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Harsche Reaktionen auf Erdogan-Interview von BR-Chef Gottlieb: „Die ARD hätte besser einen richtigen Journalisten geschickt“

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Es ist durchaus ein journalistisches Ausrufezeichen. Die ARD hat eines der raren Exklusiv-Interviews mit Recep Tayyip Erdogan bekommen. Kurzfristig wurde eine Sondersendung für Montag um 22.15 Uhr terminiert. Befragt wurde der türkische Staatspräsidenten von Sigmund Gottlieb vom Bayerischen Rundfunk– und hier beginnen die journalistischen Probleme. Denn nach Ansicht sehr vieler twitternder Zuschauer war der BR-Chefredakteur zu handzahm. Die schreibenden Kritiker-Kollegen zeigt dagegen etwas mehr Verständnis für Gottlieb.

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Grundsätzlich wird Gottlieb vorgeworfen, zu lieb und schüchtern gewesen sein. Er habe zu viele Themen ausgeklammert: „Was ist mit der Schließung von Zeitungsredaktionen? Mit der Verhaftung und Aburteilung von Journalisten? Wie sieht es aus mit dem Verbot mancher Gewerkschaften? Und was tut der Präsident dagegen, dass vermeintliche Beteiligte des Putsches erniedrigt und geschlagen werden? Will er überhaupt dagegen einschreiten? Solche Fragen hätte man sehr gern von Gottlieb gehört und auch die Reaktion Erdogans darauf“, schreibt Walter Bau in seiner Kritik bei derWesten.de.

In der FAZ nimmt Michael Hanfeld den Chefredakteur des BR allerdings auch etwas in Schutz. Denn die ARD und Gottlieb hätten mit dieser Form der Gesprächsführung auch eine Blamage vermieden, die bei zu kritischen Nachfragen möglich gewesen wäre. „Gottlieb vermag den türkischen Präsidenten zwar nicht ansatzweise aus der Reserve zu locken, seine Nachfragen wirken lasch, sogar gegen den Vorwurf der Desinformation verwahrt er sich nur halbherzig. Aber das Interview im Ersten zeigt doch eins: Es erbringt einen weiteren Nachweis dafür, dass Erdogan mit der Demokratie, von der er fortwährend redet, nichts mehr zu tun hat.“

Auch der Türkei-Experte des Spiegel, Hasnain Kazim, war nicht unzufrieden mit dem Politiker-Gespräch. Für ihn war das gesamte Setting bereits „ein sehenswertes Unterfangen“. So schreibt er: „Obwohl es Gottlieb erspart blieb, auf einem pompösen Thron Platz nehmen zu müssen wie einst Bundeskanzlerin Angela Merkel bei einem ihrer Türkei-Besuche. Auch Soldatenschauspieler in Fantasieuniformen, mit denen Erdogan sich gelegentlich schmückt, waren diesmal nicht zu sehen. Es lag auch nicht an den durchaus kritischen, am Ende aber doch höflichen, wenig nachbohrenden Fragen, die es sehenswert machten. Sondern an den surrealen Botschaften Erdogans.“

Bau kommt in seiner Kritik zu dem Resümee: „Der BR-Chefredakteur, so hat man den Eindruck, packt den Präsidenten ziemlich in Watte. So kann man Erdogan nicht knacken.

Wesentlich härter geht gegen die Twitter-Gemeinde mit Gottlieb und seiner Interview-Performance ins Gericht:

Das ganze Interview zum nachsehen gibt es hier:
Bildschirmfoto 2016-07-26 um 09.52.00

 

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Alle Kommentare

  1. „Die ARD hätte besser einen richtigen Journalisten geschickt“: Diese Einschätzung ist grundfalsch. Denn der ARD geht es nicht um investigativen Journalismus. Die sogenannte öffentlich rechtliche Anstalt (diese Bezeichnung ist nur ein anderer Name für staatlichen Propaganda-Funk) hat ihren besten Beamten geschickt, um den von der Bundesregierung vorgegebenen staatlichen Agitationsauftrag zu erfüllen und den Islamisten vom Bosporus als Demokraten mit klitzekleinen Schönheitsfehlern wieder hoffähig zu machen. Immerhin will Merkels Bündnispartner vom Mittelmeer in Sachen Todesstrafe nur mit dem großen transatlantischen Bündnispartner gleichziehen. Und mit Pressefreiheit, sei es in Blick auf die Berichterstattung über die Türkei oder über Probleme mit der Flüchtlingspolitik im eigenen Land, haben weder Merkel noch die gleichgeschalteten staatlichen Fernsehsender oder der DJV etwas am Hut.

  2. Mein Gott wie wichtig sich diese “Journalisten” mal wieder nehmen. Da werden sie von Lesern kritisiert, es wird nicht nur von Idioten (wie man so sehr gehofft hat) Lügenpresse gerufen, nach wie vor können sie sich nicht vom Establishment, von der Politik und deren wünschen und Vorgaben (beschwichtigen, verleugnen, nichts schreiben) oder auch – wie sie selbst sich bezeichnen – vom Elitären lösen und dann brüllen sie den BR-Gottlieb nieder. Von diesem “Türkei-Experten” Hasnain Kazim möchte ICH am liebsten gar nichts mehr hören und lesen. Was der sich jetzt zweimal erlaubt hat, ist unerträglich. Schade, dass er nicht mehr in der Türkei bleiben “durfte”. Da wäre ich auch eifersüchtig, wenn ein anderer das Erdogan-Interview hat. Für mich war interessant, ERDOGAN SELBST reden zu hören, ihn ruhig zu sehen, letztlich entspannt seine Sicht der Dinge darlegend. Ich brauche doch keinen dieser Wichtig-Wichtel mit “bohrenden Fragen”. Das kann ich alles in 20 Nachrichtenkanälen, hunderten Artikeln wo auch immer bis zum Erbrechen lesen. Diese Kakophonie hätte das gestrige Bild nicht im Ansatz zustande gebracht. Die Frage, ob der BR da nicht noch wie übliche raus- und rumschneidet, hat es gezeigt. Gut, dass es keiner von Euch sondern Herr Gottlieb war. Bravo Bayern! Man kann im Moment guten Gewissens sagen, die Bayern – und ja, auch die CSU – zeigen, wie’s geht.

    1. Ach so, hat Ihnen also gefallen, “Erdogan selbst reden zu hören”, ruhig und entspannt, wärend er seinem Land elementare Menschenrechte den Bach runtergehen lässt. Und klar, Herr Gottlieb hat alles richtig gemacht, indem er unbequeme Nachfragen einfach ausgespart hat … Diese Sicht der Dinge kann man wohl nur haben, wenn man selbst eher auf den autoritären bis totalitären Politikstil steht.
      Frage am Rande: Welches Problem haben Sie eigentlich mit Hasnain Kazim? Sein Kommentar zum Erdogan-Interview auf Spiegel online ist durchaus ausgewogen und trifft den Nagel mehrmals auf den Kopf: http://www.spiegel.de/politik/ausland/recep-tayyip-erdogan-im-ard-interview-die-maerchenstunde-a-1104693.html

      1. Ja.. es gefällt mir, Politiker oder wichtige Staatslenker “selbst ruhig reden zu hören”. Generell. Weil ich keine Erläuterungen brauche wie die, die Sie da wieder als “Journalistenfragen an Erdogan” aufgezählt haben. . Stellen Sie sich vor, ich – ebenso wie die allermeisten Bürger – WEISS tatsächlich, wer und was Erdogan ist. Tja und jetzt? Brauch ich dazu dann noch einen Journalisten oder SIE, der Sätze sagt wie “…während er seinem Land elemantare Menschenrechte den Bach runtergehen lässt”. Wollen wir mal ZÄHLEN, auf wie viele Staatslenker dieser Satz zutrifft? Es werden die meisten sein, mit denen wir aber Globalisierung spielen “müssen” (wegen der Wirtschaft natürlich). Mir geht dieses journalistische Theater total auf den Geist. Zuletzt beim “Brexit” als alle gemeinsam das Mantra beteten: Schrecklich für GB… sie sind tot… Europa wird glänzend leben (tuts jetzt schon nicht)…Globalisierung… eine Welt…keine Grenzen im 21. Jahrjundert… weil “UNSERE Wirtschaft” das braucht und will.. blablablubb.. Und zu Hasnain Kazim fällt mir gleich einer von zwei Sätzen ein, nach denen er für mich versch.ssen hat: “Gewöhn dich dran: Wir sind hier, werden immer mehr und beanspruchen Deutschland für uns. Ob du willst oder nicht.” Dann weiss’er ja Bescheid der dumme deutsche Depp.

  3. Der Punkt ist, dass Gottlieb gar kein Journalist ist, sondern ein CSU Parteisoldat, der nur deswegen auf einem Posten sitzt, den er weder fachlich, intellektuell noch charakterlich ausfüllen kann. Und das weiß man eigentlich schon seit Jahrzehnten.

  4. Gottlieb ist gelungen, was allen anderen (Kritikern) nicht gelungen ist: Den wütenden Erdogan zum Reden zu bewegen. Das ist – trotz berechtigter journalistischer Zusatzwünsche – allemal aufschlussreicher als KEIN Interview.

    Es ist unprofessioneller Kinderglauben, wenn hier feuilletonistische Schreibtisch-Kritiker im sicheren Deutschland glauben, mit rotzigen Fragen könne man mit Erdogan vor laufender Kamera abrechnen. Dann gibt’s eben KEIN Interview.

    In der Praxis verabreden alle (!) führende Journalisten ihre Fragen “in etwa” vertraulich mit ihren (führenden) Interview-Partnern – obwohl das laut Journalisten-Lehrbuch nicht voll “ethisch” ist. Alle Pressestellen aller Präsidenten und Kanzler verlangen das meiner jahrzehntelangen Erfahrung nach, mehr oder minder – je nach Anlass und Situation. Auch wenn es von allen Beteiligten automatisch strikt dementiert wird. Es ist so!

    Hauptsache, der gestresste Gesprächsfaden zum gestressten “Gegner” reißt nicht ab. Das ist wahrscheinlich wertvoller für die türkischen Demokraten vor Ort – als wie ein moralischer Oberlehrer die Situation mit Erdogan unverantwortlich noch mehr zu verhärten.

    Daher: Volles Verständnis für die stressige Situation und die schwierige Gesprächsführung von Siegmund Gottlieb.

  5. Zitat: “Es ist unprofessioneller Kinderglauben, wenn hier feuilletonistische Schreibtisch-Kritiker im sicheren Deutschland glauben, mit rotzigen Fragen könne man mit Erdogan vor laufender Kamera abrechnen. Dann gibt’s eben KEIN Interview.”

    Es ist unprofessioneller Glaube deutscher Journalisten und deutscher Leser und Zuschauer, dass rotzig dasselbe wäre wir kritisch und insistierend. Angloamerikanische Journalisten (Hart talk with….) und sogar Komiker (Jon Stewart) machen vor, dass man die Regeln von Höflichkeit und Anstand wahren kann, aber trotzdem insistiert, nachakt, konfrontiert und rhetorisch perfekt als Lügner entlarven kann. Im deutschen Fernsehen gibt es fast niemanden, der das kann. Und komm jetzt bloß niemand damit, dass es früher wenigstens Küppersbusch und Willemsen gab – die waren größtenteils nämlich auch nur rotzig.

    1. @ Peter.. haste dich aber auch entlarvt mit einem Satz wie diesem: “…machen vor, dass man die Regeln von Höflichkeit und Anstand wahren kann, aber trotzdem insistiert, nachhakt, konfrontiert und rhetorisch perfekt als Lügner entlarven kann.”

      Das mit den Journalisten stimmt. aber MUSS es das Ziel sein, das Gegenüber “…als Lügner” zu entlarven. Oft genügt ein ganz normales Interview, in dem man den Leuten – speziell im TV – mehr Zeit lässt, sich “freizulabern”. Was dabei herauskommt reicht völlig. So wissen wir seit dem STERN-Bild vom erschöpften deMaiziere in (wo-war-er-da-als-Merkel-die-Grenzen-öffnete?), dass seine martialischen Sprüche vom “im-Griff-haben” nur durch seine stramme Stimme und das Offiziers-Auftreten “wirken” aber eigentlich ständig unter “Lügen” eingeordnet werden müssten. Und täglich kann man Altmaier zusehen und -hören, wie er sich selbst verschwafelt. Wobei er ja noch ein “netter” ist aber wer braucht schon was “nettes” in der Politik. Worthülsen sind das und alle Politiker schreiben die mit. Da fühlen sie sich auf der sicheren Seite.. ‘”Im 21. Jahrhundert und wegen der Globalisierung” war so was (da kann man keine Grenzen mehr überwachen…und schon lachten Ungarn und Österreich schallend) . Amen.

      1. Ich sehe nicht, wie ich mit damit entlarvt haben sollte…und schon gar nicht, als was ich mich entlarvt haben sollte.
        Richtig ist: manche Leute kann man reden lassen, damit sie sich selbst irgendwann verplappern. Aber wenn jemand – und das bezieht sich nicht nur auf das Interview mit Erdogan – unwidersprochen Lügen in den Raum stellt, die durch Fakten zu widerlegen sind. Wenn jemand wichtige Punkte nicht erwähnt, die in dem Zusammenhang wichtig sind. Wenn jemand wichtige Fragen nicht oder ausweichend beantwortet…….was ist dann Ihrer Ansicht nach die Aufgabe des Journalisten, der vor diesem Menschen sitzt? Meine Ansicht ist: Er, der Journalist, ist derjenige, der die Fakten nennen muss, der die nicht-genannten Punkte ins Gespräch bringen muss und der, der die nicht-beantworteten Fragen erneut stellt. Und welche Aufgabe hätte nach Ihrer Auffassung der Journalist in dieser Situation? Reden lassen und zwischendurch frischen Kaffee besorgen?

  6. Ich habe das Interview gesehen. Merkwürdigerweise komm ich zu einem ganz anderem Ergebiss. Ich finde, es wurde versucht, alle Vorurteile aggressiv und zynisch bestätigt zu bekommen. Ich selbst war ja aufgrund der Medien gegen Erduan. Ich muss mein Urteil revidieren: Recht hat er mit vielem, vor allem mit der Aussage, es sollte das Wort Terror nicht mit dem Islam im Sinne von islamistischer Terror benutzt werden. Es gibt auch keinen christlichen Terror etc. Ich finde diese Deutsche Arroganz, sich als vermeintlicher Gutmensch über andere Kulturen zu stellen und zu meinen, man hat die einzig richtige Weltanschauung unerträglich und größenwahnsinnig! Genau diese Haltung treibt alles aufs Äußerste und drängt Staaten in Ecken. Lasst doch die Lösungen dort selbst gefunden werden und verschleiert nicht Eure eigenen Machtinteressen!!! Mit dieser – auch im Interview deutlich vorhandenen Arroganz wird alles kaputt gemacht. Und den Rechten zugespielt.

    1. @ Peter – Du hast dich entlarvt, weil du in Deinem Satz automatisch davon ausgehst, dass das Ziel eines Journalisten sein muss, das Gegenüber “als Lügner” zu entlarven. Du hast damit gemeint: Der Erdogan ist sowieso ein Lügner und der ihm gegenüber sitzende Journalist MUSS den jetzt zwingend “als Lügner entlarven”. Tut mir leid, das MUSS ein Journalist nicht, finde ich. Es ist eine Voreingenommenheit dieser ganzen Wichtig-Kritiker zu sagen, der Interviewer muss IHREM Anspruch gerecht werden und so agieren wie die sich eine “Entlarvung” etc. halt so vorstellen. Nö.. MUSS er nicht. Mir sind – wie schon oft ausgeführt – diese Journalisten-Wichtigtuer mit ihrer Kommentar-Hybris und gleichzeitig fehlender Trennung von leider meistens linker Meinungsmache und Inhalt vollkommen egal. Es interessiert mich nicht was sie “meinen” oder kritisieren oder sonstwas. Und ich glaube, genau das geht sehr, sehr vielen anderen genauso. Das ist der Preis, den diese Journalisten dafür bezahlen und er führt unweigerlich ins Aus, wenn sie den Weg zurück vom MeinungsMACHER und Leser-Beschimpfer zum Vermittler von Nachrichten/Infos nicht finden.

  7. Unter “rotzig” verstehe ich gerade die Art von Gottlieb – nämlich jovial grinsend mit einem zumindest dem Anschein nach in Richtung Größenwahn sich entwickelnden Staatschef über Für und Wider der Todesstrafe zu parlieren, als handelte es sich um Viererkette und Rudi Völler.

  8. Erdogan ….. erkennt NIEMAND die Parallelen zu Atalin und A Hitler?? Damals war die Information noch nicht so wie heute. Heute kann /und muss man solch einen hundern an der Macht zu bleiben. Die ganze Welt wird darunter leiden.Aber alle Politiker sehen weg, vorallem Frau Merkel..es ist beschähment für mich als biologisch Deutschen, wie diese Frau und ihre Berater wegschauen….

  9. Das Sigmund Gottlieb ein fehlbesetzter Journalist ist hat er schon bewiesen.
    Man sehe mal die Zusammenstellung YouTube “Sigmund Gottlieb (BR) und die Griechen | extra 3 | NDR”
    Kein weiterer Kommentar nötig.

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