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Hatte der Münchner-Amokläufer seine Waffe aus dem “Darknet”? Was Sie über das anonyme Netz wissen sollten

Am 22. Juli erschoss ein Amokläufer zehn Menschen in München – mit einer Waffe aus dem “Darknet”?
Am 22. Juli erschoss ein Amokläufer zehn Menschen in München – mit einer Waffe aus dem "Darknet"?

Drogen, Waffen, Kinderpornografie, Falschgeld und Datenklau: Im "Darknet" blühen illegale Geschäfte. Auch David S. soll seine Tatwaffe, mit der er am 22. Juli im Olympia Einkaufszentrum in München zehn Menschen getötet hat, über das anonyme Netz bezogen haben. Das legen Ermittlungen nahe. Allerdings wird der dunkle Teil des Internets auch von Bürgerrechtlern und Aktivisten genutzt. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

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Was ist das Darknet?

Das sogenannte Darknet (Englisch: dunkles Netz) ist ein verborgener Teil im Internet und nach Einschätzung von Fachleuten in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Wie in einer Art Paralleluniversum werden abgeschirmte Verbindungen hergestellt. Es ist über herkömmliche Suchmaschinen nicht zu finden, notwendig ist eine Verschlüsselungssoftware und häufig auch eine Einladung, um Zugang zu erhalten. Die Webseiten sind themenbezogene Datenbanken und Foren sowie Verkaufs-Plattformen für Drogen, Waffen und andere verbotene Waren.

Wer nutzt das Darknet?

Im Darknet können sich Internetnutzer fast ganz anonym bewegen. Das ist für Menschen interessant, die großen Wert auf Privatsphäre legen oder die in einem repressiven politischen System leben und ihre Meinung äußern wollen. Kriminelle nutzen die Anonymität gerne für ihre Geschäfte aus.

Wie kommt ein Internetnutzer ins Darknet?

Der Zugang ist nur über eine Anonymisierungssoftware möglich. Die bekannteste ist die kostenlose Software “Tor”, das ursprünglich für “The Onion Router” steht. Mit der Freeware werden Datenpakete nach dem Zwiebelschalenprinzip zwischen Servern verschlüsselt weitergeleitet. Jeder Server kennt so nur seinen Vorgänger und Nachfolger, aber nicht die gesamte Verbindung. Die IP-Adresse des Nutzers wird auf diese Weise getarnt.

Welche Rolle spielen Drogen im Darknet?

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Schwerpunkt der illegalen Geschäfte im Darknet ist nach Einschätzung von Ermittlern Rauschgifthandel. Vor allem synthetische Drogen wie Amphetamine werden gehandelt, aber auch Heroin, Kokain, Cannabis und Ecstasy. Auf nur einer Verkaufs-Plattform gibt es dafür mehr als 10.000 Angebote. Wie viele Plattformen es im Darknet gibt, weiß niemand genau. “Das Darknet verändert sich ständig”, sagt der Sprecher der Zentralstelle zur Bekämpfung der Internetkriminalität (ZIT), Georg Ungefuk. “Plattformen verschwinden und neue kommen hinzu.” Allein auf einer nichtkommerzielle englischsprachige Website über das Darknet und seine Angebote finden sich mehr als 20 solcher Plattformen.

Welche Rolle spielt der Waffenhandel im Darknet?

Waffen werden im Darknet nach Erkenntnissen von Fachleuten deutlich seltener angeboten als Drogen, sind aber angesichts der Sicherheitslage Schwerpunkt der Ermittlungen. Etwa 20 bis 30 Menschen seien allein 2015 wegen Waffendelikten im Darknet identifiziert worden, sagt Ungefuk. Ein Mann aus Idar-Oberstein beispielsweise, der eine halbautomatische Kurzwaffe und einen Schießkugelschreiber im Darknet erstanden hat, wurde kürzlich von der Generalstaatsanwaltschaft Koblenz angeklagt. Die Polizei konnte eingreifen, als der 25-Jährige eine Pistole und eine Handgranate kaufen wollte.

Welche anderen Waren werden vor allem im Darknet noch gehandelt?

Die Ermittler nennen Kinderpornografie, Falschgeld, gefälschte Pässe und Plagiate als Beispiele. Ebenfalls zum Verkauf stünden ausgespähte Daten etwa von Kreditkarten und Online-Banking sowie gefälschte Internet-Zugänge. Angeboten werden aber auch weiche Drogen, die in manchen Ländern legal sind, in anderen nicht.

Wie wird im Darknet bezahlt?

“Die verbotenen Geschäfte leben von anonymer Kommunikation, anonymen Zahlungen und Tricks bei der Lieferung”, sagt Ungefuk. Die Käufe laufen über elektronische Währungen wie etwa Bitcoin. Der mutmaßliche Waffenkäufer aus Idar-Oberstein beispielsweise wollte seine so gekaufte Ware an eine Hoteladresse in Leipzig und eine Packstation in Bad Kreuznach liefern.

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