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Muss Sigmar Gabriel eigentlich wirklich alles mitmachen?

Mallorca x 2, wenn der Siggi mit dem Cherno, die große Strichcode-Bier-Verschwörung und Mr. Kennste-Kennste
Mallorca x 2, wenn der Siggi mit dem Cherno, die große Strichcode-Bier-Verschwörung und Mr. Kennste-Kennste

Der stern mausert sich zum Mallorca-Reiseführer, Cherno Jobatey befragt Sigmar Gabriel, was eine Strichcode-Verschwörung mit Bier und Marketing zu tun hat und der beste Mario Barth-Text seit - nun ja - immer. Im MEEDIA-Wochenrückblick

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Aus Langeweile und weil ich normalerweise sehr wenige E-Mails bekomme, habe ich mir neulich den Newsletter von stern-Chefredakteur Christian Krug abonniert. Der Letter scheint mir in erster Linie dazu dienlich, das jeweils aktuelle stern-Heft zu bewerben, ist also eher so mittel-interessant. Titelthema diese Woche: „Mallorca“. Der Mallorca-stern hat zu Beginn der Feriensaison ja eine gewisse Tradition. Aber diesmal kam mir der Titel schon sehr bekannt vor. Zurückgeklickt bei der allwissenden Müllhalde (Google) und siehe da: Vor rund einem Jahr sah der Mallorca-stern ja fast genauso aus! Gleiche Typo, gleiche Anmutung. Nun schaun mer mal, ob der sich heuer wieder so gut verkauft wie vergangenes Jahr. Falls ja, könnten sie irgendwann beim stern überlegen, ob sie aus der einstigen Wundertüte nicht gleich eine Art Reise-Hefterl machen wollen.

Stern-2015-2016 Text

Links voriges Jahr, rechts dieses Jahr. Mallorca ist halt immer schön.

Was ist denn da los? Über Twitter wurde ich darauf aufmerksam, dass Huffington-Post-Herausgeber Cherno Jobatey immer noch in Diensten des ZDF Morgenmagazins steht. Offenbar „befragt“ er für die Sendung, die ihn berühmt machte, Politiker bei Spaziergängen. Diesmal: Vizekanzler, Wirtschaftsminister, SPD-Boss und neuerdings Krawatten-Verächter Sigmar Gabriel. „Wiefängteigentlichihrtachan?“ ölt Jobatey als erstes und ungefähr auf diesem Niveau geht es dann fünf Minuten zu den Klängen von „Sympathy for the Devil“ weiter durch Gabriels Heimatstadt Goslar: „WarnsienharterPartygängerso. Hehe, ganz ehrlich?“. Am irritierendsten fand ich, dass Jobatey irgendwann so tat, als habe er keine Ahnung, dass Gabriels Vater ein überzeugter Nazi war („Echt?“). Dabei schleimspurte er sich routiniert zu Gabriels mittlerweile geübtem Nazi-Vater-Bekenntnis mit der Einführung, dessen Vater sei ja „noch sehr der Vergangenheit verhaftet“ gewesen. Irgendwie unangenehm. Man bekommt fast Mitleid mit Gabriel aber dem scheint das alles zu gefallen. Doppelt irritierend. Meint Siggi Gabriel eigentlich, dass er wirklich alles mitmachen muss, um ein paar traurige Stimmen für die SPD zu retten? So wird das jedenfalls nix.

Diese Woche erfuhr ich nach Lektüre von Thomas Knüwers Blog „Indiskretion Ehrensache“ erstmals von der so genannten Strichcode-Verschwörung. Ein paar verwirrte Menschen glauben offenbar, dass Barcode-Etiketten auf Lebensmittel-Verpackungen ominöse Strahlen bündeln, die die Lebensmittel in der Packung oder Flasche vergiften. Diese Spinner sind dann wohl einigen Bio-Produzenten derart auf den Geist gegangen, dass diese nun von Haus aus ihre Barcode-Etiketten mit einem Strich durch die Balken ausliefern. Der Strich nämlich, so meinen die Strichcode-Verschwörer, neutralisiert die bösen Strahlen wieder. Ein Hersteller, der diesen Quatsch unerfreulich ernst nimmt, ist die eigentlich wegen ihrer Qualität lobenswerte Bio-Bier-Marke Lammsbräu. Die Lammsbrauer haben sich auf Facebook einen veritablen Shitstorm eingefangen, weil sie auf den Unfug der Verschwörungstheoretiker eingehen.

Andere Marken, die das auch tun, sind offenbar der Safthersteller Rabenhorst (Rotbäckchen) und das Berliner Craft-Bier Brlo.

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Was ist davon zu halten? Einerseits finde ich das von diesen Herstellern reichlich kurzsichtig und haltungslos, solch einem offensichtlichen Unsinn nachzugeben, nur um Ruhe zu haben. Noch schlimmer wäre, einer der Öko-Brauer würde selbst an die Verschwörung glauben. Sollte man solche Biere künftig also meiden? Der Haltung wegen? Andererseits kauft man ab und zu ja auch bei internationalen Großkonzernen, die irgendwie als evil gelten, weil es auch mal schnell gehen muss oder einfach nur aus Bequemlichkeit. Als Konsument hat man es heute auch nicht immer leicht.

Was ich persönlich ganz sicher niemals konsumieren werde, sind Mario Barth-DVDs. Schon gar nicht am Stück. Diesen undankbaren Job hat die TV-Groß-Kritikern Anja Rützel uns anderen dankenswerter abgenommen. Für Vice.de hat sie sich durch das komplette Bühnen-Werk des Kennste-Kennste-Männchen geschaut und geschuftet. Bei der Lektüre hatte ich ein bisschen Angst. Ob La Rützel am Ende etwa zu einer Barth-Anhängerin mutiert und fortan mit dünnem Filzschreiber in Supermärkten Barcode-Etiketten entstrahlt? Nein! Am Ende des wie immer wunderbar geschriebenen Stücks kam raus: Alle Vorurteile gegen Mario Barth wurden zu einhundertfünfzig Prozent bestätigt. Gottseidank wenigstens das.

Ein sonniges Wochenende!

 

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