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Axel Springer verlängert Vertrag von Welt-Chef Stefan Aust um drei Jahre

Neue Mission für Welt-Erklärer Stefan Aust: Axel Springer verlängert seinen Vertrag als Chefredakteur und Herausgeber
Neue Mission für Welt-Erklärer Stefan Aust: Axel Springer verlängert seinen Vertrag als Chefredakteur und Herausgeber

Er war als Interims-Chef gekommen, doch nun muss sich die Redaktion der Welt auf eine lange Zeit mit dem Blattmacher einrichten. Axel Springer hat den ursprünglich bis Ende des Jahres befristeten Vertrag mit Stefan Aust um drei Jahre verlängert. Der 70-Jährige soll nun bis zum 31.12.2019 Herausgeber von Springers "Blauer Gruppe" bleiben, wie CEO Döpfner und Chefredakteur Aust bestätigten.

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Als Stefan Aust im Januar den Chef-Posten von Jan-Eric Peters übernahm (wechselte verlagsintern zum internationalen News-Aggregator upday), lautete seine Mission nach offizieller Lesart, dass der ehemalige Spiegel-Chefredakteur vor allem einen geeigneten Nachfolger finden und einarbeiten sollte. In hübsch verklausuliertem hanseatischen Humor sagte der Endsechziger bei der Verabschiedung des 50-jährigen Vorgängers: “Jan-Eric Peters hat wirklich große Verdienste bei der Welt, aber es wird dennoch höchste Zeit für einen Generationswechsel.” Wie gesagt: Da galt er als Übergangslösung. Doch nun kommt es anders. Offenbar hat Aust, obgleich längst im Pensionsalter, Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner überzeugt, dass er der Richtige ist, die WeltN24-Gruppe auf längere Sicht zu führen. Offiziell gilt die Vertragsverlängerung für sein Herausgeberamt. Wie der Verlag mitteilte, sei die Chefredakteursrolle weiterhin kommissarisch (siehe Update unten).

Bei der Sommerparty zu seinem 70. Geburtstag hielt Stefan Aust eine einigermaßen knappe Rede. Am Ende hatte er zwei Nachrichten mitzuteilen. Die gute: Er werde seiner Familie und seinen Mitarbeitern im niedersächsischen Ort Lamstedt in nächster Zeit deutlich weniger auf den Nerv gehen. Die schlechte Nachricht war an seine Redaktion gerichtet: “Ich werde künftig sehr viel Zeit in Berlin verbringen.” Der Vollblut-Journalist ist auch an der Schwelle zum achten Lebensjahrzehnt nicht zu stoppen und denkt nicht daran, kürzer zu treten. Obwohl er sich eigentlich nichts mehr beweisen muss und es spätestens seit dem Verkauf des Fernsehsenders N24 an Axel Springer auch materiell definitiv nicht mehr nötig hat. Die Erklärung, warum er es trotzdem tut, ist simpel: Es macht ihm einfach Spaß, und wahrscheinlich kann er nicht anders. Er braucht das Gefühl, mit der Masse zu kommunizieren und eine große Medienmarke zu gestalten.

Die Freude, die in der zum Festsaal umgestalteten Reithalle von Aust bei ihm und den Springer-Bossen am Samstagabend spürbar war, dürfte nicht unbedingt jeder in seiner Berliner Redaktion teilen. Es war Medienjournalisten nicht verborgen geblieben, dass es bei der Welt rumort. Der unorthodoxe Chef ist intern umstritten; viele hatten wohl gehofft, dass sein Gastspiel nicht von Dauer sein würde. Doch da haben sie sich verrechnet. Mathias Döpfner, als CEO ebenso unkonventionell wie Aust als Chefredakteur, ist ein erklärter Fan des Nun-Doch-Länger-Amtierenden-Welt-Mann. Für den hatte er sogar eine Sonder-Geburtstagsausgabe der Welt drucken lassen, für die Döpfner den Leitartikel auf Seite eins beisteuerte – zugleich eine Hommage an den Jubilar wie eine Ansage an die Skeptiker und Kritiker in der Welt-Redaktion.

Die liest sich in der Langfassung so: “Das Unbehagen gegen den eigenwilligen Kopf gab und gibt es auch bei der Welt. Als Herausgeber oder Chefredakteur habe Aust zu ruppige Umgangsformen, hört man manchmal. Und vor allem: Er sei zu rechts. Dass mir das in meiner beruflichen Laufbahn noch passieren würde: Der ehemalige Chefredakteur des linksliberalen Spiegel kommt zur angeblich konservativen Welt, und die Redaktion und die Öffentlichkeit beklagen sich über einen Rechtsruck.” Döpfner weiß es besser: “Ruppig und rechts? Stefan Aust ist weder das eine noch das andere. Er denkt, redet und handelt nur einfach unglaublich direkt und geradeaus, ja fast emphatiearm. So schafft er es, andere verlässlich zu überrumpeln. (…) Nur wenige haben diese Gabe.”

Der Springer-Vorstandschef attestiert Aust “unerschrockene Political Incorrectness”, die sein “Wesensmerkmal und Erfolgsgarant” sei. Und er liefert eine Einordnung der Schaffenskraft seines Chefredakteurs, wie sie nur ein ehemaliger Berufskollege und verlegerischer Kopf abgeben kann: “Aust ist immer zuerst und unbedingt Journalist. Recherche ist seine Religion. Wenn die Fakten stimmen, kennt er keine Verbündeten. Seine Signatur ist die unbedingte Ratio. Nichts imprägniert besser gegen Ideologie als Verstand. Gemütlich ist das nicht. Aber eben richtig.” Seien wir ehrlich: Von wie vielen Chefredakteuren, sämtlich weit jünger, kann man das in unserem Land behaupten?

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Update:
Inzwischen hat eine Sprecherin von Axel Springer eine Erklärung dazu abgegeben: „Stefan Aust ist derzeit Herausgeber und Chefredakteur von WeltN24. Die Chefredakteursposition hält er, nach dem Wechsel von Jan-Eric Peters zu upday, wie bekannt kommissarisch. Aktuelle Personalentscheidungen für eine entsprechende langfristige Regelung gibt es nicht“.

 

 

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Alle Kommentare

  1. Konsequente Entscheidung des Springer-Konzerns. Denn der zukünftige Insolvenzverwalter braucht einen kompetenten Ansprechpartner. Außerdem weiß Herr Aust aus seiner langen Berufserfahrung, wen man vorher loswerden sollte, damit die Abfindungen später nicht so zwicken. Die Sekretärinnen müssen sich daher keine Sorgen machen. Hoffen wir also das Beste und seien wir nicht allzu sehr überrascht, wenn es kurz und heftig wird!

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