbritanniens aus der EU zu spüren. Vorstandsvorsitzende Mathias Döpfner muss daher seine Wachstumsprognose für 2016 zurücknehmen. Danach soll der Konzernumsatz vor allem währungsbedingt in diesem Jahr stagnieren. Bislang war Döpfner davon ausgegangen, dass der Umsatz in diesem Jahr im niedrigen einstelligen Prozentbereich zulegt. „Der Brexit spielt eine wichtige Rolle“, erklärte der Konzernherr anlässlich der Vorstellung der Halbjahreszahlen. Die Geschäfte in Großbritannien tragen rund zwölf Prozent zum Umsatz des Medienkonzerns bei, hingegen rund 10 Prozent zum operativen Ergebnis, dem EBITDA. In Großbritannien betreiben die Berliner vor allem Job-Börsen – darunter Jobsite. Zudem ist Springer hier mit der Zanox-Gruppe vertreten.

Probleme bereitet zudem weiterhin der strukturelle Rückgang im Printgeschäft. So könnten steigende Werbeeinahmen die rückläufigen Vertriebseinnahmen bei den gedruckten Medien nicht mehr ausgleichen. „Wir gehen bei unserem Printgeschäft von einem Rückgang von 8 Prozent im 1. Halbjahr aus“, sagte der Vorstandschef. Springer erzielt 85 Prozent seiner Werbeerlöse mit digitalen Aktivitäten. Das Berliner Medienunternehmen gibt unter anderem die Boulevard-Zeitung Bild sowie die Tageszeitung Die Welt heraus. Insgesamt legte der Konzernumsatz leicht um 0,5 Prozent auf 1,585 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis steigerte das Unternehmen in den ersten sechs Monaten um 2,3 Prozent auf 272,9 Millionen Euro.

Die Anleger zeigten sich von der aktuellen Entwicklung des Springer-Konzerns enttäuscht. Die Notierung gab deutlich um 2,6 Prozent auf 47,5 Euro nach. Grund hierfür ist vor allem, dass Döpfner bei seiner Umsatzprognose für 2016 die Reißleine gezogen hat. Analysten gehen davon aus, dass Springer erst 2018 wieder wachsen könnten. Viele Wertpapierspezialisten haben die Aktie bislang auf „neutral“ gestuft, dass heißt, sie empfehlen den Wert nicht zum Kauf. Daran dürfte sich wohl wenig ändern. Denn den Analysten fehlt auch die notwendige Kursfantasie. Sie warten auf eine größere Akquisition, die Springer langfristig neue Wachstumsdynamik einbringt.

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