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„Nachrichten gerade in schwierigen Zeiten eine gefragte Ware“: Wie die Medienbranche den Brexit sieht

Bertelsmann-Chef Thomas Rabe und Springer-CEO Mathias Döpfner

Der Brexit als Chance für die Ware Journalismus? Die Mehrheit der Engländer hat sich für ein Verlassen der EU entschieden. Das könnte zu heftigen wirtschaftlichen Turbulenzen führen. Axel Springer und Bertelsmann äußern sich nun gegenüber MEEDIA zu der Frage, welche Auswirkungen der Brexit auf ihre Geschäfte haben könnte. Zudem werden auch die Agenturen und der Werbemarkt die Folgen der Abstimmung spüren.

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Auf MEEDIA-Anfrage erklärte Axel Springer: „Selbstverständlich können auch wir die konjunkturellen Aussichten noch nicht absehen, und man sollte auch heute nicht vorschnell urteilen. Die Fakten: 9 bis 10 Prozent unseres operativen Ergebnisses (EBITDA) werden in UK erwirtschaftet (Jobbörsen und Zanox-Gruppe).Strukturell sehen wir uns aber nicht als Hauptbetroffene, denn Nachrichten und Meinungen werden gerade in schwierigen Zeiten zu einer gefragten Ware. Das könnte positive Auflagen-und Reichweiteneffekte haben. Negative Effekte bei den Werbeerlösen sind aufgrund allgemeiner konjunktureller Auswirkungen natürlich nicht auszuschließen.“
Bertelsmann nimmt die Entscheidung der britischen Wähler gegen einen Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union „mit Bedauern zur Kenntnis“. So erklärt das Unternehmen, auch im Namen von Gruner + Jahr: „Das bevorstehende Ausscheiden Großbritanniens aus der EU ist auch für uns als international agierendes Unternehmen mit einer starken Präsenz in diesem Land mit politischen und wirtschaftlichen Unwägbarkeiten verbunden. Unabhängig von der Entscheidung der Briten bleibt Großbritannien als viertgrößter Markt für Bertelsmann von großer Bedeutung. Bertelsmann setzt mit 5.500 Mitarbeitern rund 1,7 Mrd. Euro in dem Land um und wird weiter in seine Geschäfte vor Ort investieren. Gleichzeitig setzt sich das internationale Medien-, Dienstleistungs- und Bildungsunternehmen für den Erhalt eines gemeinsamen Europäischen Kulturraums und gemeinsamer europäischer Standards, wie das Urheberrecht, ein.“

„Die Entscheidung der Briten wird auch Auswirkungen auf den deutschen Werbemarkt haben“, zitiert Horizont Peter Lortz, CEO von Publicis Media in der DACH-Region. „Angesichts der prognostizierten drastischen Börseneinbrüche von bis zu 40 Prozent ist die Verunsicherung auch unter den Werbungtreibenden enorm“.

Für den BDZV kommentiert Hans-Joachim Fuhrmann gegenüber MEEDIA: „Der Austritt Großbritanniens aus der EU wird die deutsche Zeitungslandschaft nicht unmittelbar treffen. Die Verlage sind national, regional und lokal tätig. Welche Folgen der Brexit längerfristig auf das Werbegeschäft haben wird, wird auch davon abhängen, ob sich die volkswirtschaftlichen Rahmendaten in Deutschland durch das Ausscheren Großbritanniens verändern werden. Dies ist derzeit schwer vorauszusagen.“

Bereits am Morgen hatte sich WPP-Chef Martin Sorrell „sehr enttäuscht“ gezeigt. Er sagte aber auch: „Der Wähler hat gesprochen“, doch nun würden massive Unsicherheit die Entscheidungsprozesse verlangsamen und für deutlich geringere Aktivitäten sorgen. „Das sind keine gute Nachrichten – um es vorsichtig auszudrücken“.

Der Startup-Standort Berlin sieht sich als „Gewinner“ der Brexit-Entscheidung und  London als „den Verlierer“, heißt es in einer Erklärung des Bundesverbandes Deutsche Startups. „So deutlich wie unsere Analyse ist sagen wir auch: Es ist ein Sieg, den wir nicht wollen und nicht feiern werden. Wir sehen uns schon lange nicht mehr als deutsche oder britische Gründer. Wir sind europäische Gründer.“ Weiter heißt es: „Die deutschen Startups werden den erschwerten Zugang zu 64 Millionen Konsumenten im Vereinigten Königreich verkraften und an anderen Stellen deutlich profitieren. Die eigentliche Rechnung zahlen ab heute die britischen Startups. Wir wünschen unseren Freunden dabei viel Erfolg.“

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