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Analysten ohne Wachstumsfantasie: Axel Springer braucht eine neue Börsenstory

Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner
Axel Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner

Quartal für Quartal vermeldet Vorstandschef Mathias Döpfner, dass sich Axel Springer auf dem Weg zum führenden Digitalverlag befindet. Doch das ist zu wenig. Das Berliner Unternehmen muss eine neue Wachstumsstory schreiben, wenn es den Sprung in die internationale Liga der Medienkonzerne schaffen will. Dies würde dem traditionsreichen Haus auch bei den Anlegern wieder mehr Beachtung verschaffen.

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Ein Kommentar von Gregory Lipinski

Es sollte einer der größten Deals in seiner Karriere werden. Vor etwas mehr als einem Jahr hatte sich Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner bemüht, die britische Financial Times-Gruppe zu erwerben. Doch das Geschäft scheiterte auf den letzten Metern – am Preis. Die japanische Mediengruppe Nikkei schnappte dem deutschen Medienkonzern das renommierte Traditionshaus vor den Augen weg: für satte 1,3 Milliarden US-Dollar.

Seither ist es etwas still um den Springer-Konzern geworden. Und große Übernahmen sind bei den Berlinern derzeit nicht in Sicht. Viele Analysten sind vor der Veröffentlichung der morgigen Halbjahreszahlen enttäuscht gestimmt. Sie gehen zwar davon aus, dass sich das Ergebnis im Rahmen der Erwartungen entwickelt. Was ihnen jedoch fehlt, ist das gewisse Fünkchen: eine neue zündende Wachstumsstory.

Doch davon ist derzeit nichts zu sehen. Daher wird Springer-Chef Döpfner – kaum überraschend – auch morgen vermelden, dass sich das Unternehmen weiter auf dem Weg zu einem führenden digitalen Verlag entwickelt und dies zugleich eindrucksvoll mit Zahlen untermauern. Denn inzwischen ist der Anteil der digitalen Geschäfte am Konzern-Ebitda auf 72 Prozent geklettert – vor allem durch kleinere Akquisitionen. Doch der große Wurf wird Döpfner auch diesmal den Anlegern schuldig bleiben. Er ist aber notwendig, wenn Springer bei Kapitalgebern und Aktionären endlich international mehr Beachtung finden will.

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Dass dies möglich ist, haben andere Medienkonzerne in Deutschland längst bewiesen. Ein Beispiel hierfür ist der TV-Riese ProsiebenSat 1. Geschickt hat es Vorstandschef Thomas Ebeling in den vergangenen Jahren geschafft, die Börsenstory der Fernsehgruppe weiter zu entwickeln. Zuletzt, indem er das Unternehmen durch den Aufbau von Internetreiseportalen, durch Online-Spiele und Shopping-Plattformen unabhängiger vom volatilen Fernseh-Werbegeschäft gemacht hat. Der Lohn: ProSiebenSat 1 wird heute an der Börse mit neun Milliarden Euro bewertet und ist inzwischen im Dax notiert. Springer hingegen ist “lediglich” fünf Milliarden Euro wert und weiterhin im MDax gelistet. An einen Aufstieg in den Aktienolymp ist vorerst nicht zu denken.

Damit steht Döpfner vor einer schwierigen Aufgabe. Er muss seine Börsenstory jetzt dringend weiter entwickeln. Möglich wäre dies durch eine Großakquisition, die die Dimension der Financial Times Group hat. Doch geeignete Übernahmeziele sind rar, vor allem in Deutschland. ProSiebenSat 1 kommt allein wegen der hohen Aktienbewertung nicht infrage. Es sei denn, Springer würde sich bei einer Fusion mit der Rolle des Junior-Partners begnügen, was wenig wahrscheinlich ist. Was bleibt, wären der Burda-Ableger Xing oder der Online-Dienstleister Ströer. Beide Unternehmen würden zwar als Digitalunternehmen in die Springer-Strategie passen. Doch es ist kaum wahrscheinlich, dass sich die Eigner von ihren Aktien trennen. Zudem wäre es nicht wirklich der große Coup, um Springer in die internationale Liga der Medienwelt zu katapultieren.

Bleibt das Ausland. Döpfner macht seit Längerem keinen Hehl daraus, dass Englisch die „Lingua franca“ (die Verkehrssprache) des Journalismus sei. Ein denkbares Ziel wäre daher die Guardian-Gruppe. Die Akquisition würde Springer das notwendige internationale Renommee einbringen, zumal sich das britische Vorzeigeunternehmen zur internationalen Marke wie Google oder Facebook mausern will. Doch das Verlaghaus gehört dem Scott Trust, einer Stiftung. Deren einziges Ziel ist die finanzielle und journalistische Unabhängigkeit der gleichnamigen Zeitung sowie seiner Sonntagszeitung The Observer. Doch derzeit ist es um das Unternehmen finanziell nicht gut bestellt. Die Guardian-Gruppe schreibt Verluste in zweistelliger Millionenhöhe. Eine gute Gelegenheit für den Springer-Chef, um zuzugreifen.

Dennoch müsste Döpfner viel Überzeugungsarbeit leisten, wenn er das britische Unternehmen erwerben will. Schafft er es, so einen oder einen ähnlichen Deal einzutüten, könnte Springer den Sprung auf das große internationale Medienparkett schaffen. Damit würde der Konzernchef einen Gegenpol zur Kernmarke Bild setzen, deren Auflage immer stärker unter Druck gerät und die nicht die Chance hat, weltweit als Marke Stahlkraft zu entwickeln. Versuche, das Flaggschiff zu internationalisieren, verliefen bisher im Sande. Die Akquisition einer namhaften ausländischen Marke würde jedoch die Fantasie vieler Anleger wecken. Der Börsenkurs bekäme den nötigen Auftrieb. Am Ende könnte Springer sogar eine Notierung im DAX locken. Das wäre eine Wachstumsstory nach dem Geschmack vieler Anleger.

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