20 Jahre Rechtschreibreform: MDR fällt auf plumpen Postillon-Witz herein und hält „seidt“ für neues Wort

Aus "seid" und "seit" wird "seidt" – das meldet das Satire-Blog Postillon. Und linkt damit den MDR

Über 70 Prozent der Deutschen würden an dem richtigen Gebrauch von „seid“ und „seit“ scheitern. Bis jetzt! Denn zum neuen Schuljahr findet das nervige Rechtschreibrätselraten mit dem einheitlichen „seidt“ ein Ende – so meldeten es die Satire-Experten vom Postillon. Der MDR ist darauf hereingefallen und meldete die neue Schreibweise in einem Beitrag zum 20.-jährigen Jubiläum der Rechtschreibreform.

Ja, schon oft wurden Medien und ahnungslose Leser des Satire-Blogs hinters Licht geführt – auch das russische Fernsehen fiel schon einmal auf einen Witz des Postillon rein. Nun hat es auch den MDR erwischt: In einem Radio-Beitrag zum Thema „20 Jahre Rechtschreibreform“ zitiert der Mitteldeutsche Rundfunk (offensichtlich ungeprüft) eine Meldung des Postillon. Die Nachricht: Aus „seit“ und „seid“ werde zu Beginn des neuen Schuljahres im Herbst einheitlich „seidt“.

Die Meldung ist für den Beitrag des MDR ein gefundenes Fressen gewesen: In dem knapp zweiminütigen Soundclip wird noch einmal die Rechtschreibreform aufgerollt und etwa von einem 60-jährigen Hörer kommentiert, der eine „Verrohung der Sprache“ darin sehe – ihm tue „der Delfin mit ‚f‘ immer noch in den Ohren weh“. Und trotz zahlreicher, immer noch verwirrender Änderungen wie dieser werde weiter an der Sprache geschraubt. Stichwort: „seidt“.

„Bislang lernte jedes Kind: ‚Seid‘ ist die zweite Pluralform des Verbs ’sein‘, während es sich bei ’seit‘ um eine Präposition oder Konjunktion mit temporalem Bezug handelt“, hätte eine Sprecherin des Bildungsministeriums dem Satire-Blog erklärt, so der Postillon. „Künftig müssen sich Schüler nicht mehr mit solchem abstrakten Quatsch beschäftigen, wenn sie das Wort ’seidt‘ benutzen möchten.“ Es war zu schön, um wahr zu sein.

Update (11.40 Uhr): Der MDR räumt den Fauxpas in seiner Berichterstattung ein und bedauert den Fehler. „Die Reporterin hatte die Information bei ihren Recherchen erhalten und leider nicht gegengeprüft. Offensichtlich geht diese Information auf eine Mitteilung der Satireseite ‚Der Postillon‘ zurück. Die Meldung war der Reporterin zu dieser Zeit nicht bekannt.“, heißt es bei der „Korrekturen“-Website des MDR. Radiosender MDR 1 Radio Sachsen, bei dem der kurze Clip ausgestrahlt wurde, soll darüber hinaus noch an diesem Mittwoch zur selben Sendezeit (das wäre um 21.54 Uhr) auf den unterlaufenen Fehler hinweisen und ihn korrigieren.

Auch in den sozialen Netzwerken äußerte sich der MDR – und nahm den Fauxpas mit Humor: