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Verschwörer-Magazin Compact darf Titel mit unfreiwilligem Cover-Girl nicht mehr verbreiten

Compact-Chefredakteur Jürgen Elsässer in seinem "neuen Compact Studio Ambiente"

Die Juni-Ausgabe des Verschwörer-Magazins Compact darf nicht länger beworben oder verkauft werden. Grund: Das Fotomodel, das auf dem Titel zur Zeile „Raus aus der EU!“ abgebildet war, hatte gegen die Verwendung ihres Bildes bei Compact geklagt – und Recht bekommen. Bei Compact wird geschäumt.

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Das Magazin Compact zeigte auf der Juni-Ausgabe zur Titelgeschichte „Raus aus der EU!“ eine junge Frau, die den Mittelfinger in die Kamera reckt. Der Fingernagel ist dabei schwarzrotgold lackiert. Compact hatte das Foto von der Bild-Agentur Fotolia übernommen. In einem Werbevideo erweckten Chefredakteur Jürgen Elsässer und weitere Redaktionsmitglieder den Eindruck, das Foto sei bei einem Shooting exklusiv für das Magazin entstanden. Die junge Frau auf dem Foto war mit der Verwendung ihres Bildes auf dem Titel des Magazins Compact nicht einverstanden und suchte sich anwaltliche Hilfe.

Der Rechtsanwalt Christian Schmidt setzte nun vor dem Landgericht Hamburg per einstweiliger Verfügung durch, dass die entsprechende Compact-Ausgabe nicht länger beworben oder verkauft werden darf. Schmidt zu MEEDIA: „Das Landgericht folgte dabei der Argumentation, dass die Art und Weise, wie das Abbild unserer Mandantin durch den Compact Verlag genutzt wird und wurde, unsere Mandantin in Ihren allgemeinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Es wurde unserer Argumentation gefolgt, dass die Verwendung durch die Einwilligung unserer Mandantin in die Aufnahmen nicht abgedeckt war.“

Die Verwendung des Bildes, vor allem auf dem Titel, unterstellt nach Meinung des Anwalts, dass die junge Frau „Befürworterin und/oder Unterstützerin der populistischen und politischen Meinung des Magazins des Compact Verlages“ ist. Schmidt: „Sie hat es folgerichtig nicht hinzunehmen, in ein für sie derart schlechtes Licht gerückt zu werden, um sich Dritten gegenüber womöglich vor unnötigen und nicht gewollten wie nicht gewünschten Fragen der Gesinnung rechtfertigen zu müssen.“

Laut Schmidt verbieten es zudem auch schon die Nutzungsbedingungen der Fotoagentur Fotolia, die dort verbreiteten Bilder in einer Art und Weise zu benutzen, die den Anschein erwecken lassen, dass die abgebildeten Personen politische, religiöse, wirtschaftliche oder andere meinungsbasierenden Bewegungen befürworten bzw. unterstützen würden. Die Verwendung von Fotolia-Fotos dürften zudem nicht die moralischen Rechte des Schöpfers oder die Rechte der abgebildeten Personen verletzen. „Hier unterlag man augenscheinlich dem üblichen vorherrschenden Irrglauben, alles mit einem einmal erkauften Stockbild machen zu dürfen.“

Bei Compact nutzt man die Sache, um sofort wieder gegen eine vermeintliche „Lügenpresse“ und Bundeskanzlerin Angela Merkel Stimmung zu machen. „Wenn ein junges Model das Titelbild einer bundesweit vertriebenen, erfolgreichen Zeitschrift schmückt, hat es eigentlich allen Grund zum Feiern. Doch im lügenpresseverklärten und angstverseuchten Merkel-Deutschland ist selbst das keine Selbstverständlichkeit mehr.“ So schäumen die Compact-Macher in ihrem Mail-Newsletter, mit dem sie ihre neue Ausgabe bewerben.

Auf der Website des Magazins heißt es zudem: „Die brünette Dame wollte nicht das Cover eines Magazins schmücken, das sie persönlich als ‚rechtspopulistisch‘ einstuft, und zog vor Gericht. Ob sie unser Heft jemals gelesen hat oder nur im politisch korrekten Karrierestrom schwimmt, lassen wir dahingestellt“, heißt es auf der Website des Magazins. Es wird auch angekündigt, juristisch gegen die Verfügung des Hamburger Landgerichts vorzugehen: „Wenn diese Einstweilige Verfügung, gegen die wir juristisch vorgehen werden, Bestand haben sollte, wäre nicht nur die Pressefreiheit von Compact bedroht: Alle Medien müssten künftig befürchten, beim legalen Erwerb von Agenturfotos im Nachhinein mit Privatklagen der darauf abgebildeten Models überzogen zu werden.“

Die neue Ausgabe der Magazins Compact zeigt auf dem Titel Bundesjustizminister Heiko Maas in Nazi-Uniform zur Zeile „Wollt ihr den totalen Maas?“

Mehr muss man zu Stil, Gesinnung und Methoden dieses Magazins vermutlich nicht sagen.

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