Partner von:
Anzeige

Nach 15 Jahren am Standort Hamburg: Geschäftsführer Andreas Mayer verlässt BurdaNews

Abschied nach 15 Jahren als Geschäftsführer der Verlagsgruppe Milchstrasse, inzwischen BurdaNews: Andreas Mayer
Abschied nach 15 Jahren als Geschäftsführer der Verlagsgruppe Milchstrasse, inzwischen BurdaNews: Andreas Mayer

Eine Personalie mit Symbolcharakter: Andreas Mayer, langjähriger Geschäftsführer von BurdaNews, wird das Unternehmen Ende Juni verlassen. Wie Vorstand Philipp Welte in einer internen Mail mitteilte, sei die Trennung Ergebnis "vertrauensvoller Gespräche" und erfolge ausdrücklich auf Wunsch des 57-Jährigen. Mit dem Abschied von Mayer endet für die ehemalige Verlagsgruppe Milchstraße auch eine Ära.

Anzeige
Anzeige

In seinem Rundschreiben, das MEEDIA vorliegt, spricht Welte von einer “wichtigen personellen Veränderung in unserem ersten Führungskreis”. Als wesentlichen Grund für den Schritt führt der Vorstand die seit Ende vergangenen Jahres verfolgte Strategie an, “mehr Verantwortung auf die Ebene der Direktoren zu verlagern”, die bei Mayer zu der Überlegung geführt habe, “sich Herausforderungen außerhalb unseres Unternehmens zu suchen”. Welte weiter: “Wir sind gemeinsam zu dem Ergebnis gekommen, dass der Schritt weg von Burda für ihn am sinnvollsten ist.” Und wie um alle Zweifel an einem Dissens zu zerstreuen, ergänzt er: “Unsere freundschaftliche Verbundenheit wird bleiben – und der Respekt unseres Verlages vor einem hervorragenden Verlagsmanager.”

So höflich und freundlich, das muss an dieser Stelle konstatiert werden, wird selten ein Top-Manager verabschiedet. Das Lob von höchster Stelle hat seine Gründe, die Welte in seiner Mail ebenfalls kommuniziert: Mayer habe es geschafft, “die Verlagsgruppe Milchstrasse wirtschaftlich in die Erfolgsspur zurückzuführen und sie aus der Milchstrassen-Vergangenheit heraus kulturell in unseren Konzern zu integrieren. Bei der Entstehung von BurdaNews hat er eine entscheidende Rolle gespielt, er hat TV Spielfilm zum multimedialen Marktführer aufgebaut und das Merchandising von Fit for Fun auf eine neue Ebene gehoben. Sein nun 15 Jahre andauernder Einsatz als Geschäftsführer für die Hamburger BurdaNews-Marken kann nicht hoch genug gewürdigt werden – er hat das Fundament gelegt für die heutige Wachstumsstrategie.”

Transformationsprozesse sind nie einfach, aber der Kulturwandel beim Übergang der einstigen Verlagsgruppe Milchstraße zum Burda war in dieser Hinsicht sehr speziell. In der Medienwelt der 90er Jahre war die Milchstraße eine Story für sich. Mitten in die Ländereien selbstgefälliger Großverlage hatte der “Turnschuh-Verleger” Dirk Manthey ein Startup gepflanzt, das die Etablierten bald das Fürchten lehrte. Sein Unternehmen war der Gegenentwurf zum Establishment: Ein auf Coolness getrimmtes Medienhaus mit steiler Erfolgskurve und dabei – von außen betrachtet – ein Schlaraffenland für Mitarbeiter mit allerhand Gutscheinen für ein angenehmes Redakteursdasein, Gratis-Massage am Arbeitsplatz inklusive. Der Spiegel diagnostizierte damals im Porträt über den aufstrebenden Verlag branchenuntypisch einen “Robinson Club an der Außenalster”. Die Milchstraße konnte sich dank sprudelnder Anzeigen-Quellen den Luxus locker leisten – aber nur für eine gewisse Zeit.

Das Ende vom Lied ist branchenbekannt. Manthey zog Mitte des vergangenen Jahrzehnts eine lukrative Put-Option und kehrte der hochauflagigen Print-Welt den Rücken. Hubert Burda Media übernahm und tat, was aus Sicht des Konzerns zu tun war. Im ohnehin infolge der Dotcom-Krise geschrumpften Hamburger Unternehmen wurden mehr als 200 Mitarbeiter entlassen und das Zeitschriften-Portfolio auf die aus damaliger Sicht zukunftsfähigen Marken reduziert. Für die Milchstrasse, der damals längst der Sieger-Nimbus und nun auch noch der genialische Verleger abhanden gekommen war, bedeutete das einen Schock, der dem reduzierten Team tief in den Gliedern saß. Für Mayer, der zuvor als Verlagsmanager bei Gruner + Jahr gewirkt hatte und noch von Manthey als ordnende Kraft verpflichtet worden war, stand unter dem neuen Alleinbesitzer Burda eine Herkulesaufgabe an. Die meisterte er, wie es in Hamburg und in München heißt, mit Bravour.

Heute ist die Verlagsgruppe Milchstraße Vergangenheit und die Hamburger Verlagsbastion Teil der BurdaNews-Gruppe, zu der u.a. auch der Focus und der Playboy gehören. Unter Mayer wurden (besonders beim Lifestyle-Titel Fit for Fun) die Diversifikation der Marken sowie das Lizenzgeschäft deutlich ausgebaut, sodass die Profitabilität der Magazine trotz sinkender Auflagen und Anzeigenumsätze erhöht werden konnten. Mit TV Spielfilm digital setzte der Manager zudem ein branchenweit beachtetes Zeichen im Bereich der digitalen Innovation – das einst von Dirk Manthey gegründete Programmie ist hier mit meilenweitem Vorsprung auf die Konkurrenz Marktführer und hat mit Telefonica inzwischen auch einen überaus lukrativen Kooperationspartner für die Smartphone-Gesellschaft an Bord.

Anzeige

Klar war aber auch: Nach den Höhenflügen der Manthey-Ära gab es im vergangenen Jahrzehnt nicht mehr die Investitionsmittel für wirklich große Sprünge und ambitionierte Neuprojekte. Bei der Milchstraße bzw. dem, was davon geblieben war, ist seit der Übernahme durch Burda Anfang 2005 eine neue Sachlichkeit angesagt. Mayer, der letzte “Mohikaner” der früheren Geschäftsführung, war als Integrator und Motivator gefordert. Auch in seine Zeit fielen weitere Restrukturierungen, die auch den Abbau von Jobs bedingten. Im Gegenzug stellte der Verlag aber auch neue Mitarbeiter ein, vor allem beim Aufbau seiner digitalen Units. Die Mitteilung, dass der langjährige Chef das Haus verlässt, traf die meisten Mitarbeiter unvorbereitet. Im Haus heißt es, die Ankündigung sei von vielen mit Bedauern aufgenommen worden – zu sehr hat Mayer das Haus geprägt und ist Teil seiner Geschichte.

Wer ihn kennt, weiß aber auch, dass der Manager sich mit halben Sachen nicht zufrieden geben will. Dass die Räume innerhalb der neuen Organisationsstruktur, die Vorstand Philipp Welte der gesamte Burda-Gruppe verordnet hat, für ihn zuletzt deutlich enger geworden sind, war für Mayer nicht akzeptabel und letztlich der Grund dafür, dass er den Verlag nun zum Monatsende verlassen wird. BurdaNews wird künftig von lediglich einem Geschäftsführer geleitet: vom bisherigen Vorsitzenden der Geschäftsführung, Burkhard Graßmann. An ihn berichten alle Chefredakteure und Direktoren künftig direkt. Die Aufgaben des Co-Geschäftsführers würden künftig auf mehrere Schultern verteilt, und Burkhard Graßmann werde seine Präsenz in Hamburg verstärken, heißt es aus München. Mayer selbst will sich dem Vernehmen nach zunächst eine Auszeit nehmen und erst danach über künftige Engagements entscheiden.

 

 

Keine Neuigkeiten aus der Medien-Branche mehr verpassen: Abonnieren Sie kostenlos die MEEDIA-Newsletter und bleiben Sie über alle aktuellen Entwicklungen auf dem Laufenden.

Anzeige

Mehr zum Thema

Anzeige
Anzeige

Dein Kommentar

Deine E-Mailadresse wird nicht veröffentlicht.

*

Meedia

Meedia