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Nach frei! kommt „Female“: Neues G+J-Magazin für junge Frauen startet im September

G+J-Produktchef Stephan Schäfer
G+J-Produktchef Stephan Schäfer

Das Aus für den Vertriebstitel frei! bedeutet für Stephan Schäfer einen herben Rückschlag im Segment der Frauenmagazine. Doch der Gruner + Jahr-Produktvorstand hat schon ein neues Eisen im Feuer und plant ein gehobenes Gesellschafts- und Lifestyle-Magazin für Frauen zwischen 20 bis 39 Jahren. Damit geht Schäfer auf Nummer sicher, zumal das Investment finanziell überschaubar ist.

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Ausgerechnet der Versuch in dem so umsatzstarken Segment der Women’s Weeklies schlug fehl: Bereits nach 18 Wochen musste der Gruner + Jahr-Produktvorstand den Vertriebstitel wieder vom Markt nehmen, weil die Verkaufszahlen weit unter den Erwartungen der erfolgsverwöhnten Verlagsgruppe lagen. Erstmals erlitt damit die vor zwei Jahren von Schäfer gestartete Produktoffensive einen empfindlichen Dämpfer. „Wir haben den Ball deutlich ins Aus geschossen“, gestand der G+J-Manager gegenüber MEEDIA ohne Umschweifer das Ende des Print-Experiments ein.

Doch Schäfer lässt sich nicht entmutigen. Er plant jetzt, ein Gesellschafts- und Lifestyle-Magazin für Frauen, die ernst genommen werden wollen. Bereits Mitte September soll die zunächst zweimonatlich erscheinende Zeitschrift an die Kioske kommen. Daher laufen im Verlagshaus am Baumwall die Vorbereitungen für den Magazin-Neuling unter dem Arbeitstitel „Female“ auf Hochtouren. Nach MEEDIA-Informationen lief das Produkt zeitweise unter dem Namen „Fizzy“. Eine Unternehmenssprecherin hierzu: „Gruner + Jahr setzt, wie angekündigt, seine Innovationsoffensive fort und arbeitet an einem neuen Lifestyle- und Gesellschaftsmagazin für junge, emanzipierte und selbstbewusste Frauen – Arbeitstitel „Female“. Ein kleines, engagiertes  Redaktionsteam sitzt aktuell an der Entwicklung und Umsetzung. Weitere Informationen können wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht kommunizieren.“

Wie zu hören ist, soll der Frauen-Titel eine Mischung aus anspruchsvoller und leichter Lektüre bieten. Geplant sind daher Analysen und Reportagen zu Politik und Wirtschaft, die für Frauen relevant sind. Die Artikel sollen kritisch und gehaltvoll, die Sprache überraschend und voller Wortwitz sein, die Bildsprache direkt und unverbraucht, heißt es unternehmensintern. Betroffene Mitarbeiter werten dies als Versuch von Schäfer, sich anders als bei frei! auf die journalistischen Wurzeln des Hauses zu besinnen. Als früherer Absolvent der Springer-Journalistenschule hatte der gelernte Redakteur seine ersten Karriere-Schritte in der Politik-Redaktion der Bild-Zeitung unternommen.

Dennoch: Die Mischung macht es. „Female“ soll auch leichte Kost liefern, um die Frauen bestmöglich zu unterhalten. Geplant sind Artikel, die die Zielgruppe über Sex, Liebe und Leben unterhalten und informieren sollen. Ehrliche Kosmetik- und Produkttipps, Berichte über Mode und Kultur ergänzen das journalistische Angebot. Vor allem soll “Female” bei den Frauen mit dem gesellschaftlichen Druck zu Perfektion und Selbstoptimierung, weibliche Klischees und Schönheitsidealen aufräumen, lautet es in G+J-Kreisen.

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Mit „Female” geht Schäfer auf Nummer sicher. Denn das Risiko, erneut eine Blamage zu erleiden, ist vergleichsweise gering. Auch finanziell ist das Rückschlags-Potenzial begrenzt, da das Magazin nicht die hohe Erscheinungsfrequenz von frei! hat. Sollte das Magazin erfolgreich sein, könnte die Taktung zügig erhöht werden, hört man in Gruner + Jahr-Kreisen.

Damit wäre Female aber kein großer, neuer Erlösträger, der den ursprünglich erhofften Umsatz von frei! nur annähernd ersetzen könnte. Darauf hatte jedoch der Gütersloher Mutterkonzern Bertelsmann unter Führung von Thomas Rabe gehofft. Nun wird daraus nichts. Jetzt sind es vor allem zwei andere Geschäfte, die den Umsatz von Gruner + Jahr unter Führung von Julia Jäkel in diesem Jahr treiben. Dazu zählt der gerade vom Stapel gelaufene CP-Riesentanker Territory. Hier gilt vor allem Rabe als Treiber. Er hat es damit ermöglicht, dass der Verlag 2016 durch den Zusammenschluss mit der Gütersloher Medienfabrik zusätzlich einen Betrag in dreistelliger Millionenhöhe als Umsatz in seine Bücher nehmen kann.

Weiterer Umsatztreiber ist das Joint-Venture mit dem Landwirtschaftsverlag aus Münster. Dies könnte das norddeutsche Zeitschriftenhaus erstmals im Geschäftsabschuss 2016 konsolidieren. Dadurch ist es denkbar, dass der Umsatz von Gruner + Jahr in diesem Jahr wieder auf über 1,6 Milliarden Euro klettert. Im vergangenen Geschäftsjahr war er auf 1,53 Milliarden Euro gesunken. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hatte wohl mehr erwartet. Er hatte gehofft, dass der Verlag am Baumwall schneller und nachhaltiger durch Print-Innovationen a la frei! wächst. Nun muss er sich eher mit Innovationen am Baumwall begnügen, die eher Umsatzzuwächse in Tippelschritten versprechen.

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Alle Kommentare

  1. Fällt diesen Verlagen eigentlich nichts anderes ein als Frauenzeitschriften? Kann mir schon vorstellen, wie das laufen wird: Ein bisschen Mode, viel Kosmetik, s. g. Lifestyle à la Sex and Psycho – also alles was massenhaft am Kiosk schon zu haben ist. Vielleichtversuchen sies manchmal noch mit einem Interview mit Politkerin oder Managerin – aber letzteres wäre ja beinahe schon revolutionär. Und das gibt’s nicht im deutschen Verlag. Der deutsche Verlag liebt die Zielgruppe Frau und scheißt sie regelrecht mit dummdreister Lektüre zu. Leute macht doch mal Jungmänner-Magazine, Urban Culture-Postillen oder wie wärs: mit Wirtschaft für Youngsters. es gibt noch viel mehr Zielgruppen als die, die ihr kennt.

  2. Nachdem sich ein billiges Quatsch-Blatt nicht verkauft hat, versuchen wir es doch mal mit einem teuren?

    Na ja, wenigstens sind es keine Steuergelder, die da verbraten werden.

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