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Schweighöfers Netflix-Konkurrent Pantaflix: „Bei uns kommen die Filme aus gesunder Freilandhaltung“

Wollen die Streaming-Welt mit Pantaflix aufmischen: Matthias Schweighöfer (l.) und Dan Maag

Faires Video-on-Demand und Filme, die auf legalen Kanälen kaum verfügbar sind – das sind nur einige Features, mit denen „Pantaflix“ die Streaming-Welt von Amazon & Co. ab dem 28. Juli aufmischen will. Die neue Online-Videothek der Pantaleon Entertainment AG, die 2009 von Schauspieler Matthias Schweighöfer (35) und Produzent Dan Maag (41) gegründet wurde, plant eine kleine Revolution. Zumindest auf der Leinwand war das Duo mit Filmen wie „Der Nanny“ bereits schwer erfolgreich. Ob Pantaflix ähnlich abräumen wird? Co-Chef Maag stand MEEDIA Rede und Antwort.

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Herr Maag, warum sind Sie als Filmproduzent zur Streaming-Welt übergelaufen?

So ganz übergelaufen natürlich nicht. Die Filmproduktion ist und bleibt natürlich die DNA von Pantaleon. Aber nach 20 Jahren in diesem Beruf bekommt man einen Blick dafür, wo es in der Branche noch hängt. Und da haben wir es vor allem in der Distribution mit Modellen zutun, die sich seit 20 bis 30 Jahren nicht verändert haben.

Was läuft bei dem bisherigen System denn so grundlegend falsch?

Der total absurde Kostenfaktor. Wir können die Rentabilität von Filmen massiv verbessern. Und dem Filmproduzent von seinem Produkt – das ist momentan nicht der Fall – einen Großteil des Gewinns auszahlen. Was ihm in unseren Augen zusteht. Ohne Zwischenhändler, die den Film von Verleih zu Verleih verscherbeln und die externen Kosten in die Höhe jagen.

Die Produzenten sollen also ein größeres Stück vom Kuchen abbekommen.            

Ja, bei Pantaflix sollen die Produzenten 75 Prozent aller Einnahmen bekommen – an unsere Plattform gehen die restlichen 25 Prozent. In anderen Modellen sind das nur knapp zehn Prozent. Das ist Wahnsinn. Nicht, weil wir zaubern können oder in die eigene Tasche arbeiten. Sondern weil wir viele unnötige Instanzen überflüssig machen.

Was heißt das konkret?

Im Prinzip bewegt sich die Distribution immer noch in einer gefühlt analogen Welt, in der Filmemacher versuchen, einem Vertrieb ihren Film schmackhaft zu machen. Der Vertrieb nimmt dann schon mal bis zu 40.000 Euro, wenn er etwas damit macht. Dann wird der Streifen in einem Screening-Room für 5.000 Euro gezeigt. Hier und da gibt es noch ein Abendessen mit Einkäufern. Dann passiert es eventuell, dass der Film eingekauft wird. Das Spiel geht wieder von vorne los. Und alle, die dazwischen waren, fangen an ihre Hand aufzuhalten.

Sie teilen sich mit Matthias Schweighöfer die Pantaleon-Spitze, haben schon viele erfolgreiche Filme miteinander gedreht. Finanzielle Sorgen dürften Sie nicht haben.

Natürlich machen wir auch Filme, weil wir Künstler sind. Und Künstler suchen den Applaus in der Manege. Und da teilen wir mit Produzenten weltweit ein weiteres Problem: Über 90 Prozent der Filme schaffen es aufgrund von Zwischenhändlern und Filmrechten nicht über Ländergrenzen hinaus, solange der Film etwa noch in Deutschland läuft. Die Erkenntnis: Wir finden keinen Kanal zu den potenziellen Kunden, die wir haben.

Und Pantaflix soll nun dieser Kanal sein?

Das ist die Idee. Wir eröffnen dem Produzenten mit einem Klick einen globalen Marktplatz für seine Filme, auf dem sie selbst entscheiden können, in welchen Ländern sie präsent sein wollen. Und das in Realtime. Während sie ebenfalls in Echtzeit sehen sollen, wie viel Geld sie zum Beispiel gerade in Schweden erwirtschaften.

Klingt eher danach, als wäre Pantaflix vor allem eine Plattform für Produzenten.

Produzenten können weder bei Amazon noch bei Netflix ihre Filme selbst bestimmend reinstellen. Das ist Schritt eins, der unweigerlich zu Schritt zwei führt: Wir bieten eine globale Programmvielfalt, die für Konsumenten interessant sein wird. Wir haben etwa hundert Filme aus der Türkei, die dort sehr gefragt, in Deutschland aber nicht auffindbar sind.

Wird Pantaflix damit nicht selbst zum Zwischenhändler?

Zum Marktplatz; zum fairsten und minimalsten Prinzip des Handels.

Und wie funktioniert dieser Marktplatz?

Das System lernt etwa, welche Sprache der Nutzer spricht und was er sich gern anschaut. Dementsprechend bekommt der Konsument auch Inhalte von der Plattform empfohlen, die zu seinem Schema passen.

Auch Amazon und Netflix empfehlen Ihren Kunden Inhalte. Was macht Pantaflix denn besser als die Konkurrenz?

Letztendlich findet man bei uns Filme, die man auf anderen Plattformen nicht findet. Völlig egal, ob es sich dabei um Independent-, Noir- oder Kurzfilme handelt. Es geht um das Produkt. Film ist keine Massenware. Der Film kommt direkt vom Erzeuger, ist, um bei der Landwirtschaft zu bleiben, aus gesunder Freilandhaltung. Die Plattform ist für Filmemacher, Kreative und Konsumenten – und nicht für Zwischenhändler, die schlichtweg mitverdienen.

Aber „Fair-Trade-Streaming“ hin oder her: VoD-Anbieter gibt es wie Sand am Meer. Braucht es da wirklich noch einen?

Wir halten es für sehr wichtig, dass es eine ordentliche Gewichtung in der Erlösverteilung gibt – und gleichzeitig neuen, innovativen Content. Da werden bis heute viele etablierte Filmemacher angezählt. Die Zahlen stimmen einfach nicht.

Bekommen Filmemacher denn bei Amazon und Netflix deutlich weniger Geld?

Grundsätzlich ist es so, dass der einzelne Film natürlich beim Transactional-Video-on-Demand-Modell (Einzelabruf, Anm. d. Red.) größere Erlöse erwirtschaftet, als ein Teil eines großen Subscription-VoD-Pakets (Abruf im Abo, Anm. d. Red.), das liegt in der Natur der Sache. Pantaflix ist ein reines TVoD-Modell und wir können schon jetzt feststellen, dass dies ein großer Vorteil gegen über Content Providern ist. Natürlich will ein Produzent ein Maximum an Rentabilität für sein Produkt.

Trotzdem drehen Sie mit Matthias Schweighöfer zur Zeit die Serie „You are Wanted“, eine Amazon-Eigenproduktion.

Das schließ sich in keinster Weise aus. Wie gesagt sind beide Geschäftsmodelle grundsätzlich unterschiedlich und für Konsumenten und Produzenten durchaus komplementär zu nutzen.

Was für Kosten kommen auf Ihre Nutzer zu?

Das ist dem Produzenten überlassen, der die Preisgestaltung fast komplett eigenhändig übernehmen kann. Zwischen 99 Cent bis zu 19,99 Euro lassen sich die Preise festlegen.

Und die Filme gehören dann dem Nutzer?

Nein. Wird der Film gestartet, bleiben dem Nutzer 48 Stunden Zeit – der Film kann in diesem Zeitraum beliebig oft angeschaut werden. Wird der Film nicht direkt angefangen, bleiben dem Nutzer 30 Tage zum Ansehen.

Wen soll Pantaflix denn ansprechen, wenn Filme bis zu 19,99 Euro kosten können – aber nur für 48 Stunden abrufbar sind?

Das ist natürlich der Extremfall. Die meisten Filme werden zwischen 99 Cent und 2,99 Euro kosten. Aber hohe Preise können durchaus Sinn machen: In Amerika kamen des öfteren Diskussionen auf, ob man nicht auch ein Heim-Kinoticket für 49,99 Euro anbieten kann, um den Film zum Kinostart – aber von zu Hause aus – anzusehen. Dafür gab es viel Zuspruch. Wenn Filmpartner ihren Film schon vor Kinostart zeigen wollen, dann würde das bei uns auch gehen.

Aber reicht das, um sich gegen die Marktmacht der Konkurrenz durchzusetzen?

Ja, auf jeden Fall. Wir können davon ausgehen, dass sie zehn Prozent aller verfügbaren Filme weltweit auf den meisten Plattformen finden – aber 90 Prozent halt nicht. Die finden sie dann bei uns. Unser Modell wird Schule machen.

Pantaleon hat sich generell viele neue Geschäftsmodelle geschaffen: Im April gründeten Sie die Werbeagentur Creativ Cosmos 15, im Juli das Musiklabel Pantasounds. Ist das Filmbusiness allein ein Auslaufmodell?

Da steckt auch ein wenig unternehmerischer Geist dahinter. Filmemachen ist großartig, aber man sieht auf welchen Feldern man sich auch noch strategisch bewegen kann. Da haben wir natürlich gewissen Rückenwind, der Erfolg hat uns viele Türen geöffnet. Wir nutzen eben unsere Möglichkeiten.

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