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Nutzerzahlen im „kleineren fünfstelligen Bereich“: Pocketstory-Gründer Höge hat viele Visionen

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Vor einem Jahr ist der Hamburger Online-Kiosk Pocketstory gestartet - wenige Monate vor dem niederländischen Konkurrenten Blendle. Noch sind die Nutzerzahlen der Norddeutschen verhalten. Firmenchef Thorsten Höge hofft jedoch, durch ein Flatrate-Modell schnell einen größeren Abostamm aufzubauen. Zudem hat er weitere Zukunftsfantasien, um das Wachstum voranzutreiben.

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Mal ein Spiegel-Artikel über Flüchtlinge, die in Deutschland ein Studium aufnehmen wollen, mal eine Zeit-Reportage über die Frage, ob Bäume fühlen können – wen ausschließlich die beiden Artikel interessieren, muss dafür tief in die Tasche greifen – allein der Spiegel und die Zeit kosten zusammen 9,30 Euro. Nicht so jedoch beim Blendle-Konkurrenten Pocketstory. Hier können Interessenten beide Beiträge für 1,54 Euro lesen.

Als eine Art iTunes für deutschsprachige Presseartikel hat sich das Hamburger Startup am Markt etabliert. Mittlerweile finden sich bei Pocketstory Artikel von rund 50 Medienmarken. Darunter neben bekannten Publikumszeitschriften wie Spiegel und Die Zeit diverse Spezial-Interest-Titel wie „mare“ oder „Hohe Luft“. Jetzt ist Firmengründer Thorsten Höge nach langem Anlauf ein weiterer großer Coup gelungen. Demnächst soll im Online-Kiosk eine überregionale Tageszeitung vertreten sein. Den Namen will er noch nicht preisgeben, die Verträge seien aber bereits unterschrieben.

Seit einem Jahr ist Pocketstory aktiv. Grund genug, für Firmengründer Höge eine erste Bilanz zu ziehen. Und damit scheint er zufrieden: „Unsere Nutzerzahlen bewegen sich derzeit im kleinen fünfstelligen Bereich“, sagt der Geschäftsmann, dem ansonsten aus Konkurrenzgründen keine genaueren Angaben zu entlocken sind. Auch zu Umsatz und Ertrag hält sich der 43-Jährige bedeckt. Nur so viel: „Wir befinden uns noch in der Investitionsphase“, betont der Journalist.

Spricht man ihn allerdings auf sein neues Abo-Modell an, wird der Jungunternehmer redseliger. „Wir haben innerhalb eines Monats bereits 1.000 Abonnenten gewonnen“, freut sich der Geschäftsführer. Seit Kurzem können Kunden und Nicht-Kunden des Mobilfunk-Betreibers Mobilcom-Debitel für monatlich 8,99 Euro unbegrenzt Beiträge aus dem Artikel-Fundus abrufen, die Pocketstory zuvor aus ihrem Partner-Zeitungen und -magazinen ausgewählt hat. Eine abgespeckte Variante ist für 4,99 Euro erhältlich. Ein Vorteil des Abo-Modells: auch Nutzer, die kein Mobilcom-Vertragskunde sind, können das Artikel-Angebot zum Festpreis beziehen.

Höge hofft durch das Flatrate-Modell, schnell Reichweite aufzubauen. Doch hinter dem Einheitspreis-Angebot steckt noch eine weitere Absicht. Der Geschäftsmann will sich hierdurch auf dem deutschsprachigen Markt vom Konkurrenten Blendle abheben, der über kein Flatrate-Angebot verfügt. Dass die Hamburger ein Angebot zum Festpreis haben, ist allerdings nur möglich, weil sie eine Art Best-of von Artikeln ihrer Medienpartner liefern. Böten die Hamburger den gesamten Inhalt der Magazine und Zeitungen zu einem einheitlichen Abo-Preis an, läge die Flatrate um ein Vielfaches höher. Ob sie dann für Nutzer attraktiv wäre, ist fraglich.

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An den Markt gegangen ist Höge mit Pocketstory im Mai vergangenen Jahres. Die ersten Schritte ins Unternehmertum hatte er jedoch bereits Ende 2012 unternommen. Damals startete der Journalist das Webportal noch als eine reine Plattform für Autoren, die ihre Artikel vermarkten wollten. Schnell richtet er aber das Webportal neu aus. Er baut ein eigenes Team auf, um einzelne Presseartikel zu vermarkten. Damit stößt er in eine Marktlücke und eröffnet den Verlagen eine neue Erlösquelle, die sich mit der Vermarktung von Inhalten auf ihren Portalen schwer tun.

Höge ist nicht der einzige Medienmacher hinter dem Startup. Zur Seite steht ihm ein weiterer Medienprofi, der das Digitalgeschäft aus dem EffEff beherrscht: Dieter Degler. Der ehemalige Chefredakteur von Spiegel Online hatte jahrelang als Vorstand der Spiegelnet AG die Web-Aktivitäten des Medienhauses an der heutigen Ercius-Spitze vorangetrieben. Dann bekommt er als SpOn-Chef Höge als ersten Volontär. Beide sind sich auf Anhieb auf sympathisch. Schnell erkennt Degler das Potenzial seines Zöglings und verfolgt seine weitere Karriere sehr genau. Und Höge ist sehr umtriebig. Er baut für den Milchstraßen-Verleger Dirk Manthey die Wirtschaftszeitung Net Business auf, verantwortet wenig später als geschäftsführender Redakteur den manager magazin-Ableger net-manager, und entwickelt und leitet anschließend als Chefredakteur verschiedene Special-interest-Magazine aus dem Jahr Top Special-Verlag, darunter das fotoMagazin, Deutschlands älteste Zeitschrift für Fotografie, Segeln sowie Brot.

Jetzt sind Höge und Degler über die Now Medien mit 56 Prozent an Pocketstory beteiligt. Und beide Geschäftspartner haben große Visionen: „Es gibt diverse Überlegungen, unser Angebot auszubauen. Eine davon ist, dass die Artikel elektronisch vorgelesen werden. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Wir geben jetzt volle Kraft für das Geschäft mit Einzel-Artikeln im deutschsprachigen Markt“, erklärt Degler. Sollte Pocketstory das Vorhaben umsetzen, könnten Autofahrer, Magazin-Beiträge aus dem Online-Kiosk herunterladen und sie während langer Autobahn-Strecken bequem anhören.

Auch wenn es um neue Kundengruppen geht, entwickeln die beiden Geschäftspartner viele Fantasien. Ob für Reiseunternehmen, Hotels oder Kreuzfahrt-Anbieter – das Onlinekiosk-Angebot könnte vor allem für viele Touristikunternehmen interessant werden, um ihre Gäste zu unterhalten. Prädestiniert wären vor allem Fluggesellschaften. So bieten viele Airlines ihren Fluggästen seit Jahren die Möglichkeit, bei Langstreckenflügen im Netz zu surfen – beispielsweise die Lufthansa mit ihrem Flynet-Angebot, das allerdings gebührenpflichtig ist.

Doch das sind langfristige Geschäftsfantasien von Höge und Degler. Ihr vorrangigstes Ziel ist es, weitere Medienpartner zu gewinnen. So stünden noch viele Verlage auf ihrer Liste. Zupass kommt ihnen dabei das Unvermögen der Branche, ihre Inhalte selber zu Geld zu machen. Höge: „Wir sehen gute Chancen, weitere Medienmarken zu gewinnen. Denn die Vermarktung von Inhalten über Paid-Content stellt für die Verlagshäuser weiterhin eine große Herausforderung dar. Da sind wir als Online-Kiosk eine echte zusätzliche Option.“

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Alle Kommentare

  1. ein bemerkenswert unkritischer Artikel. Jedes VC-finanzierte Startup in anderen Segmenten würden bei 10.000 Usern von ihren Investoren die Ohren langgezogen. Um nicht zu sagen: das Projekt würde relativ sofort eingestellt.

    Hier wirkt das ganze so, wie ein bezahlter PR-Artikel.

    In der Verlagsbranche, in der man nach jedem noch so kleinem Strohhalm greift, sollten dennoch Maßstäbe gelten, die auch in anderen Branchen gelten und dies betrifft auch die Berichterstattung: Relevanz und Erfolgschancen von Angeboten und Innovationen werden gemessen an ihrer Nutzerakzeptanz.

    Gemessen daran braucht pocketstory kein Mensch.

  2. ADAC-Magazin muss Millionen Mitglieder monatlich versorgen.
    Bayern München und andere Traditions-Fußballvereine zusammengezählt ähnlich viele Mitglieder.
    Sparkassen, Raiffeisenbanken, IHKs usw. haben Kunden-Zeitschriften.

    Man kann also zu Werbezwecken durchaus die Spitze vom Eisberg bearbeiten. Aber wer in die Bahnhofs-Buchhandlung geht erkennt die gigantische Anzahl von Periodika (z.b. auch Kataloge) welche von Apple, Google, Amazon usw. anscheinend gerne ignoriert werden.

    Es gibt ein Buch wo alle Periodika drin sind. Blättert mal darin und erkennt die Basis vom Eisberg ! Die meisten Zeitschriften entstehen beim Herausgeber im Wohnzimmer. Die Kosten decken nur Porto+Druck kleiner Mengen. Um es digital zu benennen “Freemium” also Dackelzucht-Vereins-Zeitschrift, FC Bayern-münchen-Magazin und Sparkassen-Monats-Bericht – wenns geht kostenlos – würden die Leser anlocken und da kann man schauen ob man zum Kauf von Top10-Artikeln oder thematisch ähnlicher Artikel (und/oder Updates) motivieren kann oder manche Artikel mit Werbung anreichert.
    Technologisch trivial. Denn die Druckerei will PDF.

    99% der Bevölkerung lebt nicht wie die 1% aus den Yellow-Press-Magazinen mit Promis und Adeligen. Viele Startups zahlen Steuern und sitzen nicht in Hochpreis-Mietgebieten und haben aktuell Angst vorm Untergang weil die nächste Investmentrunde krass kleiner kalkuliert.
    Die Startup-Presse erweckt durch Berichte von Firmen welche Zillionen Kunden oder Mitglieder brauchen und mit Zilliarden (wie Uber) bewertet werden und (ich glaube auch Uber) mehr Verlust als Umsatz machen, den Eindruck, das man mit weniger Kunden nicht auch erfolgreich sein kann. Müssten manche Cashburner-Startups vor die Großstadt ziehen würden die oft vielleicht sofort Steuern bezahlen weil die Mieten dort viel kleiner sind.
    Der Kritik würde ich also nicht zustimmen.

    Blindenvereine (oder der Knoppix-Entwickler glaube ich auch) wissen wie man gut vorliest.
    Als wahrer Manager sollte man ständig seine Apps auf allen Geräten von der iWatch über Tablett und Handy in Hoch und Quer und am PC und Mac aber auch am SmarTV und UHD1-TV bei allen Bekannten und Verwandten durchchecken und optimalisieren bis alle Nutzer zufrieden sind.
    Von Boni-Managern von Zilliardenfirmen oder TV- und Settop-Box-Produzenten kann man das nämlich nicht behaupten. Schliesslich hat erst Showview vielen Rentnern und Hausfrauen die – trivial einfache! – Videorekorder-Programmier-Möglichkeit gebracht und nach vielen schlechten Erfahrungen mit schlechter Software und schlechten User-Interfaces kann man Leute durch klare einfache funktionierende Bedienung überzeugen.

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