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Staranalystin: Warum Amazon die Zukunft ist – und Apple die Vergangenheit

Amazon-CEO Jeff Bezos

Es läuft einfach bei Amazon: Der weltgrößte Online-Einzelhändler stürmt von Allzeithoch zu Allzeithoch und überholte zu Wochenbeginn sogar Facebook als zweitwertvollsten Internetkonzern nach Alphabet. Glaubt man Star-Internetanalystin Mary Meeker von Kleiner Perkins, besitzt Amazon weiter durch seinen smarten Sprachassistenten Echo enormes Wachstumspotenzial, während Tech-Platzhirsch Apple vor einem schwierigen Jahr steht: Die Marktanteile im Smartphone-Markt dürften 2016 zweistellig nachgeben.

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Die Erleichterung währte nur zwei Tage: Seit vorgestern ist Apple wieder eine zweistellige Aktie – 1,5 Prozent büßte der trotzdem noch wertvollste Konzern der Welt gestern an Wert ein und notiert bei 98,46 Dollar nun wieder deutlich unter der psychologisch so wichtigen 100-Dollarmarke.

Grund für die neuerliche Skepsis der Börse: Der Nikkei Asian Review berichtete zu Wochenbeginn, dass Apple seinen Produktionszyklus neuer iPhone-Modelle von einem Zwei- auf einen Dreijahreszeitraum umstellen könnte, wie das wenig innovative iPhone 7 andeutet. Der Anreiz zum Upgrade für Kunden würde demnach weiter nachlassen.

Mary Meeker: Durchschnittsverkaufspreis des iPhones sinkt auf tiefstes Niveau seit 2009

Staranalystin Mary Meeker, die lange für Morgan Stanley über Internet-Unternehmen berichtete und seit 2010 beim Wagnisfinanzierer Kleiner Perkins als Partnerin tätig ist, bescheinigte Apple gestern durch seine Absatzeinbrüche beim iPhone einen gleich zweistelligen Einbruch der Marktanteile nach mobilen Betriebssystemen; während Android in diesem Jahr dagegen um weitere 7 Prozent  zulegen kann.

Mindestens ebenso bitter für Apple-CEO Tim Cook: Auch die Erlöse pro iPhone, die sich am Ende in Dollar und Cent in der Bilanz niederschlagen, geben wegen des weitaus günstigeren Einsteigermodells iPhone SE deutlich nach. So erwartet Meeker, dass der Durchschnittsverkaufspreis (ASP) auf 651 Dollar fällt – das wäre das tiefste Niveau seit 2009.

Amazon, das Anti-Apple

Während sich die Wachstumsperspektiven für Apple eintrüben, hat die US-Staranalystin bei ihren gestern vorgelegten „Internet Trends 2016“ einen Gegenentwurf zu Apple identifiziert – Internet-Pionier Amazon.

Der weltgrößte Einzelhändler verblüfft die Wall Street von Quartal zu Quartal mit einem Umsatzwachstum im hohen zweistelligen Prozentbereich und neuerdings auch mit nachhaltiger Profitabilität, die im Alleingang durch die boomende Cloud-Sparte AWS zustande kommt.

Amazon: Hyperwachstum dank Echo

Doch Amazon hat noch eine weitere Wunderwaffe im Köcher – den Sprachsteuerungslautsprecher Echo, der sich immer mehr zum Überraschungserfolg entwickelt. Zum Verkaufsstart in den USA im zweiten Quartal vergangenen Jahres setzte Amazon noch 200.000 Einheiten seines Smart-Home-Assistenten ab, im abgelaufenen ersten Quartal waren es bereits über eine Million Exemplare.

In anderem Worten: Jeff Bezos hat noch einen Wachstumstreiber in der Hinterhand. Meeker ist wie Tumblr-Mitbegründer Macro Arment, der vor einer Woche die viel diskutierte These in den Raum stellte, ob Apple auf dem Weg sei, zum neuen Blackberry zu werden, der Meinung, dass Smart Home-Assistenten bei der Evolution der Computerindustrie das nächste große Ding werden,  weil Menschen einfach schneller sprechen als schreiben.

Smart Home-Assistenten: Das nächste große Ding?

Arment hatte genau das prognostiziert: „Heute schließen Amazon, Facebook und Google große Wetten auf künstliche Intelligenz (AI), allumfassende persönliche Assistenten und Sprach-Interfaces ab, in der Hoffnung, dass sie die nächsten großen Anwendungen für unsere Geräte werden“.

Dass Apple ebenfalls bemüht sei, einen Heimassistenten auf den Markt zum bringen (möglicherweise in Form der nächsten oder übernächsten Generation der Set-Top-Box Apple TV) und dafür sogar Siri für Drittanbieter öffnet, wurde zuletzt vom Premium-Techblog The Information kolportiert.

Sprachassistenten: Was wurde aus Siris Vorsprung?

Meeker glaubt allerdings, dass sich Amazons Echo als Vorreiter von smarten Sprachassistenten durchsetzt und die zugrunde liegende Sprachsteuerungssoftware Alexa Voice Services (AVS), die bereits jetzt genutzt werden kann, um ein Uber-Taxi oder eine Pizza zu bestellen Songs auf Spotify zu streamen, zur nächsten großen Computing-Plattform wird, die künftig das Bindeglied zwischen Computern und Autos bildet.

Überraschend ist dabei, wie wenig Apple in den vergangenen knapp fünf Jahren, die Siri nun schon als als Sprachassistentin für iPhone-Nutzer verfügbar ist, aus seinem einstigen Vorsprung gemacht hat und nun bei persönlichen Assistenten, die auf Sprach-Interfaces basieren, Amazon hinterherläuft.

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