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Vom gefeierten TV-Star auf Vox zum gescheiterten Unternehmer: der mediale Absturz von Vural Öger

Vural Öger in der Vox-Show “Die Höhle der Löwen”
Vural Öger in der Vox-Show "Die Höhle der Löwen"

Einst galt Vural Öger als ein gefeierter Unternehmer. Aus einem kleinen Reisebüro hatte der Geschäftsmann innerhalb weniger Jahre ein millionenschweres Firmenimperium aufgebaut. Namhafte Tageszeitungen und Magazine porträtierten seinen Aufstieg. In der Vox-Sendung "Die Höhle des Löwen" entfaltete er auf dem Bildschirm seine Entertainer-Qualitäten. Jetzt erlebt der Geschäftsmann nicht nur geschäftlich, sondern auch medial seinen Absturz.

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Jahrelang wurde Vural Öger, Gründer des gleichnamigen Touristikunternehmens Öger Tours, in den Medien als Selfemade-Millionär und wortgewandter Entertainer gefeiert. Und dies aus gutem Grund: Aus einem kleinen Reisebüro in Hamburg hatte es der in Ankara geborene Geschäftsmann in wenigen Jahren geschafft, ein millionenschweres Reiseimperium aufzubauen. Er galt daher in vielen renommierten Tageszeitungen und Wirtschaftsmagazinen als Vorzeigeunternehmer, der es mit geschäftlichem Geschick, Mut und Risikobereitschaft weit gebracht hatte. Grund genug für den Sender Vox, den Unternehmer als Juror für die Sendung „Die Höhle des Löwen“ zu gewinnen – eine Casting-Show, bei den Jungunternehmer um Geld für ihre Startups kämpfen.

Doch dann begann Ögers Absturz – geschäftlich und medial. Überraschend gab er Anfang des Jahres seine Rolle bei der Startup-Show auf. Grund hierfür ist die Insolvenzanmeldung seines Unternehmens V.Ö. Travel, das er erst zwei Jahre zuvor gegründet hatte. „Die Dreharbeiten sind sehr anstrengend und da mir die Betriebsschließungen der V.Ö. Travel und der Öger Türk Tur sehr nah gegangen sind, brauche ich erst einmal eine Pause“, hatte er damals über den Sender verlauten lassen. Doch es blieb nicht bei der Pause, Öger zog sich komplett zurück.

Denn mit dem Zusammenbruch seiner Gesellschaften erlebte seine einst glanzvolle, geschäftliche Karriere ihren GAU. “Das Öger-Imperium kollabiert – Was bleibt dem Vorzeigeunternehmer und TV-Investor noch?” fragte die Bild-Zeitung. Denn der Mann, der als EU-Parlamentarier für Furore sorgte, hatte sich voll verkalkuliert. Der einstige Touristik-König hatte wohl gehofft, dass er nach dem Verkauf von Öger Tours an Thomas Cook mit einer Flugticket-Agentur erneut durchstarten kann. Doch das ging gehörig schief. „Der Neuanfang ist mir nicht geglückt“, sagte er dem Hamburger Abendblatt. 18 Mitarbeiter seien von dem Firmen-Aus betroffen. Als Grund nannte er den „ruinösen Preiskampf“ in der Branche. Jedes Flugticket habe sein Unternehmen mit 60 bis 70 Euro subventioniert. „Das kann man nicht lange durchhalten“, so Öger gegenüber der Zeitung.

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Jetzt beschleunigt sich für den EU-Parlamentarier der mediale Absturz noch, da er offenbar mit fragwürdige Methoden versucht hat, Privatvermögen vor dem Zugriff von Gläubigern zu retten. So hat das Landgericht Frankfurt gegen Vural Öger einen Arrestbefehl erlassen, den ein Gläubiger gegen ihn erwirkt hatte. Hintergrund hierfür ist die Insolvenz seiner beiden Reiseunternehmen V.Ö. Travel (VÖT) und Öger Tür Tur (ÖTT). So soll Öger laut Spiegel Online einem Gläubiger gegenüber eine selbstschuldernische Bürgschaft unterzeichnet haben, die ihn dazu verpflichtete, Außenstände seines Unternehmens privat zu begleichen. „Um möglichst wenig Privatvermögen angeben zu müssen, hat Öger offenbar zahlreiche Immobilien, Grundstücke und Unternehmensanteile unter Wert veräußert“, beschreibt der Digitalableger des Spiegel die fragwürdige Vorgehensweise des gefallenen Unternehmers. Ein Sprecher des Landgerichts Frankfurt erklärte gegenüber MEEDIA hierzu. “Das Landgericht Frankfurt am Main hat am 6.05.2016 einen dinglichen Arrest erlassen, da die Antragstellerin glaubhaft machen konnte, dass ihr ein Zahlungsanspruch zusteht und zu befürchten ist, dass die Vollstreckung vereitelt oder erheblich erschwert wird. Der Arrest hat zur Folge, dass die Antragstellerin jetzt Vermögensgegenstände etwa durch Pfändungen vorläufig sichern kann”. Der Beschluss sei nicht rechtskräftig und kann “mit dem Widerspruch angegriffen werden; er ist ohne Anhörung der Gegenseite ergangen.” Öger ließ über seinen Anwalt mitteilen, dass er aufgrund “laufender gerichtlicher Auseinandersetzungen zwischen ihm und ‘Sun Express’ keine Stellung zu Details” nehmen könne, berichtet der Spiegel.

Dass Öger als Geschäftsmann mit allen Wassern gewaschen ist, bemängelten bereits Teilnehmer der Vox-Show „Die Höhle des Löwen“. So hatte sich beispielsweise das Mode-Start-up Von Floerke um den Gründer David Schirrmacher von dem Juror und Investor in Stich gelassen gefühlt, hieß es beim Stern. Zunächst hatte der ehemalige Touristikunternehmer Schirrmacher zugesichert, ihn als Investor und Mentor zu beraten. Doch bereits ein halbes Jahr später zog sich Öger wieder aus dem kleinen Unternehmen zurück, das stylische Accessoires verkauft. Von Floerke war kein Einzelfall. Mehrfach hatte Öger den Jungunternehmern in der Sendung zugesagt, sie bei ihren Firmenideen und Produkten zu unterstützen, mehrfach machte er später einen Rückzieher.

Nun steht Öger vor einem völligen Scherbenhaufen. Sein Lebenswerk ist ruiniert, seine Reputation zerstört. Medial dürfte der frühere Shootingstar verbrannt sein. In einer der vielen deutschen Talk- und Unterhaltungs-Shows wird er wohl kaum noch als Interviewpartner zu sehen sein – jedenfalls nicht als gefeierter Vorzeigeunternehmer.

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Alle Kommentare

  1. Alles, was ich super gerne schreiben würde, könnte mir eine Klage von Herrn Öger einbringen oder würde vom Zensor gelöscht. Deshalb sage ich nur soviel: Herr Öger sollte nicht glauben, dass es ihm anders ergehen wird wie Herrn Middelhoff & Cie. Denn jetzt bewegt er sich in Kreisen, die definitiv nichts für Schaumschläger und Trickser übrig haben. Welche Kreise das sind? Insolvenzverwalter, Steuerfahnder und deutsche Richter. Und das finde ich richtig klasse!

  2. Ich finde es nur richtig, das Leuten wie Vural Öger die Grenzen aufgezeigt werden. Bei einer Insolvenz verlieren auch viele Reisebüros Ihre Provisions-Ansprüche, da nur Kundengelder durch entsprechende Versicherungen abgedeckt sind. Schon bei der notwendigen Übernahme von Öger Tours durch Thomas Cook wäre gut, wenn die touristische Fachpresse auch mal die Reisebüros rechtzeitig vor Geschäftsleuten wie Herrn Öger gewarnt hätte. Das dieser Herr auch noch von der SPD ins Europaparlament gehievt wir und das Bundesverdienstkreuz erhält, hat schon fast kabarettistische Züge. Jetzt auch von einer Vernichtung durch die Regierung Erdogan zu sprechen setzt
    dem Ganzen die Krone auf.

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