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Schießerei in München: “Tagesschau” und “heute journal” gefragt, junge Zuschauer sehen “RTL aktuell”

Sollte es einen öffentlich-rechtlichen Newssender geben? Eine Mehrheit der Deutschen sagt: Nein.
Sollte es einen öffentlich-rechtlichen Newssender geben? Eine Mehrheit der Deutschen sagt: Nein.

Als sich am frühen Freitagabend die Nachricht von der Schießerei in München verbreitete, stellten zahlreiche TV-Sender ihre Programme um und berichteten live. Die meisten Zuschauer informierten sich über eine ungewöhnliche Ausgabe der 20-Uhr-"Tagesschau". Im jungen Publikum waren "RTL aktuell" und Sat.1 mit seinen kurzen Nachrichten-Spezials gefragt.

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Das sind die fünf Dinge, die Sie über die Quoten vom Freitag wissen müssen:

1. Über 5 Mio. sehen die Sonderausgabe der “Tagesschau” um 20 Uhr

Das Erste übertrug gerade das Fußball-Länderspiel der deutschen Frauen-Nationalmannschaft gegen Ghana, als klar wurde, dass am Münchner Olympia-Einkaufszentrum nach einer Schießerei wohl mehrere Menschen gestorben sind, und schaltete im laufenden Spiel in zwei Sonderausgaben der “Tagesschau”. Die meisten Zuschauer dürften aber vermutlich über die Ausgabe ab 20 Uhr von der Gewalttat und dem Großeinsatz der Polizei erfahren haben. Im Schnitt 5,08 Mio. Zuschauer sahen die eineinviertelstündige Ausgabe, in der Jens Riewa immer wieder live zu Gesprächspartnern nach München schaltete, das entspricht fast einem Fünftel aller Zuschauer, die zu dieser Zeit fernsahen (19,5% Marktanteil). Nach 21.15 Uhr übernahm Thomas Roth mit den “Tagesthemen”, die bis halb eins ohne Unterbrechung durchsendeten und über diese Strecke hinweg durchschnittlich 3,53 Mio. erreichten (16,4%). Insgesamt liegt die Zuschauerzahl jedoch höher, da zahlreiche Dritte am Abend kurzerhand die verlängerte Berichterstattung der “Tagesschau” (und zum Teil der “Tagesthemen”) übernahmen. Alleine im BR Fernsehen sahen nach der “Rundschau” (530.000 Zuschauer) weitere 0,79 Mio. die “Tagesschau”, die “Tagesthemen” schließlich 0,45 Mio. Im Ersten informierten sich wiederum nach dem “Tatort” gegen 2 Uhr noch 530.000 Zuschauer im “Nachtmagazin”.

2. ZDF erreicht mit dem “heute journal” am späteren Abend die meisten Zuschauer

Beim ZDF entschied sich die Redaktion gegen eine durchlaufende Live-Berichterstattung und berichtete regelmäßig im laufenden Programm über den aktuellen Stand der Dinge. Um 19 Uhr hatten bereits 3,8 Mio. die reguläre “heute”-Sendung eingeschaltet, anschließend lief am Vorabend “Betty’ Diagnose” (2,05 Mio.), unterbrochen von einem “heute spezial” (1,98 Mio.). Zum “heute journal spezial” um 20.23 Uhr mit Claus Kleber stieg die Zuschauerzahl auf 2,87 Mio. an, mit 3,96 Mio. verfolgten die meisten aber um kurz vor zehn das klassische “heute journal”, das ebenfalls komplett auf die Live-Berichterstattung aus München umgestellt war. Weitere Spezial-Ausgaben am späten Abend bzw. in der Nacht kamen auf 1,33 Mio. (ab 23.07 Uhr) bzw. 0,67 Mio. (ab 0.12 Uhr).

3. 14- bis 49-Jährige geben “RTL aktuell” den Vorzug, n-tv auch in der Nacht noch gefragt, N24 live auf Facebook

Um 18.45 Uhr meldete sich Peter Kloeppel aus Köln regulär zu “RTL aktuell”, blieb in den darauffolgenden dreieinviertel Stunden auf Sendung und war damit Haupt-Nachrichtenquelle im jungen Publikum. 1,49 Mio. 14- bis 49-Jährige entschieden sich für RTL als Informationsmedium, mit 19,3% hatte Kloeppels Sendung in der Zielgruppe ungefähr den gleichen Stellenwert wie die “Tagesschau” fürs Gesamtpublikum. Insgesamt kam “RTL aktuell” auf 2,97 Mio. Zuschauer. Nach kurzer News-Unterbrechung lief außerdem bereits ab 23.15 Uhr ein “Nachtjournal spezial”, für das sich noch 0,84 Mio. 14- bis 49-Jährige interessiertem. Sat.1 schaltete derweil im laufenden Programm immer wieder zu Marc Bator in die “Sat.1 Nachrichten” – erstmals um 19.53 Uhr, allerdings noch relativ erfolglos (4,8%). Das “Spezial” nach 22 Uhr sahen dann aber schon 0,98 Mio. junge Zuschauer – so viele wie parallel dazu das “heute journal”. Nur “Tagesschau” und “Tagesthemen” waren noch stärker (1,18 bzw. 1,06 Mio.). ProSieben zeigte zwischen den Spielfilmen “Newstime Kurznachrichten” und erreichte damit 700.000 14- bis 49-Jährige; 540.000 waren nach 22 Uhr die bei der “RTL II News”-Sonderausgabe dabei. Nachrichtensender n-tv meldet, in der Spitze um kurz vor neun Uhr am Abend 1,01 Mio. Zuschauer (ab 3 Jahren) erreicht zu haben und reklamiert bis zu 11,3% Marktanteil für sich. In der Nacht, als die übrigen Sender langsam wieder zur Programmroutine zurückkehrten, lag der Marktanteil zwischen 0 und 3 Uhr bei 7,1 Prozent. Der Tagesmarktanteil lag bei 2,8% (3,4% bei den 14- bis 49-Jährigen). N24 erzielte 2,8% (ab 3) bzw. 4,6% (14 bis 49) und erklärt, 50.000 Zuschauer hätten in der Spitze den N24-Livestream bei Facebook verfolgt.

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4. “Ein Fall für Zwei” und “Superkids” sind die einzig relevanten Alternativprogramme

Vom restlichen Programm ist nicht viel übrig: Das Erste verzichtete bis nach 0 Uhr komplett auf die geplanten TV-Filme. Die erste Sendung, die nicht aus dem Nachrichten-Genre stammt, findet sich beim Gesamtpublikum auf Platz 8, heißt “SOKO Kitzbühel” (2,82 Mio.) und lief im ZDF, als die Schießerei von München noch im Gange war. 2,68 Mio. entschieden sich am Abend für den verspäteten “Fall für Zwei” im ZDF als Ablenkung (9,8%), dann folgt Sat.1 mit dem Kontrastprogramm “Superkids”, das 2,05 Mio. eingeschaltet hatten.

5. RTL-Soaps stoßen am späten Abend auf überschaubares Interesse, ProSieben verzichtet auf “Zombieland”

Im jungen Publikum erreichten die von Nachrichten-Spezials unterbrochenen “Superkids” 0,92 Mio. und 10,0% und waren damit die einzige Nicht-Nachrichtensendung in den Top 10. RTL entschied sich am Abend, doch noch “Alles was zählt” und “Gute Zeiten, schlechte Zeiten” zu zeigen, das Interesse hielt sich aber in Grenzen (0,7 Mio. und 7,4% bzw. 0,73 Mio. und 8,6%). ProSieben brachte zunächst wie geplant “Abraham Lincoln Vampirjäger” (6,0%), entschied sich aber sehr kurzfristig gegen den angekündigten Film “Zombieland” und sendete stattdessen “Freundschaft plus” (6,8%). Bei kabel eins steigerte sich “The Mentalist” im Laufe des Abvends von 4,5% auf 7,8% nach 23 Uhr. 540.000 junge Zuschauer sahen “Zurück in die Zukunft II” bei RTL II (5,7%). Und die Lust des Publikums auf “Law & Order: Special Victims Unit” bei Vox war quasi nicht vorhanden: Über 0,32 Mio. und 3,6% kamen die Episoden am Abend nicht hinaus.

Hier finden Sie bei MEEDIA täglich die Top 20 des Gesamtpublikums und der 14- bis 49-Jährigen. Eine Liste aller Quoten-Analysen der Vergangenheit lesen Sie immer an dieser Stelle.

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Alle Kommentare

  1. In den ersten Stunden nach dem Attentat war „Journalistenchaos“ auf ARD/ZDF/RTL.
    Reporter vor Ort brachten immer nur die gleichen Filme und die Verbindung funktionierte überhaupt nicht.
    Es ist halt was anderes Filme von anderen im Studio aufzubereiten oder wenn man selber vor Ort ist.

  2. Chaos auf allen Kanälen.
    Klar war nur, daß es einen brutalen Übergriff im OEZ in München gegeben hat.
    Dies war auch die einzig gesicherte Nachricht über Stunden hinweg.
    Das was Fernsehen über Stunden hinweg lieferte, hatte mit verantwortungsvollem Journalismus nichts zu tun, sondern war nichts anderers als Vermutungen und Kaffeesatzleserei, und hier schenkten sich die einzelnen Sender nichts.
    Am meisten enttäuscht hat mit Peter Kloeppel, der seinen Journalisten vor Ort regelrecht dazu anstachelte, Leute die unter Polizeischutz die Gefahrenzone verließen zu interviewen. Selbst nachdem Polizeibeamte andeuteten, man möge diese Leute in Ruhe lassen, ließ Herr Kloeppel nicht nach seinen Kollegen vor Ort zu drängen, doch noch ein Interview zu ergattern.
    Großes Lob für die Beamten, die standhaft blieben, die wußten was sich gehört.
    Schande über Herrn Kloeppel

  3. Ich finde es eine Sauerei den ganzen Abend wegen so einen Idioten zu berichten und immer das selbe zu erzaehlen!! Das wollen diese Typen doch nur erreichen! Ich hatte das Gefuehl der Moderator hat sich richtig daran aufgegeilt zu senden!! Mitten im Film abbrechen ohne Entschuldigung und die Zuschauer imUnklaren lassen wie lange sie senden finde ich erbaermlich!!!

    1. Ja – so ist die Medienwelt eben. Immer die gleiche Soße erzählen! Immer und immer wieder. Es ist schön, die Freiheit (noch) zu haben, den Exit-Knopf drücken zu können. Mama Merkel hat natürlich wieder überreagiert … und hat als letzte Politiker Ihr Blabla-Statement abgegeben. Großartige Leistung! Wann wählt ihr die endlich ab?

    2. Ja – so ist die Medienwelt eben. Immer die gleiche Soße erzählen! Immer und immer wieder. Es ist schön, die Freiheit (noch) zu haben, den Exit-Knopf drücken zu können.

  4. …..und beinahe hätte ich es vergessen, ein großes Lob an die Polizistin, welche den von Kloeppel angestachelten Reporter sauber abblitzen lassen hat.

  5. Mein Vorschlag:

    Klöppel, Roth, Riwa und wie sie alle heißen (nicht zu vergessen den coolen Typen vom BR, der nichtssagende Handy-Displays lässig in die Studiokamera hielt) zu einem mehrtägigen Fortbildungslehrgang bei Marcus da Gloria Martins, dem Münchner Polizeisprecher, verpflichten.
    Vielleicht lernen sie dort ja doch noch zu unterscheiden:
    Zwischen Fakten und Spekulation.
    Zwischen Berichterstattung und Sensationsmache.
    Zwischen Anteilnahme und Betroffenheitstheater.

    Man fragt sich doch, für wie bescheuert die genannten Herren Journalisten ihr Publikum halten.

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