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Zweites Brexit-Referendum gefordert: Wieso die Online-Petition mit angeblich drei Mio. Unterschriften Murks ist

Eine Online-Petition für ein erneutes Referendum hat mehr als drei Millionen Unterschriften gesammelt – fraglich ist, ob diese alle echt sind
Eine Online-Petition für ein erneutes Referendum hat mehr als drei Millionen Unterschriften gesammelt – fraglich ist, ob diese alle echt sind

Drei Tage nach Ausgang des Brexit-Referendums ist in Großbritannien die Debatte ausgebrochen, ob das Land tatsächlich aus der EU ausscheiden soll – zu knapp ist das Ergebnis, zu inkonsequent die Politik. Auch das Volk wehrt sich augenscheinlich. Eine Online-Petition, die ein erneutes Referendum fordert, soll mittlerweile drei Millionen britische Anhänger gefunden haben – allerdings ist hier etwas faul.

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Das britische Unterhaus stellt die auf der Website des britischen Parlaments laufende Online-Petition infrage und untersucht offenbar Fälschungsvorwürfe. Wie die BBC berichtet, gibt es Verdachtsmomente, dass viele Stimmabgaben gefälscht sein und über so genannte Bots, also automatisiert laufen.

Ein Hinweis auf Bots ist beispielsweise, dass aus dem Vatikan zehntausende Stimmen registriert worden sein sollen, dabei hat das kleine Land nur 451 Einwohner. Allerdings scheinen die Petitionsverantwortlichen im Parlament auch keine großen Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben. So lässt sich beispielsweise problemlos aus aller Welt mit immer derselben E-Mail-Adresse mehrfach abstimmen.

Mehrere Medien hatten die massenhaften Unterschriften ohne zu hinterfragen vermeldet – hierzulande lief sie über den Ticker der dpa. Auch die im Nachhinein über die Ungereimtheiten berichtende BBC hatte die Petition erst einmal vermeldet und von Millionen von Briten gesprochen. Dass das System offenbar von Bots unterwandert ist, dokumentierte die US-Site Heatstreat.com.

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Die Fälschungsvorwürfe nehme man sehr ernst, beteuerte Helen Jones, die Vorsitzende des Petitionsausschusses, gegenüber der BBC. Jede gefälschte Stimme untergrabe den Zweck dieses Instruments. Sollte eine Fälschung nachgewiesen werden und die Petition insgesamt unter 100.000 Unterschriften fallen, wird sich das Parlament damit nicht weiter befassen müssen. Sollte die Anzahl der echten Überschriften darüber liegen, geht die Petition ins Unterhaus. Dass es ein zweites Referendum geben wird, ist allerdings unwahrscheinlich. Dies schloss Premierminister David Cameron bereits vor der ersten Wahl aus.

Stattdessen ist derzeit fraglich, ob das Referendum tatsächlich einen Austritt aus der EU bedeutet. Cameron hatte angekündigt, bis Oktober erst einmal nichts unternehmen zu wollen und Austrittsverhandlungen seinem Nachfolger zu überlassen. Unter den Brexit-Befürwortern gab es bislang nur Eingeständnisse, dass Wahlversprechen nicht zu halten sind. Streng genommen hatte das Referendum nur beratenden Charakter. Einen Austritt muss die britische Regierung bei der EU erklären.

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Alle Kommentare

  1. Und dieses Schummelforum im Internet haben uns die über den Brexit empörten Meinungsmacher von ARD und ZDF in den Hauptnachrichten als seriöse Nachricht verkauft und alle journalistischen Tugenden in den Wind geschlagen. Prüfen und Recherchieren. Aber es passte ja so schön: Solange Abstimmen bis das Ergebnis stimmt. Auch das ständige Betonen der Stimme Schottlands gegen den Brexit ist so eine Schummelnachricht. Was der TV-Zuschauer nicht erfährt: Schottlands Einwohnerzahl (5,3 Mio.) macht gerade mal acht Prozent von Großbritannien (64 Mio.) aus. Die Schotten sind eine Minder-Minderheit in UK und natürlich große Subventionsempfänger von Geldern aus der EU und England. Klar, dass die aus der EU nicht aussteigen wollten. Da haben wir wieder die Lücken in der Presse.

    1. Sie verkaufen uns ja seit Tagen auch die Yougov-Zahlen von “Alt und Jung”, die dieaber NUR aus deren eigenen (falschen) Umfragen stammen. Yougov und andere durften nur diejenigen am Tag der Wahl nochmal anrufen, die sie in den letzten Umfrage auf der Liste hatten. Niemand darf Wähler befragen, wenn sie aus dem Wahllokal kommen. Das heißt, alle Medien berufen sich auf Yougov und packen deren falsche Vorhersagen auf die Wahl an sich. Erstmals haben sie gestern bei Phoenix erwähnt, dass von “den Jungen” einfach ganz wenige zur Wahl gegangen sind. Also lauter ungeprüftes Zeug, das sie da verbreiten. Man muss erkennen, dass sie nur noch nachplappern, was ihnen jemand als Futter hinwirft. Jetzt sitzt ja auch noch der ehemalige Studioleiter de ZDF in Brüssel, Udo van Kampen, in öffentlich-rechtlichen Talkshows (Phoenix-Runde) herum mit deutlicher Benennung… jetzt bei der BERTELSMANN-Stiftung. So kommt zusammen, was zusammen gehört. Infiltrierung durch den privaten Medienkonzern, dessen politische ‘Ausrichtung’ den Politikern total zupass kommt. Und so stehen Niebel, Merkel, Weltbankpräsident Jim Yong Kim mit Liz Mohn und de Geus… Ein Schelm, der böses dabei denkt.

  2. Ach Gott, Heribert, wie gut, dass Du diese Lücken aufgedeckt hast. Das is aber auch ein Skandal. Hätte man ja gleich wissen können, dass diese ganzen Petitionen Humbug sind. Auch dass Schottland nur 5,3 Mio. Einwohner hat, hat man ganz bewusst verschwiegen. Dazu sag ich nur: am einfachsten macht man es sich, wenn man nur das glaubt, was man glaubt. Pfff

    1. Genau Flomann, deswegen lügt man sich die Welt zurecht und wundert sich, warum Auflagen einbrechen und Zuschauer sich mit Grausen abwenden! Nur weiter so! Dann geht es schneller zu Ende – siehe Analyse Zeitungsmarkt Hamburg. q.e.d.

  3. Lange bevor die deutschen Medien auf den “kritischen” Zug aufgesprungen sind, hat ein bescheidener technikaffiner anonymer Nerd darauf hingewiesen, dass allein im Vatikanstaat 8000 Stimmen abgegeben wurden, obwohl dieses kleine lustige Land in der Mitte Europas weder zur EU gehört noch mehr als 451 Einwohner zählt. Normale Menschen leisten also die Arbeit, für die Journalisten sich teuer bezahlen lassen möchten. Noch am Sonntag verbreitete indessen die gewiß überbezahlte Laura Dünnwald – ehemals Produkt von ARD – Aktuell – auf Kabel1News, die “Briten” würden im Netz nun gegen den Brexit votieren. Bullshit! Im Gegensatz zu deutschen Journalisten habe ich mich der Mühe unterzogen, die schon am Sonnabend veröffentlichten und stetig aktualisierten Metadaten zu checken. Mir fiel dabei auf, dass sehr viele “Ausländer” abstimmten. Eigentlich habe ich danach gesucht, ob Jo Cox sel. dort mit abgestimmt hat. Wundern würde mich das jedenfalls bei dem unterirdischen Niveau, welches die Bremainers hinab wuchten, nicht … Ich suche weiter. – Fazit: Einfach früher aufstehen, wenn man die kritische Öffentlichkeit versch****ern möchte.

  4. Ob die Meldung auch die Hirntoten von ARD und ZDF mitbekommen haben?
    Dort lief diese Propagandameldung doch noch gestern auf allen “Nachrichten”-Formaten in die Wohnzimmer.
    Aber wahrscheinlich wird dies dem “objektiven” Staatsfunk gleich doppelt vergütet. Daher wird auch der unreflektierteste Müll dankbar und neutral verbreitet, während gleichzeitig gerade die Politiker Volksabstimmungen als böses Teufelszeug ausgemacht haben. Vielleicht einigt man sich mal mit den Medienkasper.

  5. Das Wunschkonzert der deutschen Medien und das Drängen der deutschen Politiker in die Medien – gleich ab Freitag frühmorgens durchgehend mit Sprechdurchfall von Medien umgarnt und überall zu sehen – ist unglaublich. Was soll das eigenltich? Da lässt man das Volk entscheiden, weiß es seit einer Ewigkeit und dann kreischen diese Heulsusen alle herum. Die Welt geht unter, weil ein Staat aus der EU raus will und “man” beschlossen hat, dass ein Nationalstaat nicht mehr lebensfähig ist, wenn er nicht in diesem Konstrukt stecken bleibt. Soll DAS unsere Zukunft sein? Egal was politisch passiert in diesen wirtschaftlich zusammen geschlossenen Ländern, Ihr wollt uns weismachen, dass sie nie mehr auseinander kommen können, auf Gedeih und Verderb beieinader bleiben müssen, um in der Welt noch was zu gelten? Ich fasse nicht, dass niemand den Gedanken mal weiter spinnt. Spanien mit einer verlorenen Jugend, Griechenland schrecklich, Frankreich, Italien und weitere halbtot, Portugal schon ganz hinüber… Deutschland DAS Nettozahler-Land, das alle unterstützen aber wegen seiner Vergangenheit mit politischen Forderungen vorsichtig sein “muss”? Auf Dauer zahlen und andere bestimmen den meist “sozialen Weg” mit dem vo, deutschen Bürger erwirtschafteten Geld? Wenn man von gutem Leben spricht, spricht man dann von den Griechen, den Spaniern, den Italienern, den Ost-Ländern? Dein Abgehängten in unserm Land? Oder spricht man nur von denejnigen, die an der Börse und in Banken und in weltweit operierender “Wirtschaft” genauso weltweit mit uns Schindluder treiben, wann immer es ihnen passt? Also “die Reichen”, die natürlich ihre Zinsen und Zinseszinsen dort einholen, wo es sie gibt oder gleich direkt an der Börse manipulieren, während uns die leidende EU um unsere Zinsen bringt, um Milliarden Summen irgendwohin zu pumpen, wo sie ‘ausgleichend’ verbraten werden. Ich denke, den “Niedergang des englischen Pfunds” oder irgendwelcher Aktien kann in Great Britain doch – ebenso wie es die Deutschen und der Draghi und die EU längst tun – durch viele Nullen hinter irgendeiner fiktiven Zahl wieder ins Lot gebracht werden. Bis sie begriffen haben, dass der Brexit noch Jahre dauert und dann alle – “die Superreichen”, “die Wirtschaft”, “die Börsen”, die vielen anderen Player (auch Länder wie Saudi-Arabien, Russland, China u.a.) – wieder im Gleischritt ihrer Absichten marschieren. Spätestens dann ist die Bestrafung der ‘Engländer” für ihre Absicht, dieses Konglomerat zu verlassen, wieder vom täglichen Tisch. Frau Merkels müde Rede von einer Ruhe, die man GB geben soll, wird Wahrheit werden.. Auch wenn sie noch im Gegensatz zu den schrecklichen EU-Repräsentanten Juncker, Draghi & Co steht, deren Beleidigtheit schietegal ist.
    Die Frage der deutschen Medien muss doch irgendwann sein: WAS soll die Zukunft dieses EU-Konstrukts FÜR DIE BÜRGER sein, wenn nicht mal Grenzen schützen kann, weil “der grenzenlose Verkehr für die Wirtschaft” bleiben muss. Die normalen Leute bekommen doch durch das ganze Herumplärre nur entweder mehr Wut oder große Angst. Was genau in dieser Gemengelage von “wir sind eine Welt” worst case passieren kann für die Bürger, die das alles mit herbeischuften aber merken, dass sie selbst in ihrer “kleinen Welt” von diesen big-Business- und big-money-Interessen gesteuert werden – das wäre doch die Aufgabe von Zeitungen, die dieser Bürger kaufen “muss”, damit sie Auflage erreichen und für “die Wirtschaft” und deren Anzeigen erst interessant werden. Was dieses “wir sind nie mehr alleine lebensfähig” oder wohin dirigieren uns diese “Interessenten” die uns mit Geld, Politik, letztlich mit allem nach Gutdünken eliminieren können, wenn man genau hinschaut? Die durch EU-Vorschriften, EU-Gesetze um ihr Arbeitseinkommen gebrachten und natürlich emotional geleiteten, kleinen Leute in Großbritannien sagen es uns überdeutlich. Wer bitte hat das Recht, diese kleinen Leute um ihre ganze Lebensqualität zu bringen? Nur damit wir Deutsche und vor allem wieder diese “furcht”-baren Medien, die jetzt zusammen mit den sich ins Fäustchen lachenden Dritten den kleinen Bürger jagen, sind einfach zu blöd um dieses ganze Bild mal genauer anzuschauen. Dafür würden wir die Medien brauchen die “wir” täglich kaufen sollen statt für diese Hofbericherstattung der aktuellen Politik sowohl in D als auch in der EU. Aber – sie begreifen es nicht mehr. Sie stecken zu tief im Sumpf von öffentlich-rechtlicher Gemengelage oder im eigenen Mischpoken-Spiel mit Politikern.. Hier eine Homestory, dort ein extra Fotoshooting oder die starke Polit-Prominenz bei eigenen Events. Da freut sich doch das Journalisten-Ego – und sowohl Bürger wie auch ‘Schweinereien’ werden… unwichtig…

    1. Etwas wirr, nach meinem Geschmack etwas viel Medien-Bashing, aber im Grunde nennen Sie schon die richtigen Zusammenhänge: Die Interessen der Hochfinanz, die bei allen nationalen und internationalen Entscheidungen immer mehr Einfluss gewinnen und viel zu selten hinterfragt werden. In dem Punkt sind wir uns wohl einig.
      Was die Medien betrifft, bin ich mir aber fast sicher, dass es schon bald eine stärkerer Gegenbewegung geben wird, mit jungen Journalisten in neuen Medien, die wieder verstärkt Hintergründen auf die Spur gehen und diese auch klar benennen. Dabei sollten sie natürlich so weit wie möglich ihre Unabhängigkeit wahren und auch nicht neuen politischen Rattenfängern auf den Leim gehen, die ihre kruden, reaktionären Gesellschafts-Vorstellungen hinter dem netten Deckmäntelchen der “Alternative” verbergen.

  6. Zitat von Roland Tichy in BILD zu einer “Totenmesse der Frankfurter Geldprofis am Abend des Brexit”: “An der Börse ist das Geld nie weg. Es hat nur ein anderer. Diesmal waren es viele andere. Lutz Raettig, der „Mister Mainhattan“ der Großbank Morgan Stanley, beobachtete, dass diesmal doppelt so viele Aktien gekauft und verkauft wurden wie jemals an einem Rekordtag zuvor – Krisensymptom. Viele Fondsmanager nehmen den Brexit als Ausrede für ihr schlechtes Management. Immer an die Gebühren denken. „Viel Hin und Her macht dem Anleger die Taschen leer“, so eine alte Bankenregel. Besser also cool bleiben, wenn Kurse fallen…. Soviel zum Medientheater rund um die Brexit-Entscheidung. Hier der Rest: http://www.bild.de/geld/wirtschaft/roland-tichy/ist-frankfurt-der-grosse-gewinner-46492464.bild.html

  7. Copy and paste Journalismus vom feinsten!
    Seriöse Recherche ist so was von gestern.
    Da soll man nicht nostalgisch werden. Ich wünschte mir Dagobert Lindlau zurück anstatt eine comic Mickey Maus vom Stern. Leider ist der deutsche Journalismus mit der EU vergleichbar. Fehler werden todgeschwiegen.
    MEEDIA sei Dank, dass man nicht allen Glauben an den Journalismus verliert.
    Na denn, auf zum fröhlichen Enten (Murks) jagen….

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