Anzeige

„Entscheidung nicht leicht gemacht“: Spiegel-Sommerfest findet trotz anstehender Kündigungen statt

Spiegel-Verlagsgebäude in der Hamburger Hafencity

Trotz anstehender Kündigungen hat sich die Spiegel-Spitze entschieden, das jährliche Sommerfest heute stattfinden zu lassen. Hausintern kursieren Stimmen, die das Fest zum jetzigen Zeitpunkt für nicht angemessen halten. Sie hätten sich gewünscht, dass die Feier abgesagt wird. Axel Springer und Gruner + Jahr hatten in Krisenzeiten, Betriebsfeiern und Galas ausfallen lassen.

Anzeige

„Die Geschäftsführung des Spiegel geht derzeit von etwa 30 bis 40 betroffenen Mitarbeitern aus. Jeder einzelne von ihnen ist eigentlich zu viel. Sie müssen aber bedenken, dass ursprünglich die Zahl von 150 Stellen im Raum stand“, sagte die Mitarbeiter-KG-Sprecherin des Spiegel, Susanne Amann, jüngst in einer Ansprache zu anstehenden Kündigungen beim Spiegel.

Noch hat der Spiegel-Verlag keine betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen. Doch große Teile der Belegschaft gehen davon aus, dass die Spiegel-Spitze darum nicht herumkommt. Obwohl anstehende Kündigungen auf die Stimmung drücken, veranstaltet der Spiegel heute sein alljährliches Sommerfest.

Eine Spiegel-Sprecherin erklärt hierzu gegenüber MEEDIA: „Die Entscheidung, ob auch in diesem Jahr ein Sommerfest stattfinden soll, haben wir uns selbstverständlich nicht leicht gemacht. Wir stehen vor wichtigen Entscheidungen und teilweise schmerzhaften Veränderungen. Umso wichtiger ist es, den Austausch und das Miteinander im Unternehmen zu fördern. Das traditionelle Spiegel-Sommerfest bietet dafür eine sehr gute Gelegenheit. Einmal im Jahr kommen hier, auf der Terrasse vor der Spiegel-Kantine, die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Spiegel-Gruppe in geselliger Atmosphäre zusammen.“

Angesichts des millionenschweren Sparkurses mag das Festhalten am Fest als ein Zeichen der Stärke gewertet werden. Doch im Verlagshaus kursieren auch andere Stimmen, die das Sommerfest für überflüssig halten. Es zeuge vor dem Hintergrund drohender Entlassungen von wenig Stil – vor allem für die Mitarbeiter, die um ihren Job bangen müssen, heißt es hier.

Vor einer ähnlichen Situation standen schon andere Verlagshäuser. Sie schlugen öffentlichkeitswirksam einen anderen Weg ein. Ein Beispiel ist der Berliner Springer-Konzern (Bild, Welt). Der Vorstand hatte 2009 angesichts sinkender Werbeerlöse und einer ungewissen Geschäftsentwicklung alle Betriebsfeiern, Empfänge und Galas abgesagt. Auch Gruner + Jahr ließ 2015 den Henri-Nannen-Preis ausfallen, weil die Bertelsmann-Tochter vor aktuellen Sparmaßnahmen und Stellenstreichungen stand. „Der traditionell feierliche Rahmen der Preisverleihung erscheint uns in dieser Lage nicht angemessen“, sagte damals ein Unternehmenssprecher gegenüber Spiegel Online.

Anzeige