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Gewinneinbruch beim Spiegel: magere Jahres-Ausschüttung von nur noch 1000 Euro pro Mitarbeiter

Spiegel-Geschäftsführer Thomas Hass muss einen weiteren Rückschlag im Bemühen um Print-Innovationen vermelden

Den Spar- und Wachstumskurs des Spiegel-Verlags bekommen die Mitarbeiter jetzt in der eigenen Geldbörse zu spüren. Die stillen Gesellschafter in der Mitarbeiter KG, denen rund die Hälfte des Gewinns zusteht, bekommen für das vergangene Geschäftsjahr lediglich eine spärliche Gewinnausschüttung. Entsprechend mager fällt auch der Betrag an die Augstein-Erben und Gruner + Jahr als Mitgesellschafter aus.

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Es galt lange Zeit als ein gutes Zubrot. Jedes Jahr erhalten die stillen Gesellschafter beim Hamburger Spiegel-Verlag nach einem ausgeklügelten Punktesystem, das die Betriebszugehörigkeit und das Jahresgehalt berücksichtigt, rund 50 Prozent des Gewinns. In früheren, guten Geschäftsjahren kamen bei einigen stillen Gesellschaftern so satte Beträge in fünfstelliger Euro-Höhe an. Den Geldsegen haben sie dem Verlagsgründer Rudolf Augstein zu verdanken, der Redakteure, Dokumentationsjournalisten und Verlagsangestellte mittels einer Schenkung 1970 am Unternehmen beteiligte.

In diesen Jahr fällt das ausgeklügelte Punktesytem flach. Erstmals bekommen alle stillen Gesellschafter denselben Betrag aus dem Jahresgewinn 2015 ausgeschüttet. Nach Informationen von MEEDIA handelt es sich um rund 1000 Euro brutto. Grund für diese Einheitsaufschüttung ist, dass der Gewinn des von Augstein gegründeten Unternehmens 2015 eine bestimmte Summe unterschritten hat. Verantwortlich für den Ertragsrückgang sind vor allem hohe Rückstellungen. Sie hatte die Firmenspitze unter Führung von Thomas Hass – unter anderem für das geplante Vorruhestandsmodell – im Abschluss 2015 gebildet. Die Rückstellungen betragen nach MEEDIA-Informationen rund 27 Millionen Euro. Darin enthalten sind zudem weitere Aufwendungen für Restrukturierungsmaßnahmen, die den Gewinn 2015 schmälern.

Legt man die Ausschüttung an die rund 780 stillen Gesellschafter (laut Innovationsreport) von jeweils 1000 Euro brutto zugrunde, dürfte damit der Gewinn des vergangenen Geschäftsjahres unter 2 Millionen Euro gelegen haben. Damit wäre das Medienhaus an der Ericus-Spitze nur knapp den roten Zahlen entgangen. Entsprechend mager fiel auch für die anderen Gesellschafter des Spiegel die Ausschüttung in 2015 aus. An dem Unternehmen sind ferner die Erben von Rudolf Augstein sowie das Hamburger Zeitschriftenhaus Gruner + Jahr (Stern, Geo) beteiligt.

Die Hamburger Spiegel-Gruppe leidet seit Jahren unter schwindenden Anzeigen- und Vertriebserlösen. Firmenchef Hass hatte dem Medienunternehmen im vergangenen Jahr ein Wachstums- und Sparprogramm unter dem Namen „Agenda 2018“ verordnet. Es sieht unter anderem vor, die Kosten jährlich um 15 Millionen Euro zu drücken. Dazu zählen neben Sach- auch Personalkosten. Die Firmenspitze hatte deshalb, den Mitarbeitern ein großzügiges Vorruhestands-Modell unterbreitet. Dies hatten 111 Beschäftigte angenommen. Dennoch drohen noch im Juni Kündigungen. Die Geschäftsführung bemüht sich allerdings, diese noch abzuwenden.

Der Verlag gab hierzu keine Stellungnahme ab und verwies auf die Mitarbeiter-KG, die sich zu betriebsinternen Vorgängen ebenfalls nicht äußern will.

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