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Solidaritätswelle für verfolgte Juden: Darum setzen viele Twitter-Nutzer drei Klammern um ihren Namen

Klammern als Solidaritätszeichen für Juden
Klammern als Solidaritätszeichen für Juden

Bei Twitter setzen immer mehr Nutzer drei Klammern um ihre Namen. Hinter der Aktion steht eine Solidaritätswelle, um einer digitalen Judenverfolgung etwas entgegenzusetzen. Neonazis und Trump-Anhänger haben angefangen, vor allem Nutzernamen jüdischer Journalisten eingeklammert zu twittern, um sie kenntlich zu machen. Die Betroffenen wurden anschließend oft zum Ziel von Hass-Postings.

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Die Klammern – auch Echos  genannt – tauchen vermehrt seit Anfang Juni auf. Aufschluss über das Social-Media-Phänomen gibt ein Artikel der Website Mic. Wie es dort heißt, markieren Neonazis – offenbar vor allem – jüdische Journalisten mit einer Art digitalem Judenstern, indem sie Nutzernamen der Journalisten twittern und diesen mit drei Klammern umschließen. Über die so markierten Twitterer sollen dann Shitstorms und Hetze hereinbrechen.

Die Markierung der jüdischen Nutzer ist nicht willkürlich, sondern hat offenbar auch eine Bedeutung. So sollen die drei Klammern für je eine Form der jüdischen “Zersetzung” stehen. So stehe eine Klammer für die Zerstörung des Prinzips Familie, eine zweite für die Zerstörung der Nation durch den jüdischen Glauben und die dritte für die angebliche internationale Verbreitung des Judentums. So erklärt es das rechte Blog the Right Stuff gegenüber Mic.

Im rechten Jargon spricht man von den Klammern als “Echo”, weil “sich alle jüdischen Nachnamen durch die Geschichte wiederholen”. Auf Journalisten hat man es offenbar besonders abgesehen, weil diese eine interessensgetriebene Politik verfolgten und Teil einer internationalen Weltverschwörung des Judentums seien. Betroffen sind mittlerweile nicht mehr nur jüdische Nutzer, sondern auch jene, die sich beispielsweise kritisch über den populistischen US-Präsidenschaftsanwärter Donald Trump geäußert haben.

Die antisemitische Hetze blieb lange unbemerkt, weil die Klammern Teil der so genannten dog-whistle-politics sind. Damit ist gemeint, dass nur Insider die Bedeutung der Klammer verstehen.

Journalisten klammern ihre Namen ein: Solidaritätswelle soll Hetze schwieriger machen

Aufmerksam geworden war Mic, nachdem der New-York-Times-Journalist  Jonathan Weisman Opfer der Neo-Nazi-Hetze wurde. Weisman hatte zuvor einen Artikel über Trump mit dem Titel “This Is How Fascism Comes to America” veröffentlicht. Der stellvertretende Leiter der NYT-Hauptstadtredaktion will sich jedoch von den Angriffen nicht unterkriegen lassen. Stattdessen will er den Rechtsextremen zuvorkommen: “Jüdische Journalisten setzen ihre Namen in Klammern, um zu zeigen, dass wir keine Angst vor diesen Menschen haben und uns nicht für unsere Identität schämen. Je mehr Journalisten das tun, desto weniger einschüchternd sind diese Symbole. Es ist eine Form der kulturellen Aneignung.”

Seinem Aufruft sind mittlerweile weltweit zahlreiche Twitter-Nutzer gefolgt.

Für Weisman ist der Hass im Social Web offenbar dennoch zu viel. Twitter beispielsweise will er nicht mehr nutzen.

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Alle Kommentare

  1. Zitat: “Neonazis und Trump-Anhänger”… Schwachsinn!

    Der Artikel versucht wieder mal beide Gruppen in einen Topf zu werfen und den zukünftigen Präsidenten der USA schlecht zu machen.

    Trump hat nichts gegen die verschiedenen jüdischen Gruppierungen/jüdischen Wähler. Nicht inoffiziell schon überhaupt nicht offiziell.

    Das ist schließlich eine sehr wichtige und große Wählergruppe in den USA.
    JFK hat z.B. seinerzeit nur wegen dieser Wählergruppe die Wahl gewonnen…
    Nixon auch nur knapp…

  2. Langsam ist die Hetze gegen den politischen Gegner nicht mehr als völlig albern zu beschreiben. Sonst heißt es doch, dass Neonazis für Familie und Nation sind. Hier sollen sie plötzlich wieder dagegen sein…..
    Früher war eine gängige Beleidigung “Sie Arschloch”; heute heißt es ständig “Nazi”. Keine gesunde Entwicklung.

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