Anzeige

Ex-Handelsblatt-Chef Bernd Ziesemer kritisiert den Spiegel: „Hand in Hand mit Lobbyisten“

Der Spiegel – „Hand in Hand mit Lobbyisten“? Genau das behauptet der ehemalige Chefredakteur des Handelsblatt, Bernd Ziesemer, in seiner Bilanz.de-Kolumne. Der 62-Jährige ärgert sich über die Enthüllungsstory zu möglichen Abgasmanipulationen bei Opel. Stein des Anstoßes ist die Recherche-Kooperation des Nachrichtenmagazins mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Gegenüber MEEDIA widerspricht der Spiegel den Ziesemer-Vorwürfen allerdings vehement.

Anzeige

Ziesemer erhebt in seiner Kolumne heftige Vorwürfe gegen die Hamburger. So hält es für „richtig gefährlich für die Unabhängigkeit der Presse“, wenn Medien sich bei ihren Recherchen mit Lobbyisten „zusammenspannen“. „Bestes Beispiel: die Kooperation des „Spiegels“ mit dem ARD-Magazin Monitor und der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in der Abgasaffäre“.

01 Spiegel

Zusammen mit der DUH, dem ARD-Magazin „Monitor“ und der Hilfe eines IT-Spezialisten, will der Spiegel belegt haben, dass Opel bei der Abgasreinigung mit gesetzwidrigen Mitteln gearbeitet hätte (Titelstory: „Die Diesel-Lüge. Erst VW, jetzt Opel: Eine deutsche Industrie-Affäre“). Die Titelgeschichte der Hamburger beruht im Kern auf den Messwerten der DUH. In ihrem „Emissions-Kontroll Institut“ kam die Deutsche Umwelthilfe den fraglichen Zafira-Daten auf die Schliche. Nach Einschätzung des ehemaligen Handelsblatt-Chefredakteurs steht der endgültige Beweis dafür noch aus. Auch der Auto-Konzern bestreitet, gegen geltende Vorschriften verstoßen zu haben.

Eine Sichtweise, die sich für den Spiegel etwas anders darstellt. „Das Bundesverkehrsministerium hat aufgrund der Rechercheergebnisse den Opel-Vorstandschef Karl-Thomas Neumann am vorigen Mittwoch vorgeladen. Bei diesem Termin musste Opel zwei der erst durch unsere  Berichterstattung bekannt gewordenen Abschalteinrichtungen bestätigen“, erklärte ein Spiegel-Sprecher auf MEEDIA-Anfrage. Weiter sagt er: „Der Hersteller hat sie mit dem angeblich notwendigen Schutz von Bauteilen begründet. Der Verkehrsminister und Experten des Kraftfahrtbundesamtes haben technische und juristische Zweifel daran geäußert und Opel eine Erklärungsfrist bis Mitte kommender Woche gesetzt.“

Unabhängig davon geht es Ziesemer jedoch um die grundsätzliche Frage, „ob sich eine Zeitschrift wie der Spiegel mit einer Lobbyorganisation einlassen sollte“. Er argumentiert: „Man mag von den ökologischen Zielen der Umwelthilfe halten, was man mag. Auf jeden Fall verfolgt sie eigene Interessen – und steht damit im Gegensatz zur Unabhängigkeit der Medien.“ Journalisten sollten die Organisation zitieren, wenn sie etwas zu sagen hat. Dabei gelte es aber, die kritische Distanz nie zu verlieren.

Diesen Vorwurf will das Nachrichtenmagazin allerdings nicht auf sich sitzen lassen. Gegenüber MEEDIA hieß es: „Der Spiegel überprüft und bewertet Informanten und Partner im Vorfeld sämtlicher Recherchen und gibt die redaktionelle Verantwortung in keinem Fall aus der Hand.“

Dennoch stellt der ehemalige Handelsblatt-Chefredakteur eine durchaus interessante Frage, denn anders als mit Wirtschaftslobbyisten, arbeiten viele Medien immer wieder gerne mit NGOs zusammen, die für eine „gute Sache“ kämpfen. Storys, die auf Recherchen von Greenpeace, Foodwatch etc. basieren, sind immer wieder Herzstück vieler unterschiedlichster Aufmacher und Titelgeschichten. Ziesemers Rat an allen Redaktionen, wenn es um solche Kooperationen mit Verbänden geht, die angeblich einer guten Sache dienen: „Wir sollten das lieber lassen.“

Anzeige