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“Erpressungsversuch Vorschub geleistet” – David Garretts Anwalt kritisiert den stern wegen Interview mit Ex-Geliebter

Harro von Have
Harro von Have

Der Star-Geiger David Garrett befindet sich in einem Rechtsstreit mit seiner ehemaligen Freundin, dem Escort-Girl Ashley Youdan. Sie hat Garrett in den USA wegen sexuellen Missbrauchs auf 20 Millionen Dollar Schmerzensgeld verklagt. Vorwürfe und intime Details aus der Beziehung hat Youdan im stern in einem Interview ausgebreitet, das Garretts Anwalt Harro von Have im Gespräch mit MEEDIA scharf kritisiert.

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Sie haben gegenüber dem stern wegen eines Interviews mit der Ex-Freundin Ihres Mandanten David Garrett, Ashley Youdan, ein Unterlassungsbegehren geltend gemacht. Warum gehen Sie gegen den stern vor?

Weil sich hier der Eindruck aufdrängt, dass Frau Youdan die Peinlichkeit der öffentlichen Darstellung des Intimlebens meines Mandanten als Waffe nutzt, um wirtschaftlichen Druck auszuüben. Dies vor dem Hintergrund, dass die Interviewte als Escortgirl und Pornodarstellerin im Hinblick auf die Veröffentlichung ihres eigenen Intimlebens nichts zu verlieren hat.

Hat der stern auf ihr Unterlassungsbegehren reagiert?

Er hat überhaupt nicht reagiert.

Details aus dem Intimleben Ihres Mandanten David Garrett und seiner Beziehung zu Ashley Youdan waren vor dem stern-Interview schon in vielen Medien zu lesen. Immerhin war ja ofenbar die Akte im Umlauf. Warum sind Sie dagegen nicht vorgegangen?

Das Alleinstellungsmerkmal der stern-Geschichte besteht darin, dass Frau Youdan für ihre Darstellung sieben Seiten Raum bekommt, um Details aus dem Intimleben meines Mandanten auszubreiten. Ein Interview mit Frau Youdan wurde vorher flächendeckend anderen Medien zum Kauf angeboten, auch einschlägigen TV-Magazinen. Alle haben davon Abstand genommen, ein Interview zu kaufen. Die Besonderheit hier ist, dass Frau Youdan persönlich aus dem absolut geschützten Intimleben unseres Mandanten berichtet, und zwar sehr detailliert.

Der stern schreibt, Sie und David Garrett hätten sich zur Geschichte nicht äußern wollen. Warum nicht?

Der stern ist an uns herangetreten mit der Aussage, dass ein Artikel zum Umfeld der Porno-Erpressungsindustrie in Amerika geplant sei. Man wollte das Muster vergleichbarer Erpressungsversuche aufzeigen. Dazu haben wir dem stern ein Hintergrundgespräch angeboten.

Darf ich kurz einhaken. Mit „vergleichbaren Erpressungsversuchen“ meinen Sie Fälle, bei denen Leute nach dem Kontakt mit Porno- oder Ex-Pornodarstellerinnen oder -Darstellern erpresst wurde. Ein prominenter Fall war der Schauspieler Charlie Sheen, der von einer Porno-Darstellerin und Escort-Dame erpresst wurde, die bei derselben Escort-Agentur arbeitete wie Ashley Youdan. Meinen Sie solche Fälle?

Ja genau. Das war der Anlass für ein Hintergrundgespräch mit dem stern. Wir mussten dann verwundert feststellen, dass die im Anschluss gestellten Fragen aber gar nichts mit dieser eigentlichen Geschichte zu tun hatten, sondern explizit auf Inhalte des Verfahrens Youdan gegen Garrett Bezug nahmen. Dazu konnten wir aber alleine auch aus juristischen Gründen keine Stellung nehmen. Der stern hat uns niemals mit diesem Interview oder konkreten Inhalten daraus konfrontiert. Insofern ist die Darstellung im stern falsch, wir seien zu einer Stellungnahme zu dem Interview aufgefordert worden.

Warum glauben Sie, hat der stern bei dem Interview-Angebot zugegriffen und andere Medien nicht?

Ich glaube ja nicht wirklich, dass es dem stern darum gegangen sein dürfte, den Marktwert eines Escortgirls zu steigern. Das ist jetzt nämlich der Fall – die Dame bietet ihre Dienste mittlerweile auch in Deutschland an. Wir gehen davon aus, dass der stern darauf reagiert hat, dass er nicht das erste Interview mit David Garrett bekommen hat. Stattdessen kommt er jetzt im  Nachgang mit der Geschichte der anderen Seite. Ich glaube das hat, wie soll man das ausdrücken: journalistisch-strategische-, bzw. Vermarktungs- Gründe. Um ein Interesse an der Sache kann es hier eigentlich nicht gehen.

Wie beurteilen Sie, wie die Medien mit dem Fall David Garrett bislang umgegangen sind?

Ganz überwiegend haben die Medien erkannt, dass es sich um einen Erpressungsversuch von Frau Youdan handelt und sehr zurückhaltend berichtet. Die Selbstöffnung von David Garrett durch sein Interview in der Welt betraf nur den Fall an sich und die Privatsphäre, aber in keinem einzigen Fall die Intimsphäre. Er hat in dem Interview, das er gegeben hat, auch sehr genau darauf geachtet, die Intimsphäre von Ashley Youdan nicht zu verletzen. Es gab also bislang keine erkennbaren Verletzungen der Intimsphäre in der Berichterstattung.

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Wirklich? Zahlreiche Medien haben ausführlich aus der Gerichtsakte zitiert und Sexualpraktiken, die ja wohl eindeutig der Intimsphäre zuzuordnen sind, detailliert öffentlich ausgebreitet. 

Wenn man aus einer Akte intime Details veröffentlicht, liegt auch eine Verletzung der Intimsphäre vor. Aber es wurde ja über den juristischen Vorwurf berichtet und nicht über das Intimleben an sich. Das ist ein Unterschied. Wir können nur eingeschränkt verhindern dass, über Vorwürfe berichtet wird, die einem Prozess zu Grunde liegen. Wir können aber eine ganz scharfe Grenze ziehen, wo jemand ohne prozessualen Zusammenhang über das Intimleben eines anderen berichtet. Und genau das hat Frau Youdan im stern getan.

Gerade hat Jörg Kachelmann vom OLG Köln über 500.000 Euro wegen Verletzungen seiner Persönlichkeitsrechte und seiner Intimsphäre zugesprochen bekommen. Sehen Sie, dass Verletzungen der Persönlichkeitsrechte heute generell stärker verfolgt werden als früher?

Für uns war an dem was wir über das Urteil wissen, interessant, dass eine Verletzung der Intimsphäre früher nur bei der Veröffentlichung von Fotos, vor allem Nacktfotos, angenommen wurde. Nach diesem Urteil ist klar, dass auch textliche Berichterstattung in die Intimsphäre hohe Entschädigungen zur Folge haben kann und muss. Ich denke, dass das Gericht damit durchaus signalisiert, den Schutz der Intimsphäre ernster zu nehmen. Außerdem sind die Sanktionen heute höher als in früheren Fällen.

Bei Jörg Kachelmann wurde durch den Prozess ein Saubermann-Image des früheren ARD-Wetterexperten praktisch pulverisiert. Das ist beim Fall David Garrett ähnlich. Der Image-Schaden ist entstanden, das können Sie mit juristischen Mitteln gar nicht mehr einfangen.

Zum einen unterscheidet sich der Fall Kachelmann von dem Fall Garrett ganz deutlich, weil es sich hier nicht um ein Strafverfahren handelt. Zum anderen sind die Buchungen für David Garretts Tournee nicht zurückgegangen. Man spürt keine konkreten Folgen. Aber der Angriff auf das Image und die Person ist trotzdem genau der Grund, warum wir jetzt auch so sensibel auf dieses stern-Interview reagieren. Die Gegenseite hat hier im Hinblick auf die Öffnung der Intimsphäre nichts zu verlieren, weil sie das beruflich ja seit vielen Jahren tut. Die Peinlichkeit und die Öffentlichkeit des Intimlebens wird hier als Waffe benutzt. Die Gegenseite will diesen Druck so lange erhöhen, damit David Garrett möglichst freiwillig zahlt. Der Anwalt von Frau Youdan, Ed Hayes, hat das ja sogar offengelegt, worum es der Gegenseite eigentlich geht, er hat gesagt: „Wenn sie mir einen Haufen Geld geben, lasse ich mit mir darüber reden.“ Das ist auf gut Deutsch der Aufruf, dass man sich von dem öffentlichen Druck, der hier aufgebaut wird, freikaufen soll. Das ist eben so ärgerlich an diesem stern-Artikel: Dass hier – ob bewusst oder unbewusst – einem Erpressungsversuch Vorschub geleistet wird.

Können Sie präzisieren, worin genau sich die Fälle Kachelmann und Garrett unterscheiden?

Sie hat ja noch nicht einmal Strafanzeige erstattet. Die Fallhöhe wie in einem Fall Kachelmann ist hier in keiner Weise gegeben, allein schon aufgrund der Art der Vorwürfe. Bei Kachelmann stand der Vorwurf der Vergewaltigung im Raum. Diesen Vorwurf hat Ashley Youdan nie erhoben. Hier geht es nur um Sexspiele einvernehmlicher Art. Der Gegenseite geht hier ganz offensichtlich einzig und alleine ums Geld. Diesen Aspekt hat der stern meiner Meinung nach überhaupt nicht kritisch hinterfragt.

Harro von Have vertritt nationale und internationale Filmvertriebs- sowie Produktionsfirmen und Programmveranstalter und berät nationale und internationale Co-Produktionsvorhaben. Neben führenden deutschen Medienunternehmen und Produzenten vertritt er deutsche Künstler wie Hape Kerkeling, Otto Waalkes, Veronica Ferres, Klaus Maria Brandauer, Fatih Akin, David Garrett u.v.m.

Update, 21.07., 16.30 Uhr – der stern hat inzwischen eine Stellungnahme zu dem MEEDIA-Interview mit Harro von Have abgegeben, in der der Darstellung des Anwalts in zentralen Punkten widersprochen wird. Der Wortlaut:

“Der Anwalt von David Garrett, Herr Harro von Have, erweckt in seinem Interview mit Meedia den Eindruck, als hätte der stern für sein Gespräch mit Ashley Youdan Geld bezahlt. Woher Herr von Have diese Information hat, ist uns schleierhaft. Der stern hat für dieses Gespräch nichts bezahlt.

Desweiteren behauptet Herr von Have, dass der stern ihn niemals mit konkreten Inhalten aus dem Interview konfrontiert hätte. Das ist schlichtweg falsch. Am Freitag, 8. Juli 2016, mehrere Tage vor Veröffentlichung, haben wir ihm zehn teils sehr konkrete Fragen zugemailt und um deren Beantwortung gebeten. Herr von Have lehnte dies per Mail an uns ab, unter anderem mit der Begründung, dass (der Fragenkatalog) für ihn klinge, wie ein Bericht über seinen Mandaten und das gegen ihn eingeleitete Verfahren. O-Ton Herr von Have: „Wir haben (…) aber absolut klar gemacht, dass wir für eine Stellungnahme zu einem Artikel über sein Verfahren nicht zur Verfügung stehen.“

Der stern hat dennoch im Anlauftext zum Interview und auch bei den Fragestellungen die Positionen von Garrett und seinem Anwalt berücksichtigt, soweit sie bisher bekannt sind.

Gegenüber anderen Medien haben Garrett und sein Anwalt Garretts Version ja bereits mehrmals und ausführlich erzählt, Ashley Youdan erzählte nun ihre erstmals im stern. Vor Gericht werden auch beide Seiten Gehör finden. Ob Ashley Youdan tatsächlich eine Erpresserin ist oder ein Opfer, das wird ebenfalls ein Gericht klären müssen, nicht der Anwalt des Beschuldigten.”

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Alle Kommentare

  1. Herr Garrett ist ein sehr guter, viel gehörter Musiker, der Menschen mit seiner Kunst erfreut. Dafür wird er bezahlt – nicht dafür, die Projektionsfläche von Vorstellungen zu sein.
    Herr Bongartz hat das Recht sein Privatleben so zu führen, wie es ihm gefällt. Das hat von Fremden nicht kommentiert zu werden.

    1. Aber selbstverständlich wird Herrn Bongartz´ Privatleben von Fremden kommentiert und das mit Recht! Ganz einfach, weil Herr Bongartz aka Garrett eine Person des öffentlichen Lebens ist und damit sehr viel Geld verdient. Da muss er hinnehmen, dass sich Menschen, die sich für ihn interessieren, seine CDs kaufen und hohe Eintrittspreise für seine Konzerte bezahlen, auch für seine privaten Neigungen interessieren. Das ist bei den Millionen-Einnahmen sozusagen schon inkludiert. Wer die Öffentlichkeit sucht, muss damit leben können.

      1. Das Privatleben von Herrn Garrett interessiert allenfalls die schlichten Gemüter, deren ein eigenes Privatleben verwehrt ist. Ich freue mich, dass alle, die seine Musik lieben und hören wollen, sich von diesem Müll nicht beeindrucken lassen. Und der Stern . . . . nun ja, der lebt mittlerweile auch nur noch von genau diesem . . . .

      2. Sie sollten sich einmal mit den Begriffen “absolute und relative Person der Zeitgeschichte” auseinandersetzen. Dann würde Ihnen klarwerden, dass die Grenzen des Erlaubten überschritten werden, wenn man nicht nur auf das öffentliche oder öffentlichwirksame Wirken eines Künstlers, Politikers, Juristen oder Wirtschaftsmagnaten eingeht, sondern auch über seine Intimsphäre berichtet. Die ist in Blick auf die Persönlichkeitsrechte wie bei jedem anderen Menschen tabu. Oder würden Sie gern in einem Medium einen Beitrag über die Sexualpraktiken eines Lothar Stefan Bach lesen?
        Leider werden bei vielen Bolulevard-Blättern wie “Bild” oder bei Klatschmagazinen wie “Stern” (man denke bloß an die Veröffentlichung der Hitler-Tagebücher) bewusst Strafen einkalkuliert, die dann aus der Portokasse bezahlt werden und lächerlich im Verhältnis zum erzielten Profit durch höhere Auflagenquote sind.

  2. Und außerdem: Wer sich als Person des öffentlichen Lebens und im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte sowie in Kenntnis der Herkunft der Dame mit so einer Künstlerin einlässt, und das nicht nur einmal, sondern auf Dauer, sollte sich der damit verbundenen Risiken bewusst sein.

  3. Es gibt aber ueberall Grenzen, die respektiert werden sollten, denn auch Personen, die in der Öffentlichkeit stehen, haben eine Privatsphäre, das hat nichts mit CD-Verkaeufen oder Eintrittspreisen zu tun, es muss ja niemand zu einem Konzert!

  4. Wer die Öffentlichkeit sucht wird damit leben, für seine Arbeit nicht geschätzt oder geschätzt zu werden —- und das ist das Einzige, was das Publikum zu beurteilen hat.
    Das beinhaltet keineswegs, dass das Privatleben für jede individuelle Beurteilung subjektiver Vorstellungen über einen Anderen zur Verfügung steht.
    Jedwede Auseinandersetzung mag vor einem Gericht stattfinden, keinesfalls jedoch in den Medien, denn dies schränkt die persönliche Unversehrtheit von berühmten Menschen in unangemessener Art und Weise ein und sollte – zumindest für die deutschen Medien , deren Arbeit respektiert werden soll – absolut tabu sein.

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