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„Beckmanns Sportschule“ ist „Waldis EM-Club“ für denkende Menschen

“Beckmanns Sportschule”: Was simmer heut wieder herrlich verrückt
"Beckmanns Sportschule": Was simmer heut wieder herrlich verrückt

Viel Schlechtes wurde schon gesagt und geschrieben über „Beckmanns Sportschule“, das aktuelle Fußball-EM-Format, mit dem die ARD nach den Spielen den Tag ausklingen lässt. Allerdings ist die teils sehr böse Kritik unfair. Der Versuch, sich dem Thema Fußball im TV ausnahmsweise intelligent und mit Humor zu nähern, gelingt zumindest teilweise.

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Nach dem extrem geschnittenen und theatralisch überzogenen Vorspann kann man schon verstört sein, wie ein Zuschauer auf Twitter schrieb. Aber „Beckmanns Sportschule“ ist ja nicht NUR dieser ins Böhmermann-hafte changierende Irrsinn, der mit einer Über-Dosis Selbstironie zur sehr straight in the face serviert wird. Die „Sportschule“ ist im Kern ein Talk- und Unterhaltungsformat, das mit modernen visuellen Stil-Mitteln spielt. Das ist jetzt nicht das Schlechteste, was man über eine Fußball-EM-Nachbereitungssendung sagen kann.

Zu Beginn analysiert Reinhold Beckmann mit Gästen die jeweils aktuellen Spiele des Tages aus einer Umkleidekabine in der berühmten Sportschule Malente heraus. Dieses Malente-Thema haben sie über das ganze Format gestülpt, mit Einspielern, alten Helden (Uwe Seeler) und Zeitzeugen (der Hausmeister, der die WM-Mannschaft von 74 dort betreute). Der Ort Malente wird zum Lebensgefühl erhoben und als roter Faden für die Sendung genutzt. Manchmal ist das ein bisschen platt und aufdringlich – nicht vergessen, es ist Beckmann, der hier wirkt – aber eine schlechte Idee ist das auch nicht. Wenn die Macher des allseits beliebten Fußball-Heftes 11 Freunde eine TV-Sendung zu konzipieren gehabt hätten – vielleicht wäre etwas ganz Ähnliches dabei herausgekommen.

Dass der ehemalige Torwart und Bald-Wrestler Tim Wiese mit seinen zuckenden Brustmuskeln und Fleisch-Tick dauerpräsent ist, ist recht komisch („Dummerweise erweist sich der Lambo mit seinem Zwergkofferraum als ungeeignet zum Schinken-Transport“). Die Video-Reihe mit dem früheren Fußballer Nico „Patsche“ Patschinski, der als Bestatter arbeitet und hier den „EM Bestatter“ im „Six Feet Under“-Style gibt ist dagegen ein bisschen zu sehr mit der Brechstange servierte Pseudo-Lustigkeit. Solche Einspieler und diese sattsam bekannte, penetrante Beckmann-Sprechweise („Du bis … begeistert!?“ „Es macht einen …. kaputt und leer!?“) bei der Satzenden seltsam zerkaut, zerraunt und bedeutungsschwanger überbetont werden, sind vermutlich der Grund für den abgrundtiefen Hass, den Manche dieser Sendung entgegenbringen.

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Aber trotz solchen Defiziten oder gerade deswegen funktioniert die Sendung erstaunlich gut. Die Einbindung des türkischen Sterne-Kochs Ali Güngörmüs und die Gespräche mit der Ernährungsberaterin des FC Bayern und de veganen Fußballer Marco Sailer in der jüngsten Folge waren durchaus interessant und kurzweilig. In der Kombination mit den Talk-Elementen sind dann sogar die bizarren Wiese-Auftritte und der „EM-Bestatter“ irgendwie zu ertragen. Noch besser wäre da, wenn Beckmann nicht immer wieder der Versuchung erliegen würde, zu betonen, wie „irre“ und „genial“ (Ironie!!!) das nun alles schon wieder sei.

Aber es ist ja auch schon spät, wenn die „Sportschule“ läuft. Und, liebe Kritiker, hättet ihr wirklich lieber wieder einen wie den Waldi Hartmann zurück, das personifizierte Weizenbierglas, der bräsig die Spiele durchkaut und Leute wie Reiner Calmund und Matze Knop an einem Tisch hocken hat? Na also!

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Alle Kommentare

  1. Zitat:

    “Die „Sportschule“ ist im Kern ein Talk- und Unterhaltungsformat, das mit modernen visuellen Stil-Mitteln spielt. Das ist jetzt nicht das Schlechteste, was man über eine Fußball-EM-Nachbereitungssendung sagen kann.”

    =========

    Hierzu gilt es zwei Dinge unbedingt zu beachten:

    1.) Dies ist eine Einzelmeinung des Autors.

    2.) Das Problem ist überhaupt nicht das Format an sich, sondern die mehr als nur grottige *Umsetzung* desselben durch Beckmann.

    =========

    Zitat:

    “Manchmal ist das ein bisschen platt und aufdringlich – nicht vergessen, es ist Beckmann, der hier wirkt – aber eine schlechte Idee ist das auch nicht.”

    siehe Punkt 2 oben.

    =========

    Zitat:

    “Aber trotz solchen Defiziten oder gerade deswegen funktioniert die Sendung erstaunlich gut.”

    Ja genau, und weil so “gut funktioniert” gibts nämlich auch fast durchgehend nur Kritik daran.

    Aber der Autor hat zum Schluß immerhin noch einen “Trost” für uns parat:

    =========

    Zitat:

    “Aber es ist ja auch schon spät, wenn die „Sportschule“ läuft.”

    An der Überzeugungskraft dieses “Argumentes” scheint Herr Winterbauer dann aber wohl doch selber zu zweifeln.

    Deshalb müssen also andere Geschütze aufgefahren werden, das pure Grauen, anders geht es nicht. 🙂

    =========

    Zitat:

    “Und, liebe Kritiker, hättet ihr wirklich lieber wieder einen wie den Waldi Hartmann zurück, das personifizierte Weizenbierglas, der bräsig die Spiele durchkaut und Leute wie Reiner Calmund und Matze Knop an einem Tisch hocken hat?”

    JA! – Verdammt nochmal. 🙂

    Wenn die einzige Alternative tatsächlich weiterhin nur Beckmann heißt, dann JA! 🙂

  2. „… bei der Satzenden seltsam zerkaut, zerraunt und bedeutungsschwanger überbetont werden“, … Treffender kann man das Beckmann-Geraune kaum beschreiben. Respekt!

    Wobei ich Ihnen recht gebe, die Sendung hat durchaus ihre „Momente“.

  3. Wenn die 11Freunde-Macher so etwas zu konzipieren gehabt hätten, wäre wohl etwas Ähnliches dabei herausgekommen?? – Das ist wohl die größte Beleidigung, die den Jungs jemals an den Kopf geworfen wurde.

    Und vor die Wahl gestellt (wenn die 11Freunde weiterhin keine Zeit haben): Ja, bitte, auf jeden Fall lieber Waldi!

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