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Nach Kritik von Petry und Journalisten: KJS verteidigt „Faktenzoom“-Projekt

Schüler der Kölner Journalistenschule haben Aussagen von Politikern überprüft

Die Leitung der Kölner Journalistenschule verteidigt in einem Kommentar das Schülerprojekt „Faktenzoom“, für das die angehenden Journalisten Aussagen von Politikern in Talkshows überprüft haben. Man habe ein „mutiges Projekt“ gestartet, dessen Ergebnis nun mal nicht jedem gefalle. Die Recherche ist zuvor von AfD-Politikerin Frauke Petry sowie einigen Medienjournalisten kritisiert worden.

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„Mit Faktenzoom haben unsere Studenten ein mutiges Projekt gestartet. Es setzt sich mit einem Thema auseinander, das offenkundig viele Menschen interessiert, der Frage nämlich, wie genau es Politiker bei ihren Talkshowauftritten mit der Wahrheit nehmen. Das Ergebnis, das unsere Schüler zutage fördern, gefällt nicht jedem, auch deshalb hagelte es Kritik. Das müssen wir aushalten“, schreibt die Leitung der Journalistenschule auf ihrer Homepage sowie bei Facebook. „Faktenzoom hat etwas bewegt, etwas in Gang gesetzt. Es ist ein Versuch, sich der Frage, ob man Politikern ohne weiteres Glauben schenken kann oder nicht, durch Recherche zu nähern statt mit Parolen. Die Debatte darum wird weitergehen. Dazu haben wir einen Teil beigetragen, und darauf sind wir stolz.“ Dem Faktenzoom sei mehr Aufmerksamkeit zuteil geworden, als man erwartet habe.

Das lag auch daran, weil die Journalistenschüler für ihre Recherche harsche Kritik einstecken mussten. Kurz nach Veröffentlichung der Ergebnisse empörte sich AfD-Chefin Frauke Petry, die als Politikerin mit den meisten Falschaussagen identifiziert worden war. Petry versuchte einige Aussagen zu widerlegen, lieferte aber nur wenige Fakten. Kontrovers diskutiert wurde das Projekt unter Medienkritikern. So bezeichnete Stefan Niggemeier die Methodik der Untersuchung als „Murks“ und kritisierte, dass von den Politikern getätigte Aussagen redigiert und dadurch teilweise umgedichtet worden seien. Das Argument, dass die Schule den Politikern die Zitate erneut zur Autorisierung vorgelegt habe, wollte Niggemeier nicht gelten lassen. Angegangen wurde der Faktencheck auch vom Handelsblattjournalisten Norbert Häring, der als falsch recherchierte Aussagen des CSU-Politikers Markus Söder nachprüfte und in den meisten Fällen das Gegenteil bewies. Auch MEEDIA kritisierte den Faktenzoom und bemängelte vor allem das Kategoriesystem.

Dazu erklärt die Journalistenschule, dass es sich bei dem Projekt um keine wissenschaftliche Studie handelt. Es sei als journalistisches Projekt gedacht und umgesetzt worden. „Der Ansatz unserer Schüler, Aussagen in bestimmte Kategorien einzuordnen (etwa in „Nicht prüfbar“ oder in „Tatsachenbehauptung“), ist nachvollziehbar. Auch die Übersetzung der mündlichen Aussagen in den Talkshows in schriftliche Behauptungen auf der Website ist legitim. Schließlich steckt in manchem vor laufender Kamera geäußerten Satz ein halbes Dutzend Behauptungen, die einzeln überprüft werden müssen.“

Darüber hinaus verweist man darauf, dass es auch Lob seitens der Politik gegeben habe und die betroffenen Politiker die (veränderten) Zitate vorab vorgelegt bekommen hätten. Dennoch gesteht die KJS ein: „Faktenzoom ist nicht perfekt. Unter den mehr als 700 überprüften Aussagen gibt es einige, bei denen Spielraum für Interpretationen bleibt. Es gibt schriftliche Versionen mündlicher Aussagen, die man besser hätte formulieren können. Und auch über die Einordnung mancher Aussage in eine bestimmte Kategorie (etwa in Tatsachenbehauptung oder Allgemeinwissen) kann man streiten.“

Die Schule will nun einige Kritiker einladen, um mit ihnen über das Verfahren und mögliche Verbesserungen zu sprechen: „Denn wir glauben an die Idee, die unsere Studenten hatten und halten sie für wichtig.“

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