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“Ich hoffe, dass Gruner + Jahr einen langen Atem behält”: NoSports im Media-Agenturen-Check

Holger Zech, Geschäftsführer von Crossmedia, und Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media der Mediaagentur Pilot, bewerten NoSports
Holger Zech, Geschäftsführer von Crossmedia, und Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media der Mediaagentur Pilot, bewerten NoSports

Tennis, Eishockey, Handball, Rudern, Curling und Schach - „No Sports“ wirft mit seinen hintergründig erzählten Geschichten ein anderes Licht auf die Welt des Sports, das jenseits des Massenphänomens Fußball liegt. Dies sehen die von MEEDIA befragten Media-Agenturen als große Chance und Risiko für Gruner + Jahr zugleich, den Zeitschriften-Neuling langfristig am Kiosk und bei Werbekunden zu etablieren.

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Geschafft! Souverän erreicht die deutsche Nationalmannschaft den Einzug ins EM-Viertelfinale. Gekonnt und routiniert schießen Jerome Boateng, Mario Gomez und Julian Draxler Deutschland mit 3:0 zum Sieg. Doch von solchen Erfolgen unserer Fußball-Elf wird im Gruner + Jahr-Magazin-Neuling nie eine Zeile stehen. Und das ist die Crux des neuen Print-Experiments der Hamburger Bertelsmann Tochter: „Die alte Weisheit, dass Fußball-Content die Reichweite steigert, greift noch immer – egal ob in TV, Zeitschriften, Zeitungen und so weiter. Insofern bin ich gespannt, wie erfolgreich sich ein reiner Randsport-Titel ohne das Zugpferd Fußball etablieren kann“, meint Anne-Kathrin Bida, Leiterin Beratung Media der Mediaagentur Pilot in Hamburg.

Auch den Zeitpunkt für den Launch hält Bida für bedenklich. “Wieso startet man mit der Erstausgabe ausgerechnet während der Fußball-EM, wo das Gros des Landes ‘die Mannschaft’ feiert und anfeuert“, fragt sich die Print-Expertin. Zudem sei der Name des Titels No Sports aus ihrer Sicht kontraproduktiv. Denn: „Das ‘um die Ecke denken’ erachte ich für den Abverkauf aus dem Regal als eher hinderlich“, meint die Media-Expertin. Zwar böte No Sports unique Inhalte und eine Präsentation im wertigen Gewand. Damit würde das Magazin vor allem Randsport-Liebhaber mit intellektuellem Anspruch sehr gut bedienen. Doch: „Die Frage ist, wie nischig der Titel bleiben darf, um schwarze Zahlen zu schreiben; eine Erfolgsstory à la Beef erwarte ich hier nicht“, meint die Pilot-Managerin.

Dennoch ist No Sports journalistisch gut gemacht. „G+J kann mit dem neuen Titel ein journalistisch hochwertiges und inhaltlich neuartiges Konzept für die Kunden bieten, das zur Erreichung gehobener Männerzielgruppen definitiv gefragt sein dürfte. Sport ist zudem ein hoch emotionales und zugleich positives Umfeld – und das trifft als gute, unkomplizierte Ergänzung im Mediaplan der Kunden auf fruchtbaren Boden“, meint die Pilot-Managerin. Sie zweifelt aber daran, ob das Produkt bei den Werbekunden ankommt: „Die zu erwartende geringe Auflage (da dies ein sehr nischiger Liebhabertitel ist) könnte die Investitionslust der Kunden ausbremsen“, meint Bida. Sie honoriert aber den Schritt der Hamburger Zeitschriftenmacher, mit dem Magazin nicht auf Altbewährtes zu setzen. Es beweise den Anspruch von Gruner + Jahr, das Portfolio um innovative Produkte zu erweitern. Bida: „Für die Printlandschaft ist es eine willkommene, hochwertige Ergänzung im Männersegment, der ich es wünsche, dass sie dauerhaft einige gebildete Sportliebhaber als treue Leser an sich binden kann“, betont die Pilot-Managerin.

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Holger Zech, Geschäftsführer von Crossmedia, sieht langfristig gute Chancen für das Produkt. Denn der Verlag schaffe es nach dem Outdoor-Titel Walden, 11 Freunde oder Neon mit dem Magazin einen publizistischen Gegenpol in der Printlandschaft zu setzen, die durch die Digitalisierung immer kurzlebiger wird. „No Sports ist ein langfristig orientierter Titel. Er bedient die Sehnsüchte der Menschen nach einem besseren Leben mit mehr Leidenschaft, Lust und Freude“, meint der Media-Experte. Dieses Gefühl bediene das Magazin durch die Lebensgeschichten vieler im Heft porträtierter ehemaliger Spitzensportler wie beispielsweise Ex-Tennis-Ass Boris Becker. Den Titel No Sports zu nennen, halte er für kommunikativ „schlau“. Er wecke das Interesse der Leser, nach dem Maagzin in dem vollgestopften Zeitschriftensegment zu greifen. „Ich hoffe, dass Gruner + Jahr einen langen Atem behält und den Titel nicht gleich wieder aus dem Portfolio verbannt, wenn die
Auflagenzahlen und das Anzeigengeschäft nicht sofort den Erwartungen entsprechen“, meint der Geschäftsführer.

Bernhard Becker, Head of Buying bei der Münchener Media-Agenturgruppe Mediaplus, wertet die Erfolgschancen von No Sports positiv. „Für Zeitschriften, die über einen hohen Anteil einkommensstarker, männlicher Leser verfügen, gewinnen Themen zu Stil, Mode und Aussehen an Bedeutung. Männer sind heute genauso Zielgruppe für Bodylotions, Pflegeprodukte, Mode und Lifestyle Produkte wie Frauen“, betont der Experte und ergänzt. „Gerade das Zusammenspiel zwischen Sport und Lifestyle (Mode, Reisen, Konsumprodukte) heben den Titel aus dem bereits bestehenden Männer-Sport Portfolio hervor“.

Ob sich der Titel neben den etablierten Special Interest, Sport und Lifestyle-Titeln behaupten kann, bleibt aber abzuwarten. Becker: „G+J erfrischt dennoch durch mutige Titelinnovationen und probiert sich aus, um das vorhandene Titelportfolio möglichst breit aufzustellen. Und das ist als sehr positiv herauszustellen.“ Auch im Anzeigengeschäft hat das Produkt gute Karten: „Der Titel verbindet sportbegeisterte, einkommensstarke und modebewusste Männer als Zielgruppe, die Wert auf Individualität legen und Trend-/Luxusmarken nicht abgeneigt sind. Daher bietet der Titel Werbungstreibenden ein 2 in 1 Konzept. Mode, Lifestyle, Sport, Outdoor und Luxusmarken werden in G+J No Sports sicherlich ebenso vertreten sein, wie Hersteller von Erfrischungsgetränken und Hygieneartikel“, meint der Spezialist.

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Alle Kommentare

  1. Die Gruner-Jahr-Verlagsmanager haben bei RTL abgekupfert. Sie setzen von vornherein auf eine Totgeburt. Ich gebe No Sports zehn Ausgaben. Der Titel suggeriert ja schon No Lifestyle, wer will das?
    Ich erhöhe meine Wette auf 150.000 für einen Flop.

    Wundert euch nicht: Heute habe ich Zeit zum Kommentieren. Das Wetter ist
    trübe. Sonst bin ich auf dem Golfplatz. haha….

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