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Apple in der Schrumpf-Krise: wie Tim Cook das Erbe von Steve Jobs verspielt

Tim Cook (re): Auch nach fünf Jahren nicht aus dem Schatten von Apple-Gründer Steve Jobs getreten

Minus 27 Prozent: So krachend brach Apples Nettogewinn im vergangenen Quartal ein. Auch wenn die Börse in ihren ganz eigenen Logik das Zahlenwerk feiert, weil Anleger mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet haben, ist die jüngste Quartalsbilanz Ausdruck der großen Apple-Krise in der Post-Steve Jobs-Ära.

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So weit ist es inzwischen gekommen: Da veröffentlicht Apple den größten Bilanzeinbruch seit 13 Jahren – und die Wall Street schmeißt eine große Party. Um sieben Prozent legten die Anteilsscheine des Kultkonzerns aus Cupertino zu – so viel wie seit eineinhalb Jahren nicht mehr an einem Handelstag.

Der Grund: Die Wall Street hatte in ihrer Angst vor der Bilanz des Grauens mit noch schlechteren Ergebnissen gerechnet. So tief ist Apple inzwischen gesunken: Die Erwartungen der Börse an den Techpionier, der unter Steve Jobs Jahr für Jahr Fabelergebnisse vorlegte, scheinen auf das Niveau eines angeschlagenen Stahlkonzerns gesunken zu sein, der kurz vor der Zerschlagung steht.

Misstrauen der Wall Street gegenüber Apple auf dem Höhepunkt

Das dokumentiert das Kurs-Gewinn-Verhältnis von nur 11,5, das nach Abzug der Barmittel 147 Milliarden Dollar (vor Steuerabzug bei Repatriierung des Kapitals) sogar nur noch 8,5 beträgt – und damit nicht mal halb so viel wie der Marktdurchschnitt des S&P 500.

In anderen Worten: Die Wall Street misstraut Apple-CEO Tim Cook enorm, den Techpionier aus der Schrumpf-Krise führen zu können. Unterm Strich hat Apple nämlich nicht nur das zweite Quartal in Folge an Boden verloren – der Abwärtstrend hat sich auch noch einmal beschleunigt:

• Die Umsätze sanken um 15 Prozent – nach –13 Prozent im März-Quartal
• Der Nettogewinn ist um 27 Prozent eingebrochen – nach –23 Prozent im März-Quartal
• Der Umsatz in China befindet sich mit einem Minus von 33 Prozent im freien Fall – nach –26 Prozent  im Vorquartal
• Die iPhone-Absätze gaben um 23 Prozent nach – nach –18 Prozent im Vorquartal

Apple im Sommer 2016: Das ist ein Unternehmen auf dem steilen Weg nach unten. Auch der Ausblick auf das September-Quartal offenbart ein Anhalten der Talfahrt. Tim Cook stellte Umsätze zwischen  45,5 bis 47,5 Milliarden Dollar in Aussicht – im Vergleichszeitraum vor einem Jahr erlöste Apple noch 51,5 Milliarden Dollar.

Vorgezogener iPhone-Launch dürfte nur für kurze Entspannung sorgen

Ob der Umsatzrückgang, der sich demnach immer noch auf 7 bis 11 Prozent belaufen dürfte, tatsächlich an Dynamik verliert, scheint zudem zweifelhaft. Wenn man den Gerüchten um einen früheren iPhone-Launch am 16. September trauen darf, zieht Tim Cook den Verkaufsstart um eine Woche vor, um den Schaden im September-Quartal zu begrenzen (in der ersten Verkaufswoche setzt Apple schätzungsweise 15 bis 20 Millionen Einheiten ab).

Damit kann Cook zwar im September-Quartal zwar kleinere Umsatz- und Gewinnrückgänge präsentieren als im jüngsten Quartal, doch die verschobenen Startverkäufe Mitte September dürften  dem Apple-Chef dann im Weihnachtsquartal fehlen, in dem dann dann ebenfalls Ergebnisrückgänge drohen.

Erst das iPhone 8 könnte Rückkehr zum Wachstum bringen – für ein Jahr

Ob Apple mit dem offenbar kaum veränderten iPhone 7 dann 2017 endlich wieder zum Wachstum zurückkehren kann, erscheint zudem zweifelhaft – erst vom runderneuerten iPhone 8 in 14 Monaten erwarten Analysten wieder neue Kaufanreize und wieder anziehende Erlöse. Im schlechtesten Fall droht Apple somit eine zweijährige Durstrecke – und damit nur noch die Aussicht auf ein Wachstumsjahr mit der Einführung einer großen Modell-Generation.

Für den wertvollsten Konzern der Börsenwelt sind das düstere Aussichten, die dokumentieren, was im Apple-Imperium unter Tim Cooks Ägide falsch gelaufen ist. Auch fünf Jahre nach dem Ableben des ikonisch verehrten Gründers lebt Apple heute immer noch vom größten Erbe Steve Jobs‘ – dem iPhone. Bis heute ist es Cook nicht im Ansatz gelungen, einen veritablen Nachfolger für den Kassenschlager zu finden.

Apple Watch-Flop offenbart Tim Cooks fehlendes Produktgespür

Dass der Erfolg des iPhone in der Form nicht zu wiederholen sein dürfte, ist dabei die eine Seite der Medaille – das bittere Scheitern des ersten und einzigen Versuchs der Ära Cook die andere. Die Apple Watch, die nach einem Jahr ihre Verkäufe schon wieder halbierte, ist der erstaunlichste Flop, den sich Apple seit dem G4 Cube Mac vor 16 Jahren geleistet hat.

Gleichzeitig offenbart sich damit das strategische Scheitern des Apple-Chefs, dem das visionäre Gespür seines Vorgängers fehlt: In den ersten Jahren unter Tim Cook hat Apple in einer Position der maximalen Stärke, als die iPhone-Verkäufe noch um 100 Prozent explodierten, es verpasst, den richtigen Nachfolger für seinen Kassenschlager zu finden.

Drei Jahre entwickelte Apple unter der Führung von Jony Ive, der den Prozess so herausfordernd wie nie empfand, an einem Produkt, das nur wenige Prozent der Umsätze des iPhones erlösen und es auch nicht annähernd mit dem Erfolg des iPad, der Mac Division und dem iPod aufnehmen dürfte.

Apple hätte statt auf die Apple Watch früher auf das iCar setzen müssen

Die Apple Watch ist bislang ein Beta-Produkt wie Apple TV. Sie ist ein Spielzeug für Apple-Fanboys, die Gefallen daran finden, für einen Fitnesstracker aus Cupertino, der die Schritte zählt, 400 Euro auszugeben. Es scheint höchst zweifelhaft, ob die Apple Watch  in der zweiten Generation, die im September erwartet wird, in eine tragende Rolle in Apples Geschäftsentwicklung hineinwachsen und sich jemals mit Erlösen um die fünf Milliarden pro Quartal als fünfte Säule neben iPhone, iPad, Mac und der Service-Sparte in der Bilanz etablieren kann.

Angesichts des absehbaren Endes des iPhone-Zyklus haben sich Cook und Ive mit ihrer Wette auf die Apple Watch als nächstes iGadget schlicht verzockt und viel wichtige Zeit verloren. Das mutmaßliche Blockbuster-Produkt, das am ehesten als iPhone-Nachfolger in Frage kommt, ist das iCar, mit dem aber frühestens in fünf Jahren zu rechnen ist, was angesichts eines so hoch komplexen Produkts wie eines Elektroautos immer noch sehr ambitioniert erscheint.

„Sie haben mir nicht ihren direkten Produktionsplan mitgeteilt“, kommentierte Tesla-Chef Elon Musk unlängst Apples Elektroautopläne, „aber ich glaube kaum, dass sie vor 2020 mit der Auslieferung beginnen werden. Das ist eine verpasste Chance.“ Tim Cook dürfte daran in den kommenden Jahren öfter erinnert werden, wenn die Rufe der Wall Street nach einem iPhone-Nachfolger immer lauter werden.

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