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“Stimmung wie bei einem Startup”: Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe über die mobile Brexit-Redaktion #London Calling

Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe
Handelsblatt-Chefredakteur Sven Afhüppe

Für Europa ist der Ausgang des Brexit-Referendums ein historischer Moment. Um vom Ringen einer Nation um das richtige Votum möglichst authentisch berichten zu können, verlegte das Handelsblatt seine Redaktion kurzerhand von Düsseldorf nach London. Im MEEDIA-Interview erklärt Chefredakteur Sven Afhüppe, welcher logistische Aufwand hinter der Aktion steckt – und warum es so wichtig ist, „so oft wie möglich das behagliche Redaktionsbüro zu verlassen“.

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Im Londoner Beagle, sonst eine Mischung aus Restaurant und Event Location, hat das Handelsblatt für eine Woche sein Redaktionsquartier bezogen. Zur heißen Phase der Brexit-Abstimmung wollten die Wirtschaftsexperten vor Ort und aus erster Hand berichten. Dazu kamen Freiwillige aus den unterschiedlichsten Redaktionseinheiten in die englische Hauptstadt: Die Stammressorts der gedruckten Zeitung sind hier ebenso vertreten wie Handelsblatt.com sowie die Global Edition und das Nachwuchsportal Orange. Das Motto der Aktion: “London Calling” – ein organisatorischer Kraftakt, der den Beteiligten überraschende Einblicke und ein neues Teamgefühl vermittelte, wie Expeditionsleiter Sven Afhüppe berichtet.

Sie sind gerade in London im sogenannten “Handelsblatt House”. Schildern Sie uns bitte mal die Lage vor Ort.
Sven Afhüppe: Das Handelsblatt hat eine Event-Location im Londoner Szene-Stadtteil Hoxton bezogen. Die Stimmung ist wie bei einem Startup. Alle sind hochmotiviert, kreativ und extrem mobil. Die kleinen technischen Probleme sind mit großer Gelassenheit bewältigt worden. Es ist schön zu sehen, zu welchen Extra-Leistungen die  Handelsblatt-Redaktion fähig ist.

Wie viele Kollegen arbeiten in London und wie viele sind im Land unterwegs?
Insgesamt sind 50 Handelsblatt-Redakteurinnen und Redakteure in Großbritannien. Dazu gehören Redakteure der Handelsblatt Global Edition, der englischsprachigen Ausgabe des Handelsblatts, und von Handelsblatt Orange, der Handelsblatt-Ausgabe für junge Leser. In London selbst recherchieren und schreiben insgesamt 45 Redakteure, weitere fünf Kollegen berichten permanent aus den Städten Manchester, Plymouth, Bristol, Belfast und Edinburgh.

Entspricht eine solche Form der Berichterstattung und des Blattmachens dem, was sich die Handelsblatt-Macher mit der Agenda der Freiheit oder auch mit Handelsblatt live auf die Fahnen geschrieben haben?
Absolut. Journalismus-Live heißt für uns, dass wir so oft wie möglich das behagliche Redaktionsbüro verlassen und dort sind, wo die wirtschaftlich und politisch relevanten Ereignisse stattfinden. Vor diesem Hintergrund war es nur logisch, dass das Handelsblatt über die historische Woche des britischen Referendums nicht aus Düsseldorf, Frankfurt oder Berlin berichtet, sondern direkt aus Großbritannien. Journalismus-Live bedeutet für uns aber mehr als das Erstellen von besonderen Texten für die gedruckte Zeitung und die digitalen Kanälen. Abends laden wir unsere Leserinnen und Leser zu Diskussionsrunden mit besonderen Gästen ein – unter anderem Financial Times-Chefredakteur Lionel Barber oder die Investmentbankerin Stephanie Flanders von JP Morgen. Journalismus-Live bringt nicht nur Texte und Bilder zusammen, sondern Menschen mit Menschen. Es geht um Information und Inspiration, um den Austausch von klugen Ideen und die Verbreitung von wirtschaftlichem Sachverstand.

Wie groß ist der logistische Aufwand, um eine so große Gruppe von Düsseldorf in die englische Hauptstadt zu transportieren?
Der Aufwand ist schon enorm. Für das Abendprogramm haben wir eine Eventagentur engagiert, für die Technik haben wir einen IT-Experten mitgenommen und ein CvD kümmert sich um die Koordination von Texten, Bildern und Videos. Dank der engagierten Zusammenarbeit von Redaktion und Verlag lagen zwischen der Idee für das Projekt “London Calling” und dem Abflug nach Großbritannien aber nicht einmal vier Wochen.

Wie sieht der Arbeitsalltag der Redaktion aus?
Wegen der Zeitverschiebung beginnt der Arbeitstag etwas früher als in Deutschland. Themenkonferenzen gibt es nicht zu festen Zeiten, sondern praktisch permanent. Da die meisten Texte aus Platzgründen nicht den Weg in die gedruckte Zeitung finden, haben wir einen Liveblog eingerichtet, auf dem fast rund um die Uhr Geschichten erscheinen. Die Handelsblatt-Leser schätzen diesen Liveblog sehr, wie uns die hohen Zugriffszahlen zeigen.

Wie nehmen Sie die Stimmung in England wahr?
Die Stimmung ist unglaublich angespannt. Das liegt nicht nur daran, dass die Brexit-Debatte zwischen Unterstützern und Kritikern der EU-Mitgliedschaft hoch emotional geführt wird. Alle wissen, dass Großbritannien vor einer historischen Entscheidung steht.

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Wie verhalten sich dort die Medien?
Die Medien spielen eine zentrale Rolle. Gerade die aggressiven Boulevard-Blätter haben sich entschieden für einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ausgesprochen. Sollte es zum Brexit kommen, tragen auch diese Medien eine erhebliche Mitverantwortung.

Welches Echo löst die Präsenz des Handelsblatts in London aus?
Das Projekt “London Calling” ist auf große Resonanz gestoßen. Das zeigen nicht nur  die vielen Gäste, die jeden Abend zu unseren Veranstaltungen kommen. Auch Fernsehsender wie das ZDF und ABC haben über die Handelsblatt-Aktion berichtet.

Wie fällt ihr erstes Fazit der ersten Tage aus. Lohnte – bislang – die logistische Herkules-Aufgabe?
Unbedingt. Ohne wenn und aber.

Ihr Tipp: Wie geht die Abstimmung aus?
Ich hoffe sehr, dass die Briten für einen Verbleib in der EU stimmen. Europa braucht Großbritannien.

 

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