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Reuters Digital News Report: der unaufhaltsame Aufstieg von Facebook & Co beim Nachrichtenkonsum

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Facebook und andere Social-Media-Plattformen spielen beim Nachrichtenkonsum eine immer größere Rolle

Reuters hat eine neue Ausgabe seines Digital News Report veröffentlicht. Besonderes Augenmerk wird diesmal auf Distributed Content gelegt, also das Veröffentlichen von Medien-Inhalten auf externen Plattformen wie Facebook oder Snapchat. Die Ergebnisse der Untersuchung sind für Medienhäuser teils bedenklich. So wird Facebook von immer mehr Nutzern als Nachrichtenquelle genutzt. Und Medienmarken treten als Absender von Inhalten stärker in den Hintergrund.

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Das ist genau der Effekt, den viele Medienhäuser befürchtet haben. Durch Techniken wie Facebooks Instant Articles werden Inhalte direkt bei Facebook gehostet und blitzschnell ausgespielt. Für die Nutzer bietet das in Sachen Usability eindeutige Vorteile. Für die Medienhäuser bleibt unklar, wie sich diese „verteilten Inhalte“ vermarkten lassen und es gibt die Gefahr, dass die Medienmarken hinter der Plattform als Absender nicht mehr sichtbar werden.

Der Aufstieg von Social News

In den USA und der EU geben laut Reuters Report mittlerweile 46 Prozent an, Social Media als Nachrichtenquelle zu nutzen. Der Wert hat sich seit 2013 fast verdoppelt. In der EU gibt es dabei noch bedeutsame Unterschiede: So werden in Großbritannien (35%) und Deutschland (31%) Social Media-Angebote deutlich weniger als im Schnitt als Nachrichtenquelle genutzt. Weltweit liegt der Wert derjenigen, die Social Media als News-Quelle nutzen indes bei 51 Prozent. Dies liegt daran, dass der Wert in einigen Ländern wie Brasilien oder Griechenland extrem hoch ist.

10 Prozent in der EU und 14 Prozent in den USA gaben sogar an, dass Social Media ihre Hauptquelle für Nachrichten ist. In Australien und Griechenland sind diese Zahlen noch höher (18, bzw. 27 Prozent). Dabei gibt es innerhalb der Bevölkerung deutliche Unterschiede. Vor allem junge Leute und Frauen geben an, Social Media als News-Quelle zu nutzen. Ältere und Männer verlassen sich nach wie vor eher auf traditionelle Medien wie TV und auch Print.

Print bei den Jungen im Hintertreffen

Wobei Print vor allem bei den Jungen stark im Hintertreffen ist. Und auch TV wurde in Sachen News von Online überholt. In jeder untersuchten Gruppe unter 45 Jahren waren Online-News wichtiger als TV. Bei den 18 bis 24-Jährigen liegt Social Media (28%) beim Nachrichtenkonsum sogar erstmals vor TV (24%) und Print liegt weit abgeschlagen bei 6 Prozent. 44 Prozent der Befragten gaben an, Facebook für News zu nutzen, bei YouTube waren es 19 Prozent und 10 Prozent bei Twitter. Der 140-Zeichen-Dienst ist nach wie vor vor allem bei Journalisten, Politikern und Heavy-Usern beliebt.

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Sehr gemischt ist die Akzeptanz von Snapchat Discover, dem News-Bereich der gehypten Foto- und Video-Messaging-App Snapchat. Während in den USA 2 Prozent insgesamt und immerhin 12 Prozent der 18- bis 24-Jährigen angaben, Snapchat Discover für News zu nutzen, lagen die Zahlen in Großbritannien bei 0 Prozent allgemein und gerade mal 1 Prozent bei den 18- bis 24-Jährigen. Buzzfeed gibt allerdings an, dass mittlerweile über 20 Prozent des täglichen Traffics über Snapchat Discover erzeugt wird.

Algorithmen beliebter als Redakteure bei News-Auswahl

Reuters fragte auch ab, ob Nutzer es bevorzugen, wenn Nachrichten von Algorithmen oder Redakteuren ausgewählt und sortiert werden. Das Ergebnis dürfte Redakteuren nicht gefallen. 36 Prozent der Befragten gaben an, Algorithmen bei der News-Auswahl zu bevorzugen. 30 Prozent bekommen ihre News am liebsten von Redakteuren sortiert und 22 Prozent schätzen News am meisten, die bereits von Freunden konsumiert und empfohlen wurden. Die Bevorzugung von Algorithmen bei der News-Auswahl steigt deutlich an, je jünger die Zielgruppe ist.

Eine wichtige Frage ist, ob Medien in einer Welt des Distributed Content noch als Marke wahrgenommen werden. Hier gibt der Reuters Report einige Hinweise, die Medien-Manager auch nicht unbedingt gefallen dürften. In einigen Ländern, wie Finnland (60%) und Deutschland (55%), erkennen noch deutlich über die Hälfte der Befragten die Medienmarken, wenn diese im Rahmen von Distributed Content auf Plattformen veröffentlichen. Vor allem in englischsprachigen Ländern sieht das aber ganz anders aus. Hier werden Medienmarken nur noch von einem Drittel der Befragten wahrgenommen. Noch schlechter sieht es in Ländern wie Korea oder Japan aus, wo News-Aggregatoren eine deutlich größere Rolle spielen. Hier nehmen Nutzer nur noch zu einem Viertel die Medienmarke beim Nachrichten-Konsum wahr.

Den kompletten Reuters Digital News Report 2016 gibt es hier.

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Alle Kommentare

  1. Wie relevant sind Instant-Pages und Mobile-Accellerated-Pages wirklich bisher ?

    ” Für die Medienhäuser bleibt unklar, wie sich diese „verteilten Inhalte“ vermarkten lassen und es gibt die Gefahr, dass die Medienmarken hinter der Plattform als Absender nicht mehr sichtbar werden.”
    Ist wohl eine Formulierung für die Ausdrucker, Verbieter und alle anderen…
    Bei Vorstellung der Formate wurde (laut Berichten der Tech-Medien) von Google und Facebook sehr darauf geachtet, das man seine eigene Werbung einbauen kann oder von Facebook bzw. google vermarktet werden kann. So wie man möchte. Macht ja für Auslands-Leser viel Sinn z.b. Mallorca-Rentner oder Leser in New York von deutschen Medien das dafür dann Google oder Facebook profitabler sind als der lokale deutsche Vermarkter. Textwerbung kann man überall einbauen und ist vielleicht immer noch Googles größtes Einnahme-Standbein.

    Davon abgesehen ist das einzig wirklich wichtige die Aufmerksamkeitsminuten. Wenn man sowas in den Kommentaren schreibt wird es ignoriert. Wenn plötzlich
    https://meedia.de/2016/06/02/diese-eine-grafik-der-renommiertesten-internet-analystin-der-usa-sollte-verlagsmanagern-gehoerig-angst-einjagen/
    sowas schreibt ist es plötzlich relevant.

    Alte Leute (neulich so Auswanderer) wollen mit anderen Reden und gehen in der Bankfiliale an den Schalter. Junge Leute und Millenials gehen lieber zum Computer.
    Robo-Journalismus begann im Mittelalter als man Schach-Partien kompakt niederschrieb. Sport-Ergebnisse und Liga-Stände im Auto vorzulesen je nach Verein oder Spieler mehr oder weniger vollständig ist sinnvoller “robo-journalismus”.
    Leider verhindern Abmahnungen und Softwarepatente die hiesige Entwicklung.
    summly/yahoo hätte/könnte problemlos News auf dem Pause/Start/Unlock/was-man-halt-immer-sieht/Kühlschrank/… anzeigen und zwar genau in voller Länger oder nur die Headlines oder 2 News-Artikel auf dem 10″-Tablett oder E-Eink-Kindle. Tja. Schade wenn man sowas nicht programmieren darf um jedem zu helfen.

    Der Nachteil von Automatisierung ist natürlich, das man weniger gut Meinungs-Mache und Kampagnen fahren kann. Die seriösen Dienste machen voll-automatisch (Google) oder semi-manuell (Facebook wo es neulich Ärger wegen angeblich zurückgehaltener Republikaner-News gab). Andere versuchen kostenlos daherzukommen aber bevor man an seine Lieblings-Artikel kommt, muss man den durch Meinungsmache/Deutungs-Hoheit ausgesuchten Artikeln der Qualitäts-Leistungs-Edel-Federn-Chefredaktion (welche uns schon nicht vor dem neuen Markt, Ost-Immobilien oder gar der neuen Massen-Dauer-Armut warnen wegen Benziner-Aussterbens(so wie damals die Trabbis) wenn die Smart-E-Car-Clouds kommen) vorbei muss. Headlines reichen ja oft genug für Kampagnen.

    An Fernsehern und Settopboxen erkennt man sofort, das die Boni-Manager es nicht selber benutzen. Daher funktionieren Google-Mail oder Outlook und Outlook-Express so gut: Weil die Boni-Manager täglich damit die Firma kontrollieren also die totale Optimierung stattfindet.
    Dasselbe gilt für Google-News, Paypal und viele andere Dinge, welche das eigene Top-Boni-Management nicht nutzt sondern nur die kleinen Kunden. Verbesserungs-Lösungen wären einfach. Aber noch viel einfacher abgemahnt, verklagt und existenzvernichtet.
    Also gibt es keine Verbesserung. Siehe armselige Settop-Boxen-Bedienung und wir warten immer noch auf die Lösung welche Steve Jobs angeblich vor dem Tode gefunden hätte 🙁 Und dasselbe gilt oft für News.
    Vielleicht ist Facebook noch am schlauesten. Zuckerberg glaubte schliesslich nicht was die Mehrheit der Branche behauptete “am kleinen Handy-Display kann man nie mit Werbung profitabel sein” und macht wohl einen Großteil des Profits damit. Dort wird vielleicht auf die Leser optimiert während Google-News eher schlechter wird 🙁
    Im Journalismus erkennt man an den Texten sofort, das die meisten noch nie bei Elster eine Steuererklärung gemacht haben, während jeder Rentner Bescheid weiss. Gleiches gilt für Google-News und viele andere Berichte wo die Unkenntnis schnell deutlich wird. Auch daher sind Blogger oft glaubwürdiger.

    Davon abgesehen sollte man die Escapisten (vielleicht der neue RTLplus oder vielleicht auch Kabel1Classics) oder gigantischen Yellow-Press-Anteile in der Bevölkerung oder täglichem TV-Programm (Frühstücks-Fernsehen, Abend-Talkshows wenns hier welche gäbe, Promi-Nachmittags-Formate bei Werbe-TV und GEZ) nicht vergessen. Die Frage ist also, ob viele Wahlbevölkerung überhaupt umfassend Bescheid weiss und ob Journalismus nicht systematisch z.B. Anzeigenblätter, Fachzeitschriften und den gigantischen Rest der IVW-Eisberges ignoriert und so tut als ob nur die Politischen Magazine und überregionalen Tageszeitungen gelesen würden oder relevant wären. Jedes Wartezimmer beim Arzt beweist die wahre Realität der Medien.

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