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Medienrechtler Jonas Kahl zum Titanic-Penis-Cover: “Für Erdogan geht es um die Wurst”

Medienrechtler Jonas Kahl glaubt nicht, dass Klagen gegen das Erdogan-Penis-Cover der Titanic Erfolg hätten
Medienrechtler Jonas Kahl glaubt nicht, dass Klagen gegen das Erdogan-Penis-Cover der Titanic Erfolg hätten

Es geht um die Wurst: Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan, dem die Titanic ein Penis-Cover gewidmet hat, lässt normalerweise nicht mit sich spaßen. Während sich nach Erscheinen des Titanic-Covers seine Anwälte aber noch zurückhalten, gibt Medienrechtler Jonas Kahl gegenüber MEEDIA Entwarnung. Vor einem Gericht hätte Erdogan wohl eher schlechte Karten.

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Die Titanic geht mal wieder unter die Gürtellinie und nimmt sich in der aktuellen Ausgabe den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan vor. Auf der Titelseite hängt ihm die Redaktion eine Bratwurst zwischen die Beine und schreibt:  „Jetzt putscht auch noch sein Penis“. Die Titanic-Redaktion, die mit ihrer Ausgabe, auf Erdogans Politik und den kürzlichen Putschversucht anspielt, setzt damit eine wohlkalkulierte Provokation. Was vom sensiblen Staatsoberhaupt aus der Türkei sicherlich als Beleidigung aufgefasst wird, dürfte vor einem deutschen Gericht allerdings unter die Kunst- und Meinungsfreiheit fallen, wie Jonas Kahl von der Kanzlei Spirit Legal gegenüber MEEDIA erklärt.

„Die Titanic-Redaktion hat durch die verschiedenen Äußerungen und Erklärungen von heute – neben dem Cover selbst – weitere Ansatzpunkte der Einordnung mitgeliefert“, erläutert Kahl. „Die Redaktion stellt hier einen Zusammenhang zur politischen Lage in der Türkei her, die seit zwei Wochen davon gekennzeichnet ist dass Erdogan offenbar massive Zweifel an seinem eigenen Staatsapparat hat.“ 

In der Türkei herrscht der Ausnahmezustand, den Erdogan nach dem Putschversuch am 15. Juli ausgerufen hat. Seitdem geht der Staatspräsident noch rigoroser gegen Kritiker und Medien vor. Erst diese Woche hat die Regierung dutzende Haftbefehle gegen Journalisten erlassen und Zeitungen, Verlagshäuser, TV- und Radiostationen geschlossen. „Die tausenden Verhaftungen und Entlassungen der letzten Tage muss man als einen enormen Vertrauensverlust Erdogans in die Stärke des eigenen Staates verstehen. Diesen Verlust an politischer Potenz in einer derartigen Darstellung seiner Person zu verbildlichen, bewegt sich zwar unter der Gürtellinie, ist in Anbetracht der politischen Entwicklungen und des sich daraus ergebenden Kontexts aber als Satire anzusehen“, so der Medienrechtler weiter. „Schließlich geht es für Erdogan in der aktuellen Situation tatsächlich sprichwörtlich um die Wurst.“ 

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Das Cover der Titanic-Ausgabe erinnert an eine Ausgabe aus dem Jahr 2012. Damals strahlte Papst Benedikt XVI. mit in die Luft gestreckten Armen vom Cover. Im Schritt des Oberhauptes der katholischen Kirche zeichnete sich aber ein gelber Fleck ab. Während der Presserat die Titanic rügte, stritten Papst und Satiriker kurz über ihre Anwälte, bevor der Papst die Sache auf sich beruhen ließ. Dass die Titanic dieses Mal ähnliches Glück haben könnte, glaubt Kahl nicht. „In Anbetracht dessen, dass Erdogan derlei Berührungsängste offenbar nicht hat und auch juristische Niederlagen nicht scheut, wie der Fall gegen Mathias Döpfner zeigt, ist nicht auszuschließen, dass die Titanic hier für den nächsten Fall gesorgt hat, der durch die Instanzen gehen könnte.“ Gegen Döpfner hatte zuletzt Medienanwalt Ralf Höcker im Auftrag Erdogans geklagt, weil sich dieser das Schmähgedicht von Jan Böhmermann (das diesem in weiten Teilen untersagt wurde) zu eigen gemacht hatte. 

Erdogan müsse nicht mit Samthandschuhen angefasst werden, so Kahl weiter. „Er muss sich an den gleichen juristischen Maßstäben messen lassen, wie jeder andere auch. In Anbetracht seiner politischen Rolle und des Umstandes, dass er selbst öffentliche Auseinandersetzungen ebenfalls nicht zimperlich führt, ist der Beurteilungsmaßstab bei ihm übrigens auch ein weiterer als etwa bei Normalbürgern.“

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Alle Kommentare

  1. Na und? Da wird jetzt Dutzende Male drüber berichtet. Die Titanic steigert ihre Auflage. Erdogan macht sich einmal mehr zum Affen, und alles ist gut.

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