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Social-Web-Phänomen Käpt’n Schwandt (79): „Im Facebook geht es oft zu wie im schlimmsten Hafenpuff von Rotterdam“

Der Käpt'n hat nicht nur auf der Brücke den Überblick, sondern auch im Social Web

Bei Facebook ist er ein kleines Phänomen: Mit seinen Postings gegen Anhänger von AfD, Pegida und NPD hat Kapitän Jürgen Schwandt mittlerweile mehr als 60.000 Fans hinter sich versammelt. Die raue und oft lebensgefährliche See hat dem alten Mann beigebracht, wie wichtig Haltung ist, die er im Social Web vermisst. Regelmäßig teilt der 79-jährige deshalb mit, was er vom rechten Rand hält. Ein Kurzgespräch über soziale Medien.

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Herr Kapitän, Ihre Reaktionszeit auf Facebook beträgt in der Regel eine Stunde – sind Sie süchtig?
Schwandt: Nein, keine Sorge.

Sie haben bei Facebook 60.000 Fans. Wie ist dieser Erfolg zustande gekommen?
Ich denke, zuerst durch die Kolumne in der Hamburger Morgenpost, die ich seit Jahren schreibe. Und durch das aktuelle  Zeitgeschehen und meine klare Position gegen die Hetzer von AfD, Pegida und NPD. Es ist wichtig, sich AfD und Pegida in den sozialen Netzwerken entgegenzustellen. Gerade Facebook wird ja intensiv von diesen Rechtsaußlegern zur Stimmungsmache benutzt. Ich bin zwar nicht Verursacher, aber Leidtragender des Dritten Reiches gewesen und als Kind in den Trümmern von Hamburg aufgewachsen. Ich habe mir damals geschworen, mit allem, was ich habe und bin, den Rechten entgegenzutreten. Es zielt oft unter die Gürtellinie, was diese Leute verbreiten.

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Facebook ist auch eine tolle Plattform, um sich selbst darzustellen – wie wichtig ist Ihnen das?
Es geht mir nicht um Selbstdarstellung. Sondern darum, vielleicht noch Unentschlossene Wähler von der AfD fernzuhalten. Es ist auch schön, dass sich auf meiner Seite viele Leute treffen, die sich für Flüchtlinge einsetzen. Sie ist so eine Art Plattform geworden – und das freut mich.

Bedienen Sie Ihren Kanal allein?
Inhaltlich ja. Technisch hilft mir die Crew vom Ankerherz Verlag. Das ist bei der Menge an Kommentaren und Fragen nicht mehr alleine zu schaffen. Alleine am vergangenen Wochenende bekam ich 487 direkte Nachrichten. Ich bin ein alter Mann.

Sie haben viel Zeit auf dem Schiff verbracht und, wie in Ihrer gerade erschienenen Biografie zu lesen ist, oft um ihr Leben gebangt. Trotzdem die Frage: Ist es im Social Web manchmal schwerer zu ertragen als auf rauer See?
Mit Sicherheit. Auf See herrschten Kameradschaft und Toleranz. Im Facebook geht es oft zu wie im schlimmsten Hafenpuff von Rotterdam.

In einem Ihrer Blogeinträge schrieben Sie davon, dass sie rauchen, um Dampf abzulassen. Sollte der Mensch lieber viel mehr rauchen und weniger Facebook benutzen?
Es wäre gesünder, beides zu reduzieren.

Worauf würden Sie eher verzichten: Facebook oder Zigaretten?

Facebook.

Anmerkung der Redaktion: Die Fragen an Kapitän Schwandt wurden schriftlich gestellt.

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