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Streit um Zukunft des journalist wird zur Schlammschlacht: Verleger Rommerskirchen wirft Redaktion raus

DJV-Chef Frank Überall streitet mit Rommerskirchen um den Fachtitel journalist

Die Streitereien zwischen dem Deutschen Journalistenverband (DJV) und dem Verlag Rommerskirchen arten in eine peinliche Schlammschlacht aus. Wie der langjährige Verlag des journalist via Pressemitteilung verkündet, wirft er die gesamte Redaktion raus. Betroffen sind neben Chefredakteur Matthias Daniel drei weitere Angestellte. Der DJV hatte vor kurzem einen Verlagswechsel angekündigt, weil das Fachblatt immer dünner wurde.

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Das Verhältnis zwischen dem Verband als Herausgeber des journalist und dem Verlag Rommerskirchen, der das Blatt seit mehr als 49 Jahren verlegt, gilt mittlerweile als zerrüttet. Seitens der Herausgeberschaft sowie der DJV-Mitglieder, die in der Summe der größte Abnehmer des journalist sind, nahm man mit Missfallen zur Kenntnis, dass das Magazin über die vergangenen Monate hinweg immer dünner geworden ist. Grund sind von Thomas Rommerskirchen verordnete Sparmaßnahmen, da zuletzt große Anzeigenkunden weggefallen waren.

Die seit Jahren sinkenden Mitgliederzahlen des DJV spiegeln sich auch in der Auflage wieder. In den vergangenen fünf Jahren sank die Verbreitung um 13,28 Prozent auf zuletzt 39.324 Exemplare, an Abonnements verlor der journalist knapp zehn Prozent (34.807 Exemplare, IVW IV/15). Die geringere Auflage bedeutet sinkende Anzeigenumsätze.

Die wegbrechenden Umsätze seien für den DJV allerdings kein Grund, den Heftumfang dermaßen zu reduzieren, teilte Sprecher Hendrik Zörner noch im März dieses Jahres gegenüber MEEDIA mit. „Der Verlag Rommerskirchen hat über Jahrzehnte gut vom journalist leben können, weshalb wir erwarten, dass er Umfang und Qualität auch während einer Durststrecke aufrechterhält“, so Zörner damals. Als sich der Verleger nicht bewegte, zog der DJV Konsequenzen.

So hat die öffentlichkeitswirksame Kündigung der journalist-Mitarbeiter nun etwas von einer Retourkutsche. Einem Berufsverband wie dem DJV steht es gewiss nicht gut, wenn ein Verlagwechsel die Kündigung von langjährigen Mitarbeitern bedeutet. Auf Nachfrage steuert Zörner gegen. Im Hause Rommerskirchen gebe es „sehr lange Kündigungsfristen“. Nach Infos von MEEDIA wird im Hintergrund daran gearbeitet, die gekündigten Journalisten in die neue Redaktion zu übernehmen. Sich dazu äußern wollte Zörner derzeit allerdings nicht.  Nur so viel: „Als Herausgeber steht der DJV hinter der Redaktion des journalist“.

Wann genau das Beschäftigungsverhältnis der angestellten Mitarbeiter endet, teilte Rommerskirchen nicht mit. Auf Nachfrage war der Verleger nicht zu erreichen. Rommerskirchen will laut Mitteilung von den Kündigungen absehen, sollte der DJV den „entstandenen Schaden“ kompensieren und die Zukunft des journalist in seinem Hause „seriös“ sichern.

Rommerskirchen wirft dem DJV durch die Kündigung Vertragsbruch vor, normalerweise laufe der Auftrag noch bis 2020. Der DJV wiederspricht. Man habe die Geschäftsbeziehungen „fristgerecht“ zum 30.09.2016 gekündigt. Wie lange die im Organvertrag festgeschriebene Laufzeit lautet, ist nicht bekannt. Im März hieß es lediglich, dass das Vertragsverhältnis in Sonderfällen vorzeitig gekündigt werden kann. Unklar ist auch, mit welchen Kosten dies verbunden ist. Zukünftig soll der Hamburger Verlag new business die Produktion des journalist übernehmen.

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