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Neues G+J-Magazin NoSports – tolle Optik, klasse Stories und die Frage: Wer soll das bloß kaufen?

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Es ist kein leichtes Match, zu dem Chefredakteur Philipp Köster und sein Team angetreten sind. Mit NoSports haben die 11Freunde-Macher inhaltlich und publizistisch eines der spannendsten Print-Projekte des Jahres aufgelegt. Allerdings bedarf es vermutlich einer Meisterleistung der Marketing- und Vertriebsabteilung, um den Zeitschriften-Rookie auch in ausreichender Stückzahl an den Mann und die Frau zu bringen.

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Bereits beim Blick auf das Cover wird das Dilemma des Neulings deutlich. Das Journalisten-Herz jubiliert: tolles Bild, tolle Zeile. Sofort fragt aber die Ratio: Kauft irgendjemand heute ein Magazin, weil Boris Becker vorne drauf ist? Dann auch noch eines, das keiner kennt, das NoSports heißt, obwohl es ausschließlich über Sport berichtet?

Die ehrliche Antwortet lautet wohl: Am Kiosk wird es schwierig.

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Dabei ist das mit dem Namen noch ganz sinnig: „Uns ging es darum, einen humorvollen und beschwingten Ton anzuschlagen. Sport wird ja immer unfassbar ernst genommen, oft bis zum Rand der Verbissenheit. Wir wollen dagegen ein Magazin machen, das die großen Geschichten erzählt, aber auch ein Herz für komische Randaspekte hat. Und NoSports macht auch klar, dass wir unseren Lesern nicht nahelegen, den Sportlern nachzueifern. Man darf das Magazin durchaus gemütlich auf dem Sofa lesen“, erklärt Chefredakteur Philipp Köster gegenüber MEEDIA. Das leuchtet ein. Aber ein Titel, für den man eine Art Gebrauchsanleitung braucht, war aber am Kiosk noch nie eine gute Idee. Jedenfalls nicht, wenn man es darauf anlegen will, zu verkaufen.

Das Motto, unter dem die Berliner ihr Projekt stellen lautet: „Jeder Sport ist großer Sport“. Ein kurzer Satz, der die Idee des Magazins aber auf den Punkt bringt. Denn nicht nur beim Fußball finden sich herausragende Leistungen, sondern auch im Tennis, Curling oder Dressurreiten. In ihrem neuen Heft will die Redaktion Menschen zeigen, die ihre Disziplinen mit „Leidenschaft, Ausdauer und Liebe“ betreiben. „Von diesen Menschen wollen wir hier erzählen“, heißt es im Editorial.

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Hinter dem Projekt steht die 11Freunde-Redaktion plus viele Autoren aus dem Kosmos der Fußball-Enthusiasten. Es ist wohl Fluch und Segen zugleich, dass man beim Neuling deshalb alles auch immer wieder mit 11Freunde vergleicht. Ein Vergleich, dem NoSports nur zur Hälfte standhält. Genauso wie der große Fußball-Bruder ist auch das Nachwuchs-Magazin immer wieder im Kleinen ganz groß. Bestes Beispiel dafür ist ein Mini-Kasten weit vorne im Heft, der vier Weltmeister zeigt, die keiner kennt. Oder wissen Sie in welcher Sportart Jasmina Keber die Konkurrenz beherrscht (Speedminton) oder Fridolin Frost (Bumerang) oder Frizzi Seltmann (Seilspringen)?

Ebenfalls in bester 11Freunde-Tradition steht der Wille der Macher, den einzelnen Geschichten die Zeit und den Raum einzuräumen, die sie brauchen. So bekommt Bei NoSports ein Stück über Cricket einfach mal acht Seiten freigeräumt. Das ist publizistisch durchaus mutig. Denn hierzulande interessiert sich (fast) niemand für diese Form der Freizeit-Beschäftigung, bei der Menschen nach völlig unverständlichen Regeln über mehrere Stunden mit einem breiten Stock versuchen einen kleinen Ball zu treffen. In den Commonwealth-Ländern begeistert Cricket die Massen. In Deutschland nicht und das wird sich auch nach der Lektüre des informativen Stücks nicht ändern.

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Präsentiert wird die abwechslungsreiche Reise durch die bunte Welt der Randsportsarten in einer modernen Retro-Optik, der man jederzeit ansieht, dass die Artdirektion von 11Freunde ihre Finger im Spiel hatte.

So modern der Look des Kiosk-Rookies anmutet, so altmodisch ist der Neuling gleichzeitig. Im Grunde folgt er einem redaktionellen Konzept, das in den 70er- und 80er-Jahren seine Blütezeit feierte: der Wundertüte. Ähnlich wie der stern oder die alten Geo-Ausgaben, scheint NoSports seine Leser auf eine Entdeckungsreise durch unbekannte und entlegene Regionen der unterschiedlichen Formen der Leibesertüchtigung mitnehmen zu wollen.

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Früher kauften die Leser solche Generalisten-Magazine. Heute geht der Trend dagegen klar zu Experten-Postillen für Nischen-Nerds. Dabei wird ein Thema möglichst tief und genau beackert. Darauf basiert der Erfolg der Landlust, aber auch der von 11Freunde.

NoSports setzt hier auf eine Kontertaktik in Sachen Print-Trends. Dieser generalistischen Ansatz birgt allerdings auch die Gefahr, das sich das Heft in einer zu großen Beliebigkeit verlieren könnte. Eine Titelgeschichte über Boris Becker, so interessant sie auch immer ist, oder ein Porträt des Golf-Gottes Bernhard Langer, der einfach nicht von seinem Sport lassen kann, so was geht immer und überall. Für diese Geschichte braucht man kein neues Magazin. Die hat man im Zweifel schon im stern, im Bahn-Magazin oder in der FAS gelesen.

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NoSports ist immer dann besonders gut, wenn die Macher die Nischen in der Breite suchen. Das können die abgekämpften, blutigen und verschrammten Gesichter von amerikanischen Collage-Ringern nach dem Kampf sein, ein Porträt des Rad-Sprinters Marcel Kittel oder ein Treffen mit Barry Hearn, der aus der Kneipensportart Darts einen globalen Fernsehsportevent machte.

Ob ein solcher Themenmix tatsächlich langfristig die Kraft hat, eine mittlere fünfstellige Zahl an Käufern zu überzeugen, alle zwei Monate zu dem Heft zu greifen, wird sich zeigen. Die Redaktion um Philipp Köster wird sich dem Kampf bestimmt stellen und ihr Bestes geben. Genau darum geht es ja beim Sport: Immer – nach den eigenen Möglichkeiten – alles rauszuhauen. Ob es am Ende reicht?

In der Titelgeschichte sagt Boris Becker: „Es geht immer nur darum, das nächste Spiel zu gewinnen“. Genauso werden die Berliner vorgehen. Sie machen einfach das nächste Heft und hoffen, dass sich ihre Idee eines Sport-Magazins, das es so wirklich noch nie in Deutschland gegeben hat, durchsetzen wird.

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Alle Kommentare

  1. College-Ringer, nicht Collage-Ringer, nehme ich mal an im drittletzten Abschnitt. Nachdem sich nun mein innerer Lektor abreagiert hat, noch ein inhaltlicher Kommentar: Äusserst spannend, aber wer soll denn nur Zeit haben um all die hoch qualitativen Magazine auch zu lesen?

  2. Wie häufig soll das Magazin denn erscheinen – ich denke mal vierteljährig? Dann könnte es was werden. Man muss sich halt darüber klar sein, dass Magazine vielleicht nur 5 Jahre funktionieren und dann eingestellt werden. Ich finde für einen Verlag kann sich das dennoch rechnen, wenn man die Gesamtauflage und deren Vermarktungschancen einbezieht. Dann sind die Edgy-Magazine wichtig zur Abrundung der Zielgruppe(n).

  3. Das Magazin “SPORTS”, eines der wunderbarsten journalistischen Projekte, vielleicht nach “GEO”, wurde von der Markteinführung mit Ausgabe 3/87 (G+J) bis zur Einstellung in 1999 (Jahr-Verlag) von einem extrem engagierten und erfolgreichen Anzeigenteam gegen alle vertrieblichen Ergebnisse am Leben erhalten. Henri Nannen kommentierte die Einführung mit Blick auf die zu erwartende Käuferschaft lakonisch mit “Ein Boxer surft nicht”. Und jetzt wieder eine Augenweide. Kauft sie, damit es sie lange lange gibt! Und damit sich Redaktion und Werbeagenturen wieder einen sportlichen Wettbewerb auf höchstem Niveau liefern können. Balsam für die Seele und Stimulanz für die Kreativen – macht was draus, verzichtet auf Freieinweisungen und kauft diese Print-Beauty.

  4. “Ein Sport-Magazin, das es so wirklich noch nie in Deutschland gegeben hat”? Liest die meedia-Redaktion eigentlich das eigene Medium nicht, oder warum ist dem Autor das Magazin Sportsfreund nicht bekannt?

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