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Anzeige wegen Hausfriedensbruch: Journalisten überfallen Correctiv-Redaktion mit „Lügenpresse“-Vorwürfen

Correctiv-Chefredakteur Markus Grill, ungebetene Gäste: Rätselraten über die Absichten der "Lügenpresse"-Rufer

Verwirrender Besuch für das Correctiv-Team in Berlin: Wie das investigative Recherchebüro bei Facebook veröffentlichte, kam es am Dienstag zu einem ungewöhnlichen Überfall in der Berliner Redaktion. Zwei Männer betraten in die Räumlichkeiten ein und begannen, Mitarbeiter und Räume zu filmen. Die Eindringlinge hat Correctiv identifiziert und inzwischen Strafanzeige erstattet.

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Laut Correctiv-Angaben soll es sich dabei um die Journalisten Graham W. Phillips und Billy Six handeln. Die Männer waren offenbar auf der Suche nach Correctiv-Autor Marcus Bensmann, der zusammen mit David Crawford über den Abschuss des Passagierflugzeugs MH17 recherchiert hatte. Die Journalisten schrieben u.a. darüber, dass die Maschine von russischen Offizieren aus dem Separatistengebiet abgeschossen wurden. Für die Arbeit wurden sie für den Henri Nannen Preis nominiert.

Über den Besuch schreibt Correctiv: „Auf seinem Twitter-Accout @GrahamWP_UK hat sich Phillips später zu dem ‚Besuch‘ bei Correctiv bekannt und eine Veröffentlichung angekündigt. Phillips hat schon mehrfach für Russia Today gearbeitet, Six für die Junge Freiheit – eine aufschlussreiche Kooperation.

Das Video hat Graham mittlerweile bei YouTube veröffentlicht. Der Titel lautet „Ein Besuch in einer deutschen Propaganda-Agentur“. Zu sehen ist, wie sich die beiden Journalisten auf den Weg in die Redaktion machen und für ein Interview nach Bensmann fragen. Die Redaktion reagiert auf den filmenden Besuch zunächst verdutzt. Ein Mitarbeiter bittet, die Kameras auszuschalten, was Graham verneint. Stattdessen bezeichnete er Correctiv als Lügenpresse, Propagandisten und „schlimmste Lügner“. Mehrere Mitarbeiter mussten die beiden Eindringlinge aus der Redaktion drängen. Später filmten sie von außen.

Bei Eintreffen der Polizei haben sich die Männer vom Tatort entfernt. Die Redaktion hat Anzeige wegen Hausfriedensbruch (§123 StGB) und Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen (§201a StGB) erstattet.

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