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180 Euro pro Verstoß: Tadschikistan will Journalisten für unverständliche Texte bestrafen

Emomali Rachmon ist seit 1994 Präsident von Tadschikistan

Die autoritäre Führung der früheren Sowjetrepublik Tadschikistan bestraft Journalisten künftig für unverständlich formulierte Texte. „In manchen Artikeln stehen bis zu zehn Wörter, die einfache Leser nicht kennen. Das ist ein grober Verstoß gegen die geltende Amtssprache“, sagte Gawhar Scharifsoda vom Komitee für Sprache in der Hauptstadt Duschanbe am Montag.

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Eine Sondergruppe werde in dem zentralasiatischen Hochgebirgsland ab sofort in Zeitungen, aber auch im Fernsehen und im Radio nach unverständlichen Begriffen fahnden. Bei Verstößen gegen die Sprachnormen drohe eine Strafe bis zu 200 US-Dollar (rund 180 Euro), sagte Scharifsoda.

Auch wenn sich die neuen Regeln erst einmal lustig und skurril anhören, sind sie wohl eher ein weiteres Instrument, die frei Presse und Journalisten zu gängeln. In der Rangliste der Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen liegt Tadschikistan auf Rang 150 von 180. In dem entsprechenden Lexikon-Eintrag der ROG heißt es, dass der Staat unter dem seit 1994 herrschenden Präsidenten Emomali Rachmon fast alle Medien kontrolliert und diese überwiegend Propaganda verbreiten. „Von den mehr als 300 Printmedien sind rund 200 in Privatbesitz, sie erscheinen jedoch nur unregelmäßig. Unabhängige Journalisten werden regelmäßig an ihrer Arbeit gehindert – etwa, indem ihnen der Zugang zu Pressekonferenzen verweigert wird. Wer zu heiklen Themen recherchiert, muss mit Gewalt von beauftragten Schlägern aber auch von Polizisten rechnen.“

Mit Material der dpa

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