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Übernahmegerüchte: Apple interessierte sich für Time Warner

Cooks Cash: Apple hat sein sagenhaftes Barvermögen wenig sinnvoll eingesetzt

Die Spekulationen hatten nicht getrogen: Apple hat tatsächlich eine Übernahme des US-Medienriesen Time Warner erwogen, berichtet die Financial Times. So habe Apples Internet- und Content-Chef Eddy Cue den möglichen Deal Ende vergangenen Jahres mit Time Warners Corporate Strategy-Chef Olaf Olafsson diskutiert. Auf CEO-Ebene seien indes keine Gespräche geführt worden, heißt es. Trotzdem dokumentiert das Interesse Apples Bereitschaft für eine Großübernahme im hohen zweistelligen Milliardenbereich.

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Es wäre eine Übernahme der Superlative: Apple greift nach Time Warner. Im Januar kochten die Gerüchte bereits das erste Mal hoch, als durchsickerte, dass sich der US-Mediengigant selbst zum Verkauf stellen könnte. Als möglicher Bieter wurde neben Rupert Murdochs 21st Century Fox und Amazon auch der wertvollste Konzern der Welt ins Spiel gebracht.

Apple verfolge die Entwicklung sehr genau, berichtete seinerzeit die New York Post, weil es dem iKonzern mit zahlreichen Inhalte endlich seinem lang erwarteten Streaming-Dienst zum Start verhelfen könnte. Apples oberster Dealmaker für Inhalte, Eddy Cue, versucht seit Jahren mehr oder minder erfolglos, die großen US-TV-Sender ABC, CBC, Fox und NBC für ein Streaming-Abo-Modell zu gewinnen.

Zusammentreffen von Eddy Cue mit  Time Warner Corporate Stratege-Chef Ende 2015

Entsprechend will die Financial Times nun erfahren haben, dass Cue bei Time Warner Corporate Strategy-Chef Olaf Olafsson die Möglichkeiten einer Übernahme bei einem Treffen Ende vergangenen Jahres ausgelotet haben soll, das zur Integration von Time Warners Inhalten für das angestrebte Streaming-Abo stattgefunden haben soll.

Das Abo-TV-Bündel, das in diesem Jahr in den USA erwartet wurde, aktuell aber auf Eis ist, sollte der erste Schritt sein, das klassische TV-Modell der Kabelnetzbetreiber zu entkoppeln und auf Apple TV und alle anderen Apple-Endgeräte zu bringen.

Übernahme würde Apple Milliardenerlöse und -gewinne bescheren

Mit der Übernahme einer der führenden Medienkonzerne könnte Apple den Prozess beschleunigen und zugleich wie mit Serientochter HBO (Game of Thrones) als Inhalteproduzent auftreten. Apple bekäme auf einen Schlag zudem  zahlreiche Filetstücke der internationalen Fernseh- und Filmlandschaft: den Nachrichtensender CNN, die Kabelkanäle TNT, TBS, Cartoon Network und die Filmstudios Warner Bros. (Harry Potter, Batman) und New Line Cinema (Herr der Ringe).

In anderen Worten: Mit der Übernahme von Time Warner würde sich der wertvollste Konzern der Welt zusätzliche Milliardenerlöse und -gewinne erkaufen, die die Erosion des schrumpfenden iPhone-Geschäfts zumindest abfedern könnten. Time Warner arbeitet schließlich weiter hoch profitabel: Im vergangenen Quartal verdiente der US-Medienriesebei Umsätzen von 7,3 Milliarden Dollar beachtliche 1,2 Milliarden Dollar.

Akquisition würde Apples Netto-Vermögen aufzehren

Allerdings wäre eine Akquisition von Time Warner entsprechend teuer erkauft: Aktuell bringt es Time Warner auf einen Börsenwert von 58 Milliarden Dollar. CEO Jeff Bewkes würde aber wohl kaum unter einem marktüblichen Premium Aufschlag von 30 bis 40 Prozent verkaufen, was die Summe wiederum schnell auf 80 Milliarden Dollar schießen lassen könnte – und damit Apples gesamte Netto-Barreserven (nach Steuern bei Kapitalrückführung) aufzehren würde.

Dass Eddy Cue allerdings das Gespräch mit Time Warner Corporate Strategy-Chef Olaf Olafsson gesucht hat, das auf CEO-Ebene nach FT-Angaben nicht fortgeführt wurde, unterstreicht, dass Apple tatsächlich willens scheint, seine üppige Cash-Position nicht nur zur Kapitalrückführung zu verwenden, sondern auch eine Großübernahme im zweistelligen Milliardenbereich in Erwägung zieht.

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