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Brexit statt Narzissmus: Spiegel stoppt Druckmaschinen und schmeißt seine Titelgeschichte um

Chefredakteur Klaus Brinkbäumer, doppelter Spiegel-Titel: vom Brexit auf falschem Fuß erwischt

Ein historischer Paukenschlag zum ungünstigsten Zeitpunkt: Gegen 5.40 Uhr heute früh tickerten die Nachrichtenagenturen, dass der Brexit kommt – da hatten Spiegel und Focus längst angedruckt. Die Chefredaktionen mussten nun abwägen, ob sie die Maschinen anhalten oder nicht. In Hamburg entschied man sich dafür, in München dagegen. 580.000 Spiegel-Käufer erhielten ein aktualisiertes Brexit-Cover.

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Für 350.000 bereits ausgedruckte Exemplare von Heft Nr. 26 kam der Eingriff zu spät. Diese Magazine werden nun ins Ausland und an einen Teil der Abonnenten geliefert, wie ein Verlagssprecher auf Anfrage bestätigte. Spiegel-Chefredakteur Klaus Brinkbäumer tauschte das Titelmotiv zum allgegenwärtigen Narzissmus gegen ein Foto der Queen, die mit ihrem Gemahl den Kreis Europas verlässt, symbolisiert durch eine auf dem Boden liegende Flagge. Dazu die Headline: „Europa ist tot. Es lebe Europa?“

Durch den immensen Zeitdruck konnte die Redaktion, die womöglich durch die nach Ende der Abstimmung verbreiteten Prognosen für einen Sieg der „Bremain“-Fraktion zusätzlich irritiert worden war, lediglich zehn Seiten aktualisieren. Damit dürfte der Spiegel, der ab morgen am Kiosk liegt (E-Paper ab Freitagabend, 18 Uhr) eher weniger denn mehr Informationen zum Ausstieg der Briten aus der EU liefern als die überregionalen Tageszeitungen. Zudem sind die Kosten bei solchen Aktionen hoch. Allerdings könnte sich das „frische“ Cover zum Brexit positiv auf die Absatzzahlen im Einzelverkauf auswirken, so dass ein Teil der Mehrkosten wieder ausgeglichen werden könnte.

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