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Umgang mit Merkel „journalistisch völlig unakzeptabel“: Franz Sommerfelds Abrechnung mit der FAZ

Franz Sommerfeld, Ex-Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemaliges Vorstandsmitglied im Hause DuMont, kritisiert die FAS.

Kurz vor ihrem Türkei-Besuch hat die Bundeskanzlerin der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung ein Interview gegeben, in dem sie über die Flüchtlingskrise und den Türkei-Deal spricht. In derselben Ausgabe geht FAZ-Herausgeber Holger Steltzner mit Merkel hart ins Gericht – ein Unding, findet Franz Sommerfeld, Ex-Chefredakteur des Kölner Stadt-Anzeigers und ehemaliger Publizistik-Vorstand bei DuMont.

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„Das Vorgehen der FAS ist für eine sich gern auf Werte berufene Zeitung stillos, es ist darüberhinaus journalistisch völlig unakzeptabel“, so Sommerfeld in einem Posting bei Facebook. Dabei meint er weniger die Qualität des Interviews, als das Verhalten der Journalisten der Sonntagszeitung, die ihre aktuelle Ausgabe mit einem Exklusiv-Interview mit der Kanzlerin aufmachte.

Kurz vor ihrer Türkei-Reise, während der sie auch den türkischen Staatspräsidenten Erdogan trifft, sprach sie mit zwei Politik-Redakteuren über die Flüchtlingskrise und das -Abkommen mit der Türkei. Dabei äußerte sie zum einen „große Sorgen“ mit Blick auf das Vorgehen in der Türkei, stellt aber auch eine Verwunderung über „eine Freude am Scheitern“ auf deutscher Seite fest. Insgesamt habe das Interview nur wenig zu bieten, kritisiert Sommerfeld zum einen. Zum anderen geht er die FAS aber auch deshalb an, weil die Positionen der Kanzlerin an anderer Stelle in derselben Ausgabe auseinandergenommen worden sind, ohne sie damit konfrontiert zu haben.

Geschehen ist das im Wirtschaftsteil von Herausgeber Holger Steltzner. In seinem Essay „Der europäische Schlamassel“ geht er mit der Kanzlerin und Europa hart ins Gericht. Es sei keine Kraft vorhanden, um Konflikte zu befrieden. Merkels Deal mit dem türkischen Staatspräsidenten Erdogan mache „alles nur noch schlimmer“, heißt es schon im Teaser. Die Kanzlerin solle ins Gesetzbuch schauen, um zu sehen, dass die „die Willkommenskultur keineswegs so alternativlos“ sei, das Verhalten der CDU-Politikerin sei eine „inhumane und unchristliche Flüchtlingspolitik“.

Steltzners Kritik, die er unter anderem mit einem Migrationsforscher stützte, hätte in das Interview einfließen müssen, so Sommerfeld. „Es wäre mit Sicherheit interessanter und relevanter geworden. Sie ihr hinterher um die Ohren zu schlagen, wo sie sich nicht wehren kann, geht überhaupt nicht.“ Es sei die Aufgabe von Journalisten den „freundlich harten Kordon aus Sachlichkeit und Pragmatismus zu durchbrechen“.

Frankfurter Strukturprobleme?

Unterhalb Sommerfelds Facebook-Beitrag entfachte die Kritik des Ex-Publizistik-Vorstandes des Zeitungshauses DuMont eine Diskussion über die Organisation der Frankfurter Allgemeine Zeitung und ihrer Sonntagsausgabe. So wies der Publizist Christoph Kappes auf die Hierarchien bei der FAZ hin, die keinen eigenen Chefredakteur hat, sondern jeder Herausgeber über ein bestimmtes Ressort entscheidet. „Ich bin der letzte, der Steltzner verteidigt, aber diese Kritik ist nicht berechtigt“, so Kappes. Eine Argumentation, die Sommerfeld nicht gelten lassen will. „Strukturprobleme eines Unternehmens, die Sie uns freundlicherweise noch einmal dargelegt haben, rechtfertigen nie die Verletzung journalistischer und ethischer Werte.“

Update, 17.01 Uhr:

Auf Nachfrage bei der FAZ, wie die Herausgeber auf die Kritik von Franz Sommerfeld reagieren, antwortete eine Sprecherin: „Wir bitten um Ihr Verständnis, dass sich die F.A.Z. zu den Ausführungen von Herr Sommerfeld nicht äußert.“

(ms)

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