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Mordsbilanz nach einem Jahr am Kiosk: G+J-Magazin stern Crime verkauft 80.000 Hefte

Giuseppe Di Grazia, Magazin stern Crime: “Fälle, die den Leser bis zum Schluss fesseln”
Giuseppe Di Grazia, Magazin stern Crime: "Fälle, die den Leser bis zum Schluss fesseln"

Ein Jahr nach dem Launch zieht Gruner + Jahr bei stern Crime eine erfolgreiche Bilanz. Das Monatsmagazin für "wahre Verbrechen" war im Juni 2015 gestartet und hat sich inzwischen eine feste Leserschaft erobert. Redaktionsleiter Giuseppe Di Grazia: "Wir haben mit unserem Heft nicht nur den Nerv vieler Leser getroffen, sondern auch einen großen Erfolg am Kiosk gelandet."

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Die verkaufte Auflage liegt bei durchschnittlich 80.000 Exemplaren, und die Zahl der Abonnenten (derzeit 10.000) steigt kontinuierlich. Das ist für einen Nischentitel mehr als respektabel. Die Crime-Community ist dabei überaus lebendig und auch auf den Social Media-Plattformen aktiv: Auf Facebook und vor allem auf Instagram gibt es eine stattlich Fangemeinde – dort erstaunlicher Weide junge Frauen, die sich mit der neuesten Ausgabe und einem Wohlfühlgetränk oder Kosmetikartikeln fotografieren und die Bilder posten.

Blattmacher Di Grazia, zugleich Vize beim stern, erinnert sich, dass anfangs die Skepsis in der Branche groß war: “Viele haben uns nicht zugetraut, dass wir mit stern Crime bestehen können.” Das Konzept, ein monothematisches Heft über Morde, Ermittler und Kriminaltechnik zu machen, sorgt seinerzeit bei etlichen Wettbewerbern für Stirnrunzeln – zu düster, zu speziell, zu wenig nutzwertig. “Um so schöner ist es, nun dieses kleine Jubiläum zu feiern”, freut sich Di Grazia. Deutlich Luft nach oben hat das Magazin allerdings bei der Werbevermarktung – es scheint offensichtlich noch zu dauern, bis die Anzeigenkunden das neue Printprodukt annehmen (dazu weiter unten mehr).

Dass stern Crime ohne nennenswerte Werbung ein Vertriebserfolg werden konnte, verdankt das 4,80 Euro teure Magazin wohl vor allem seines behutsamen, fast literarischen Zugangs zu den Stoffen, gepaart mit einer extrem wertigen Heftausstattung und Fotografie. Die Fachzeitschrift für Verbrechen regelt in überaus ästhetischer Weise die Temperatur um einige Grad herunter und erzeugt eine einzigartige Stimmung zwischen Schaudern und Neugier – so wie sie die Fans von guten Krimis packt. Das kann süchtig machen, und so etwas gab es vorher nicht, jedenfalls nicht als gedrucktes Magazin. Sechs Auszeichnungen hat stern Crime beim ADC Festival erhalten, dazu den Axel Springer Preis in Bronze.

Was ein typisches stern Crime-Thema ausmacht, schildert Di Grazia so: “Das ist ganz einfach – und doch so schwierig. Der Fall sollte einen sofort packen. Der Fall darf uns erschrecken, sollte uns nachdenklich machen, zornig, einsichtig, und er darf uns auch unterhalten. Und dann braucht der Autor, der die Geschichte dazu aufschreibt, eine Dramaturgie, die den Leser bis zum Schluss fesselt.” Auf Fragen von MEEDIA erklärt der Blattmacher die außergewöhnliche Beziehung zu den Lesern und gibt Einblicke, wie stern Crime funktioniert.

Welches Feedback erhält die Redaktion von den Lesern und wie sieht der typische stern Crime-Leser (oder die Leserin) aus?
Giuseppe Di Grazia:
 Wir bekommen sehr viel Zuspruch von unseren Lesern und Leserinnen. Wie der typische stern-Crime-Leser aussieht, können wir allerdings ganz genau nicht sagen. Noch nicht. Wir führen mit dem im Juni erscheinenden Heft eine große Leserbefragung durch. Danach können wir uns ein besseres Bild machen. Wenn wir uns die bisherigen Leserbriefe und die Aktivitäten in den sozialen Medien anschauen, glauben wir zu wissen, dass es überwiegend Frauen sind. Auf Facebook und vor allem auf Instagram haben wir eine große Fangemeinde – junge Frauen, die sich mit der neuesten Ausgabe und einem Wohlfühlgetränk fotografieren.

Wie werden die Stories für die Ausgaben ausgewählt, was sind die Kriterien und von wem kommen Vorschläge für neue Geschichten?
Der stern hat eine große und lange Tradition, wenn es darum geht, über Kriminalfälle zu berichten. Insofern haben wir in der Redaktion ein sehr kompetentes und erfahrenes Team. Hauptverantwortlich für die Geschichten in stern Crime ist das Gesellschaftsressort des stern. Geleitet von Dagmar Gassen und Arne Daniels. Die Kollegen dort verfügen über viele gute Kontakte, die für sie beim Suchen nach neuen Geschichten von Vorteil sind. Dazu kommen noch die Themen der stern-Kollegen aus den USA, Südamerika, England oder Italien. Und: Wir bekommen auch viele Vorschläge von unseren Lesern, manchmal auch zu Fällen, von denen wir noch nichts gehört haben.

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Worin liegt nach Ihrer Einschätzung die Faszination des Themas Verbrechen?
Es ist wichtig, dass es sich um wahre Geschichten handelt, weil wir alle Facetten zeigen möchten. Wir interessieren uns dabei für das, was wirklich geschah, für die Vorgeschichte und die Motive, wir interessieren uns für die Menschen, die darin verwickelt sind. Wir wollen wissen, warum es zu den Verbrechen kam und wie sie aufgeklärt wurden. Das merken und schätzen unsere Leser. Unsere Reporter recherchieren sehr lange und intensiv, und sie schreiben die Fälle dann sehr einfühlsam auf. Unser Art Director Felix Bringmann denkt sich zu jedem Fall eine ungewöhnliche Visualisierung in Fotografie und Illustration aus; dabei geht es auch ihm nie um Effekthascherei.

Viele Zeitschriften bei G+J diversifizieren ihre Marke und bringen Line Extensions oder digitale Spin Offs heraus. Ist das bei stern Crime auch geplant und um welche Produkte geht es gegebenenfalls?
Eine Line Extension ist nicht geplant, weil wir ja die Line Extension vom stern sind. Wir sind aber in Gesprächen, die Inhalte von stern Crime auch digital wertig aufzuarbeiten. Unser Konzept und unser Erfolg hat uns zu einem sehr begehrten Gesprächsparnter für Produzenten und Sender gemacht. Mehr möchten wir dazu derzeit aber noch nicht sagen.

Im vergangenen Jahr gab es ja schon einen, wenn auch nicht sehr erfolgreichen Versuch, stern Crime auch für das Thema Fernsehen zu adaptieren. Wollen Sie weitere Projekte in diese Richtung starten?
Wie gesagt: Wir haben sehr viele Kooperationsangebote, die wir derzeit prüfen – bspw. im Buch- und DVD-Markt, aber auch im Fernsehmarkt. Das Interesse an stern Crime ist enorm.

Etliche Stories im Magazin behandeln Fälle aus aller Welt. Wie international darf stern Crime sein, wie national oder regional muss es sein, um beim Leser Erfolg zu haben?
Wir glauben, dass es immer deutsche Fälle in einer Ausgabe geben sollte, aber nur mit deutschen Geschichten würden wir niemals ein so spannendes und interessantes Magazin machen können. Unsere Leser schätzen gerade die vielen ausländischen Geschichten, von denen wir erzählen. Es sind in der Regel Fälle, von denen sie noch nie etwas gehört haben. Oder die durch ihre besonderen Abgründe faszinieren. Und da wir von Beginn an mit diesem Konzept Erfolg hatten, gibt es für uns keinen Grund, daran etwas zu ändern.

Die Zeitschrift hat sich inzwischen am Markt etabliert. Rechnen Sie damit, dass andere Verlage – wie etwa beim Thema Landleben – auf den Verbrechens-Zug aufspringen und ähnliche Magazine launchen?
Natürlich können wir uns sehr gut vorstellen, dass auch andere Verlage dieses Segment belegen wollen – unser Erfolg spricht schließlich für sich. Wir fürchten aber keine Konkurrenz. Es gibt nicht viele Verlage, die so eine Zeitschrift auf diesem Niveau auf den Markt bringen können. Der stern verfügt über sehr gute Autoren für dieses Segment und hat mit Felix Bringmann einen der besten Art Director Deutschlands. Die sechs Auszeichnungen für stern Crime beim ADC Festival sind ein Beleg für die herausragende Gestaltung des Heftes.

Auch die Vermarktungs-Profis von Gruner + Jahr beurteilen die Aussichten auf Werbeumsätze inzwischen deutlich positiver als vor dem Marktstart. Anja Dreßler, Director Brand Solutions, lobt den Print-Newcomer: “Stern Crime ist bei Kunden und Agenturpartnern eine echte Love Brand, was die private Lektüre angeht. Beim Thema Anzeigenschaltung zögern einige Marken wegen der Umfelder, die Umschlagseiten werden aber schon gerne genutzt. Noch ist stern Crime sehr jung, doch das Magazin hat Potenzial und wird von vielen beobachtet. Wir führen gerade eine Leserschaftsbefragung durch und platzieren zudem attraktive Angebote im Markt.” Über die Kundensegmente sagt sie: “Es ist naheliegend, dass Buchverlage und Film-Labels in stern Crime schalten – und das tun sie. Auch für Automobil-Kampagnen und andere Markenartikler kann das Magazin hoch interessant sein, immerhin handelt es sich bei stern Crime um eine der Print-Erfolgsgeschichten der letzten Jahre. Crime-Fans sammeln die Ausgaben und schauen immer wieder rein. Wir gehen davon aus, dass die tollen Auflagenerfolge mittelfristig zu einem stetig wachsenden Kundenstamm führen.”

 

Bei den Abonnenten bedankt sich Gruner + Jahr zum Einjährigen übrigens mit einem Goodie: sie erhalten mit der Jubiläumsausgabe eine Hörbuch-CD mit zwei Crime-Titelgeschichten, die vom Schauspieler und Kölner “Tatort”-Kommissar Dietmar Bär gelesen werden.

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Alle Kommentare

  1. Dieses Heft bringt die Welt nicht weiter. Im Gegenteil, es verstärkt Ängste und Unsicherheit und Negativität in der Bevölkerung, widerspricht der Idee von Constructive Journalism. Ich würde mir wünschen, dass Verlagshäuser mehr journalistisches Verantwortungsbewusstsein zeigen bei neuen Magazinen und nicht nur immer auf die Kohle schauen.

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