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“Souverän, offen, professionell”: Münchens Polizeisprecher wird nach Amoklauf zum Social-Media-Helden

Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, reagierte gegenüber anwesenden Journalisten besonnen und souverän
Marcus da Gloria Martins, Pressesprecher der Polizei München, reagierte gegenüber anwesenden Journalisten besonnen und souverän

Kurz nach der mutmaßlichen Terror-Attacke in Würzburg, kam es am Freitagabend rund um ein Einkaufszentrum in München zu einem weiteren Anschlag. Offenbar mehrere Täter schossen auf zahlreiche Passanten, bislang starben acht Menschen. Nach wie vor ist die Nachrichtenlage unübersichtlich. Während sich Medien der ein oder anderen Spekulation hingeben, glänzte im Info-Wirrwarr vor allem einer: der zuständige Sprecher der Polizei München.

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Die bayerische Polizei ist im Großeinsatz in München: Offenbar ein Täter am Freitagabend rund um ein das Olympia Einkaufszentrum im Nord-Westen der Stadt auf mehrere Passanten. Nach derzeitigen Angaben sind acht Menschen bei dem Anschlag, den die Polizei unter Terror-Verdacht stellt, gestorben. Nach wie vor ist die Nachrichtenlage unübersichtlich. Während sich Nachrichtensender und ihre Redaktionen bereits zahlreichen Spekulationen hingeben (die “Tagesthemen” spekulierten u.a. über einen möglicherweise rechtsradikalen Anschlag, früh spekulierte man darüber, dass sich einer der flüchtigen Täter selbst erschossen haben soll), gibt es derzeit nur eine zuverlässige Quelle: das Polizei-Präsidium München. Um kurz nach halb zehn am Abend trat das erste mal Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins vor die Presse und zeigte sich angesichts der unübersichtlichen und nach wie vor angespannten Lage äußerst souverän.

So ließ sich der 42-Jährige nicht zu Spekulationen verleiten und wies auch Suggestiv-Fragen der anwesenden Journalisten gekonnt ab. Während sich seine Polizeikollegin in höchster Alarmbereitschaft befinden und weiter nach den flüchtigen Tätern gefahndet wird, war es Gloria Martins, der auch in der Berichterstattung das erste Mal einen Moment der Ruhe und Sachlichkeit brachte. So verwies der Sprecher glaubhaft darauf, dass die “sehr gute” Polizei in München ihre Arbeit mache. Die Reaktion des Beamten stieß vor allem in den sozialen Netzwerken auf positive Resonanz.

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In den sozialen Netzwerken – in Nachrichtenlagen eine der ersten Quellen für Außenstehende – reagierte die Münchener Polizei ebenfalls mit beispielhafter Krisenkommunikation. Innerhalb kürzester Zeit informierten die Beamten in unterschiedlichen Sprachen über Kontaktmöglichkeiten zur Polizei und sprach regelmäßig Warnungen aus, dass Zivilisten die offenen Straßen verlassen sollen. Darüber hinaus twitterten sie auch den Facebook-Safety-Check und riefen die Öffentlichkeit dazu auf, aus ermittlungstaktischen Gründen bitte keine Videos von möglichen Tätern oder Polizeieinsätzen ins Netz zu stellen. Am Abend lobte auch Bundeskanzleramtsminister Peter Altmaier das Handeln der Polizei als “besonnen und professionell”. Noch in der Nacht richteten Nutzer sogar eine Facebookseite für den Sprecher der Polizei ein, die innerhalb weniger Stunden mehr als 15.000 Likes sammelte. Auf der Seite wird Garcia Martins genauer vorgestellt sowie Artikel über ihn verlinkt.

Sollten Zeugen über Videomaterial verfügen, sollen diese nach Angaben des Polizeisprechers im Laufe der Nacht die Möglichkeit bekommen, dieses bei einem gesonderten Portal des Landeskriminalamtes hochladen zu können. In der Pressekonferenz bat der Sprecher darüber hinaus auch die Medien, nützliches Videomaterial und Informationen bereitzustellen.

Update, Samstag, 11.17 Uhr:

Die Polizei hat mittlerweile bestätigt, dass es sich bei einer neunten Leiche offenbar um den Täter handelt. Noch in der Nacht stürmte die Polizei die Wohnung des Verdächtigen, der gemeinsam mit seinen Eltern im Stadtteil Maxvorstadt lebte. Der Mann soll ein 18 Jahre alter Deutsch-Iraner gewesen sein.

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Alle Kommentare

  1. Twitter-Held – ist das eine Beleidigung? Helden sind das türkische(?) Paar, das das Video des deutschsprechenden Täters (und des ihn beschimpfenden Bayern) aufgenommen und ins Netz gestellt hat.

    1. Genau das sehe ich anders. Aufgrunddessen werden sich einige Trittbrettfahrer als Zeugen melden, die nichts gesehen haben, aber mit Details aus dem Video Aufmerksamkeit heischen wollen, und andere Zeugen haben was gesehen, sagen aber möglicherweise nicht alles, weil sie wegen des Videos glauben, sich geirrt zu haben (Beispiel: Wenn da ein zweiter Täter mit blauem Rucksack war, den ein Zeuge gesehen hat, könnte es den Zeugen verleiten zu glauben, er habe sich geirrt, der Rucksack war rot und nur ein Schütze im OEZ). Beides erschwert die Polizeiarbeit massiv. Solche Videos gehören nicht ins Netz – es sind Beweismittel.

      1. Ich fürchte, Sie verkennen in diesem Fall die Prioritäten, die sind angesichts der Stimmung im Lande m. E. inzwischen politische, weniger kriminalistische. Ausländer als Zeugen in den Medien sind da ein Stabilitätsfaktor. Vor allem, falls in dieser Nacht einer der ÖPNV-Ausgesperrten oder Türöffner beraubt, belästigt o.ä. werden sollte, hilft der Polizeiführung morgen auch kein ruhiger Herr da Gloria Martins.

  2. In diesem Artikel ist von “Mindestens drei Tätern” die Rede. Worauf basiert diese Aussage, oder ist das genau die Art von Spekulation, um die es hier geht?

  3. Hervorragender Kommentar des Polizeisprechers. Wir müssen lernen, nicht die Antworten nicht sofort parat zu haben, sondern so zu denken wie die Polizei, die die Sachlage erst erforschen muss und keine Schnellschlüsse ziehen darf, müssen wir lernen. Die Antwort zu bekommen, kann leider dauern, aber damit muss man leben können.
    Ich könnte mir nach dem Abhören des Videos vorstellen, dass es ein Deutscher mit ausländischen Wurzeln war. Die Wut sitzt tief, wenn man es nicht geschafft hat, in die Gesellschaft aufgenommen worden zu sein, warum auch immer. Und wenn man meint, dass immer nur die anderen schuld waren, kommt es vielleicht zu solch einer Eskalation, aber gottseidank nicht bei jedem.

  4. Ich sehe das auch so ein ruhiger. Absolut kompetenter Polizeisprecher…….scheinbar fundiert rhetorisch ausgebildet. …sehr ruhig und besonnen. …angenehme stimme…klasse Leistung wie er manchen dreist nachfragenden Journalisten den Wind aus den segeln nimmt …..ruhig aber bestimmt….wow

  5. Kompliment an den Polizeisprecher. Man sollte aber auch mal die Journalisten hinterfragen, die meisten waren an Blödheit ja kaum zu überbieten mit ihren dämlichen Fragen. Denen war es ja nicht einmal peinlich ständig die gleichen Fragen zu stellen ohne einmal zuzuhören was der Pressesprecher von sich gegeben hat. Profis waren das auf keinen Fall.

  6. Der Pressesprecher ist einfach großartig. Bewahrt die Ruhe und Sachlichkeit als ob ihm nichts aus der Ruhe bringt. Obwohl es in seinem innersten garantiert anders aussieht.

  7. Aber trotz dass der wirklich sehr gute Polizeisprecher zwei mal betont, dass es BIS ZU drei Täter waren, ist hier die Rede von MINDESTENS drei Täter. Zuhören können gehört halt auch dazu.

  8. Das ist, weil der Mann “Eier” hat und sich traut, seine Aussagen sicher zu vertreten. Das ist selten im öffentlichen Dienst, da machen sich mittlerweile alle in die Hose, keinen Fehler zu machen.
    Due Bürger wollen aber kein ängstliches Rumgeeiere, sondern sachliche Aufklärung mit Rückrat!
    Seine Aussagen werden bestimmt von seinen Vorgesetzten noch Wort für Wort zerpflückt, ib man beim ein oder anderen Bedenken hätte. Widerlich.

  9. Der Mann versteht offenbar eine ganze Menge von dem, was seine Kollegen unmittelbar nach der Alarmierung tun und berichtet darüber sachlich, offenkundig mit den Ziel zu informieren und nicht sich als was auch immer zu inszenieren. So wie in in unserer Zeit Politiker und vermehrt auch Journalisten in den Medien auftreten kann man diese Haltung des Polizei-Pressesprechers gerade in solch ‘brenzligen’ Situationen immer seltener antreffen. Der Polizeisprecher hat im Grunde nur seinen Job gemacht. Dies allerdings sehr gut. Dass so etwas zu solchen Lobeshymnen in den sozialen Netzwerken führt scheint mir allerding eher daran zu liegen, dass wir durch die das Fernsehen “zur Selbstinszenierung missbrauchende” o.g. Journalisten und Politiker von solcher Art Professionalität entwöhnt sind.

  10. Nachtrag: Ich kann die aufgeregte Effekthascherei der TV-Anstalten (ein Brennpunkt jagt den anderen) nach solchen Amokläufen oder (schlimmer noch) Attentaten nicht mehr ertragen. Sie wissen gerade einmal, dass irgend etwas Schlimmes passiert ist, vielleicht noch wo, aber sie laden zig sogenannte Experten für irgendwas ein um über Stunden zu spekulieren und zu schwadronieren. Da hat die Polizei nicht einmal den Tatort gesichert und die Möchtegern-Journalisten wollen beteits den Namen und insbesondere die Nationalität und Religion des Täters oder der Täter (m/w) wissen. Mit seriösem Journalismus hat das überhaupt nichts zu tun, eher schon mit Wichtigtuerei, Voyeurismus und einer perversen Quotenjagd.

  11. Die Social Media Kanäle waren die einzige valide Nachrichtenquelle an diesem Abend. Das aufgeregte Mediengeschnatter der inhaltleeren Nachrichtendauersendungen von ARD und ZDF war kaum noch zu ertragen. Obwohl die Moderatoren ständig die Tweets der Polizei zitierten, haben sie sich selbst nicht daran gehalten, von Mutmaßungen und Spekulationen abzusehen und auch keine Bilder und Videos ins Netz zu stellen. Hut ab vor dem professionellen Kommunikationsteam in dieser schwierigen und tragischen Nachrichtenlage: http://www.blog2social.com/de/blog/krisen-pr-ueber-social-media-polizei-muenchen-zum-oez-terror/

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