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People und frei! – die Woche der zerstörten Magazin-Hoffnungen

Kai Diekmann bei Snapchat gesichtet, Jögi Löw, eingestellte Hefte frei! und People
Kai Diekmann bei Snapchat gesichtet, Jögi Löw, eingestellte Hefte frei! und People

Jogis fataler Griff in die Hose, die Einstellung von gleich zwei hochauflagigen Print-Magazinen in einer Woche, Bild-Digital-Chefredakteur Julian Reichelt zofft sich öffentlich mit dem Presserat und Kai Diekmann wählt auf Snapchat den „Doggystyle“. Es ist wieder mal einiges los in diesem MEEDIA-Wochenrückblick.

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Diese Woche erlebten wir die Einstellung von zwei mit großen Erwartungen gestarteten Print-Magazinen. Gruner + Jahr wollte mit dem eher vertriebsorientierten Frauenheft frei! dem Bauer-Verlag ein bisschen das Wasser abgraben. Und Bauer wollte umgekehrt mit People ins hochglänzige Segment vorstoßen. Beides ist krachend gescheitert. Ein wenig stutzig macht vor allem bei People, mit welch großspurigen Worten das Magazin noch vor wenigen Wochen gelobt wurde. Da prahlte People-Chefredakteur Tom Junkersdorf im Interview mit kress.de: „119.018 verkaufte Exemplare – das ist eine fantastische Auflage! Wir sind sehr zufrieden und fühlen uns mit unserem Konzept bestätigt.“ Blöd war halt, dass von den knapp 120.000 Exemplaren bloß 57.698 Einzelverkäufe und 1.363 Abos waren. Der Rest wurde – ähem, wie drückt man das passend aus: verschleudert. Hat er leider bei dem geschmeidigen Interview vergessen zu erwähnen. Junkersdorf damals weiter: “Wir haben immer an den Erfolg geglaubt und tun alles für diesen Erfolg. Und die ersten Auflagenzahlen geben uns Recht. Das komplette Team hat mit einer unglaublichen Begeisterung an dem Projekt gearbeitet, dafür bin ich dankbar. Umso schöner ist es jetzt zu sehen, dass es funktioniert.” Jaja, schon recht. kress ließ sich von der herbeifantasierten Erfolgs-Duseligkeit anstecken und jubelte in der Bild-Unterschrift: “Da kann man doch glatt die ganze Welt umarmen: Tom Junkersdorf hat es wieder allen bewiesen, die verkaufte, IVW-geprüfte Auflage von “People” beträgt 119.018 Exemplare.”

Und jetzt: Junkersdorf weg und finito People. Wenn ein Medienprojekt scheitert, ist das nie schön. Weder für die Branche, den Verlag und schon gar nicht für die Mitarbeiter. Es hilft aber auch keinem, wenn versucht wird, mit Phrasendrescherei Erfolge herbeizureden, wo keine sind. Manchmal sollte man seine Kommunikation einem Realitätscheck unterziehen.

Ein Top-Thema diese Woche war natürlich – Themenwechsel! -der Hosengriff von Bundestrainer Joachim „Jogi“ Löw während des Spiels Deutschland gegen die Ukraine bei der EM in Frankreich. Wer war denn da nur schuld? Etwa die bösen Internet-Fuzzis, die das Video bearbeitet und bei Facebook und YouTube reingestellt haben? Jogi selbst, weil er vor lauter Nervosität und Adrenalin an seinen Intimzonen herumkratzen musste? Oder gar die Firma Hugo Boss, die nicht in der Lage war, dem armen Jogi ein T-Shirt in ausreichender Länge und in einer Farbe zur Verfügung zu stellen, bei der man nicht sofort die Riesen-Schwitzflecken sah? Niemand Geringeres als Focus Editor-at-Large Uli Reitz hat sich der Sache dankenswerterweise angenommen und weiß: Die Internet-Fuzzis waren schuld! Denn, so schreibt Reitz in seinem montäglichen Newsletter „Focussiert“:

Es gibt ein Recht auf das Wegsehen, es gibt den berühmten Aus-Knopf. Aber ich finde, darüber hinaus gibt es auch eine Pflicht, weg zu sehen. Auch der Bundestrainer hat eine Intimsphäre, die ihn vor unserem gierig-geilen Blick schützen muss.

Aber wieso um Himmelswillen zeigt Reitz den Griff in die Hose dann selbst auch nochmal groß und in Farbe in seinem Newsletter? Wo war denn da bitteschön der “Aus-Knopf”? Übrigens: Die ersten drei Vorschläge von Google, wenn ich „Jogi Löw“ in die Suchmaske eingebe, sind: „Jogi Löw Stil“, „Jogi Löw Frau“ und „Jogi Löw Sack“. Dieses Internet kann schon eine Bitch sein.

Bildschirmfoto 2016-06-17 um 15.27.58

Haben Sie es mitbekommen: Bild.de Chef Julian Reichelt ist auf Twitter mal wieder die Hutschnur geplatzt und er beschimpfte den Presserat als „Handlanger der Kreml-Propaganda“. Uiuiui.

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Der Presserat wies das gegenüber MEEDIA natürlich leicht pikiert zurück. Grund für den Streit ist eine Missbilligung, die der Presserat für den Bild.de-Artikel “Nach der Einigung von München – Putin und Assad bomben weiter!” vom 12 Februar 2016 ausgesprochen hat. Im Artikel schildert der Bild-Reporter Julian Röpke, wie Bomben-Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe zahlreiche zivile Opfer fordern, obwohl zuvor eine Einigung zwischen den am Syrien-Konflikt beteiligten Staaten erzielt wurde, dass binnen einer Woche Kampfhandlungen zu reduzieren sind. Ein Beschwerdeführer hatte beim Presserat moniert, Bild würde in dem Text behaupten, dass es eine Feuerpause gebe, die gebrochen wurde. Das stimme aber nicht, so der Beschwerdeführer. Problem: Der Bild-Text behauptet gar nicht, dass eine Feuerpause gebrochen wurde. Der Presserat war aber der Auffassung, dass ein “durchschnittlich verständiger Leser” diesen Eindruck gewinnen kann und sprach eine Missbilligung wegen mangelnder journalistischer Sorgfalt aus. Dass der Presserat Missbilligungen nicht aufgrund von faktischen Verfehlungen, sondern aufgrund „Eindrücken“, die gewonnen werden können, ausspricht, finde ich schon seltsam. Außerdem ist der Bild-Text erkennbar ein Reporter-Stück, das sich zumindest teilweise auf Erfahrungen und Befragungen vor Ort stützt. Ebenso war das Stück flankiert von einem Kommentar Reichelts und einem nachrichtlichen Text, in denen näher auf die „Einigung von München“ eingegangen und diese von der Bild-Redaktion scharf verurteilt wurde. Man konnte also als „verständiger Leser“ schon kapieren, worum es ging. Nun war Reichelts Wortwahl in seinem Beschwerde-Brief an den Presserat scharf und sehr emotional („inhaltlich grotesk und moralisch obszön“).

Wenn man sich aber die Fakten anschaut und auch mal einen Blick darauf wirft, welche Inhalte der Beschwerdeführer so auf seiner öffentlich zugänglichen Facebook-Seite postet (u.a. ein Video, das eine Putin-Figur zeigt, wie sie anderen Nationen eine runterhaut oder Karikaturen, die sich über „fade Gutmenschen“ lustig machen), dann kann man sich schon fragen, ob sich der Presserat hier nicht – vermutlich ohne es zu wissen – instrumentalisieren ließ.

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Bildschirmfoto 2016-06-17 um 14.26.27

“Putin auf der Weltbühne” – Video auf der Facebookseite des Beschwerdeführers

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Nach so viel Unbill zum heiteren Ausklang noch eine Lustigkeit aus dem Leben des umtriebigen Bild-Herausgebers Kai Diekmann. Der hielt jüngst einen Vortrag an der Bundeswehruniversität in Neubiberg und wurde anschließend von Giulia Wilzewski, Studentin für Modejournalismus und Medienkommunikation, zum kurzen Snapchat-Lehrgang gestellt. Sie hat uns das Video „zugespielt“. Hihihi: Er hat „Doggystyle“ gesagt.

Sorgenfreies Wochenende!

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Alle Kommentare

  1. Endlich mal lustiges. 🙂

    Passend zur Fußballsaison hat der verehrte Herr Reitz hier also ein perfektes Eigentor hingelegt und der “liebe Herr Winterbauer” widersteht nur halb der Versuchung zu bestätigen, das Schadenfreude eben (manchmal) doch die schönste Freude ist. 🙂

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