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Springer stoppt Videoblog-Projekt: Talk mit Matussek vom Tisch, Steinhöfel hat “Auftrittsrecht verwirkt”

Talken definitiv nicht auf bilanz.de: Autor Matthias Matussek (re.) und Anwalt Joachim Steinhöfel
Talken definitiv nicht auf bilanz.de: Autor Matthias Matussek (re.) und Anwalt Joachim Steinhöfel

Wirbel um das geplante Video-Blog mit Matthias Matussek und Medienanwalt Joachim Steinhöfel: Die Chefredaktion des Springer-Wirtschaftsmagazins Bilanz hatte überlegt, die beiden Reizfiguren der Medienszene als Talk-Duo auf der Webseite der Welt-Beilage zu zeigen. Doch daraus wird überraschend nichts. Eine Sprecherin von Axel Springer erklärte gegenüber MEEDIA jetzt, dass das Projekt nicht realisiert wird.

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Es war als medialer Coup gedacht, um den Online-Ableger des Wirtschaftsmagazins Bilanz bekannter zu machen. Ex-Spiegel Online-Videoblogger Matthias Matussek und Joachim Steinhöfel sollten ein eigenes Video-Format auf bilanz.de bekommen. Entsprechende Überlegungen hatten Bilanz-Chefredakteur Klaus Boldt und Herausgeber Arno Balzer jüngst gegenüber MEEDIA bestätigt. „Wir stellen uns vor, dass bilanz.de das legendäre Spiegel-Blog von und mit Matthias Matussek wiederbelebt. Er soll regelmäßig mit dem Medienprofi, Sänger und Rechtsanwalt Joachim Steinhöfel über aktuelle Dinge dieser Welt reden“, so Boldt zur Begründung. Produziert werden sollte die illustre Talk von Welt/N24.

Jetzt bleibt es bei der Idee. Das Blog-Format soll nicht weiter verfolgt werden. “Es gab erste grobe Überlegungen. Die Idee ist aber wieder vom Tisch. Bilanz wird kein Video-Projekt, weder mit Herrn Matussek noch mit Herrn Steinhöfel realisieren“, erklärte eine Sprecherin von Springer gegenüber MEEDIA. Zu den Gründen will sie sich nicht äußern. Dafür deutet aber Bilanz-Chefredakteur Boldt an, woran der Plan gescheitert sein dürfte: „Wir verfolgen viele Pläne, aus manchen wird etwas, aus anderen nichts. Dieses Videoblog hatte für uns keine Priorität, deshalb haben wir ihn ad acta gelegt. Hinzu kommt: Wer sich in einer Art und Weise wie Joachim Steinhöfel über den von mir sehr geschätzten Kollegen Ulf Poschardt äußert, verwirkt bei Bilanz sein Auftrittsrecht.“

Gemeint ist ein Beitrag, den der Rechtsanwalt und Sänger am Sonntag auf seinem Blog veröffentlicht hatte. Darin hatte sich Steinhöfel, der Mattusek nach seinem Facebook-Eklat gegenüber dem Springer-Konzern anwaltlich vertreten hatte, despektierlich über den Welt/N24-Vize-Chef Ulf Poschardt geäußert. Der Welt-Mann hatte sich in mehreren Artikeln enthusiastisch über US-Präsident Barack Obama geäußert – Artikel, die Steinhöfel heftig kritisierte: „Obamas Auftritt beweise, so Poschardt, Amerika sei das „land of the free“, in dem „jeder es ganz nach oben schaffen“ könne. Und als ob die Platitüdensättigung nicht schon jetzt für drei Artikel reicht, schiebt der Autor später sicherheitshalber nach, viele Amerikaner seien ja auch ‘gerne übergewichtig’. Die gehören aber nicht zu den „urbanen Eliten“ oder ‘aufgeklärten Modernisten des Landes’, die Obama schätzen“, schreibt Steinhöfel und fragt hier: „Wo ist die Schlussredaktion, wenn jemand derart Halbverdautes erbricht?“ Das kam wohl weder bei Poschardt noch bei Springer insgesamt gut an.

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Dass jetzt die Pläne für den Talk auf bilanz.de beerdigt werden, liegt dem Vernehmen nach aber nur zum Teil an Steinhöfel. Der war offenbar in die publik gewordenen Konzepte der Bilanz-Chefredaktion gar nicht eingeweiht und hatte hierüber weder mit Springer noch mit Boldt & Balzer gesprochen noch verhandelt, heißt es. Steinhöfel selbst will sich hierzu nicht äußern. Möglich ist deshalb auch, dass Springer den Eklat um Matusseks Facebook-Eintrag nicht ganz vergessen will. Der ehemalige Spiegel-Journalist hatte im vergangenen Jahr einen Kommentar zu den Anschlägen in Paris gepostet, den der damalige Welt-Chefredakteur Jan-Eric Peters als “durchgeknallt” verurteilte. Matussek verlor in der Folge seinen Autorenvertrag. Kürzlich einigte er sich jedoch mit Springer auf eine einvernehmliche Vertragsauflösung. Im Gegenzug könne er, wie es hieß, künftig als freier Journalist für Titel des Berliner Verlagshauses tätig werden – darunter auch für die Welt.

Matussek lässt der ganze Wirbel kalt. Er will das legendäre Videoblog auf jeden Fall wieder beleben, vielleicht in Eigenregie oder mit anderen Partnern. „Mir hat das Videoblog immer Spaß gemacht, den Zuschauern offenbar auch, das war so skurrile und entspannte Journalismus-Comedy. Es gab immer mal Anfragen. Auch Aust war mal interessiert. Gottseidank bin ich frei zu entscheiden, mit wem und wo und wie ich das realisiere“, sagt der frühere Spiegel-Blogger.

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Alle Kommentare

  1. Bei Springer dreht man sich vor lauter Anbiederei nur noch im Kreis. Und statt abzuschütteln und einzupacken, pisst man alle an.
    Charakter und Profil sucht man vergebens.

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