Anzeige

Bild.de-Chef Julian Reichelt: „Presserat macht sich zum Handlanger der Kreml-Propaganda“

Bild.de-Chef Julian Reichelt legt sich mit dem Presserat an

Bild Digital-Chefredakteur Julian Reichelt hat den Presserat massiv kritisiert und als „Handlanger der Kreml-Propaganda“ bezeichnet. Grund ist eine Missbilligung, die der Presserat wegen des Bild.de Artikels „Putin und Assad bomben weiter“ vom Februar dieses Jahr ausgesprochen hat. 

Anzeige

Bild berichtete in der Digital-Ausgabe am 12. Februar, dass nach einer nächtlichen Einigung auf eine Feuerpause im Syrien-Krieg Putin und Assad einmal mehr bewiesen hätten, dass es „bei Lippenbekenntnissen“ bleibe. Das „wahllose Töten durch die Luftwaffen beider Männer“ gehe weiter, so Bild.de. Beim Presserat ging daraufhin eine Beschwerde ein, die darauf berief, dass Bild.de behaupte, es habe zu dem Zeitpunkt eine Feuerpause gegeben. Dies stimme aber nicht, da die vereinbarte Feuerpause zum Zeitpunkt der im Artikel beschriebenen Bombardements noch nicht in Kraft getreten sei. Der Presserat erkannte hier einen Verstoß gegen die journalistische Sorgfaltspflicht und sprach eine Missbilligung aus.

Bild Digital-Chefredakteur zeigt sich nun auf Twitter extrem empört über diesen Vorgang und veröffentlicht einen Brief, den er in der Sache an den Presserat geschrieben hat:

Die „furchtbar falsche Entscheidung“ des Presserats sei „inhaltlich grotesk und moralisch obszön“, so Reichelt. Die Bomben-Angriffe auf Zivilisten stellten einen „dauerhaften Zivilisationsbruch“ dar und seien auch ohne Einigung auf eine Feuerpause nicht legitim. Reichelt zum Presserat: „Was Sie hier betreiben ist eine komplette Verdrehung der Wahrheit und leider – wenn auch vermutlich und hoffentlich unbewusst – eine Legitimierung russischer Propaganda.“ Nichts nutze der russischen Propaganda mehr, als von einer deutschen Institution „bestätigt“ zu werden, schreibt Reichelt weiter. Außerdem sei die beanstandete Bild.de-Berichterstattung „in Fakten und Interpretation absolut wahrheitsgetreu“.

Am Ende fordert Reichelt, den Vorsitzenden des Presserat-Beschwerdeausschusses 1, Matthias Wiemer, auf, sich zu entschuldigen und die Entscheidung zurückzunehmen. Eine Reaktion des Presserats auf Reichelts Schreiben ist noch nicht bekannt.

Anzeige