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“Ein Mann in ständiger Opposition – vor allem zu sich selbst”: die Nachrufe zum Tod von Götz George

Er war Schimanski – und er war so viel mehr. Götz George ist im Alter von 77 Jahren gestorben
Er war Schimanski – und er war so viel mehr. Götz George ist im Alter von 77 Jahren gestorben

Die Nachricht erwischte die Nation mitten in der Begeisterung über den EM-Viertelfinaleinzug: Götz George ist nach kurzer Krankheit im Alter von 77 Jahren gestorben. Der Schauspieler gab Kommissar "Schimanski" ein Gesicht und war einer der bekanntesten Charakterdarsteller der Republik. In ihren Nachrufen erinnern die Feuilletonisten daran, dass George weitaus mehr konnte, als einen übellaunigen Bullen zu spielen.

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Bei Süddeutsche.de erinnert Katharina Riehl an Georges Erfolgsrolle Schimanski:
“Von 1981 bis 2013 spielte George den Tatort-Ermittler Horst Schimanski, und man kann sagen, dass jener Ruhrpott-Kommissar die schon 1970 erfundene Fernsehreihe Anfang der Achtzigerjahre ziemlich grundlegend neu erfunden hat. Horst Schimanski, der Kommissar aus Duisburg, war kein Schreibtisch-Täter, kein Beamter mit Thermoskanne und pünktlichem Dienstschluss. Schimanski glaubte an die Ideen von 1968, er prügelte, wenn es nötig war, und er soff – und wenn ein Neu-Kommissar wie Til Schweiger heute im Tatort mit der Panzerfaust durch Hamburg zieht, dann ist das immer auch der Versuch, noch ein wenig härter zu sein als einst Horst Schimanski aus Duisburg.”

Bei FAZ.net schreibt Michael Hanfeld über Götz Georges Trennung von der Rolle des Schimanski:
“Denn hinter diesem Schimanski drohte immer wieder zu verschwinden, was für ein schauspielerischer Tausendsassa Götz George war und wie er sich an allem abarbeitete. Tragödie, Komödie, Kammerspiel, Klassiker, Thriller, Action – George hatte sämtliche Genres drauf und in jedes und in jede Rolle begab er sich mit Haut und Haaren, näherte sich seinen Figuren mit jeder Faser in einer Weise an, die seinen Mitspielern, den Regisseuren und Produzenten, alles abverlangte.”

Viel abverlangt hat George auch sich selbst, wie für Spiegel Online Christian Buß erinnert:
“Ein Gespräch mit Götz George war schwierig. Äußerte man einen Hauch von Kritik, gab es Ärger. Machte man ein Kompliment, gab es noch größeren Ärger. Der Mann war in ständiger Opposition. Zu den Medien, denen er misstraute. Zu den Sendern, von denen er sich hintergangen fühlte. Und vor allem war Götz George zu Götz George in Opposition. Wie oft er unzufrieden mit sich war.”

Für Zeit Online geht Matthias Dell näher auf die Beziehung Georges zu seinem Vater ein, der den Nationalsozialisten als verbunden galt:
“… dass es ihm nie gelungen ist, die Verwicklung des Vaters in das verbrecherische Nazi-Regime als Problem zu begreifen, hat womöglich auch etwas mit seiner Beliebtheit zu tun: Ein Sohn, der den Vater nicht mit Vorwürfen konfrontiert, sondern dessen Bild ‘in Ehren hält’, indem er verdrängt, war im Nachkriegsdeutschland anschlussfähiger als einer, der das nicht tat.”

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In Bild schreibt Norbert Körzdörfer über Götz George:
“…der Schatten des Ruhms ist die Empfindlichkeit. Ein menschlicher Star, der Angst vor Menschen hatte. Eine Berliner Seele, die auf Sardinien glücklich wurde. (…)
Er wurde zugeschüttet mit Preisen. Aber am glücklichsten war er im Mittelmeer mit seinen Delphinen. (…) Er ist in seinen Sonnenuntergang geschwommen. Schimmi schwamm zum Regenbogen.”

 

 

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