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Mythos iCash: Warum Apples Barreserven viel geringer sind als angenommen

Cooks Cash: Apples sagenhaftes Bar-Vermögen weckt Begehrlichkeiten
Cooks Cash: Apples sagenhaftes Bar-Vermögen weckt Begehrlichkeiten

Einstiger Techpionier auf Schrumpfkurs: Das Hauptargument, das Apple an der Wall Street noch auf seiner Seite hat, sind die vermeintlich gigantischen Barreserven. Doch bei näherer Betrachtung relativiert sich auch das Nettovermögen: Nach Abzug von Verbindlichkeiten, Steuern für Kapitalrückführungen und anhaltend hohen Aktienrückkäufen und Dividendenzahlungen besitzt Apple möglicherweise gar nicht mehr die Mittel für eine Megaübernahme.

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Apple stemmt sich gegen den Abwärtstrend: Nach den schwer enttäuschenden Quartalszahlen vor drei Wochen, die in der Folge mehr als 100 Milliarden Dollar an Börsenwert vernichtet haben und die angeschlagene Apple-Aktie auf den tiefsten Stand in zwei Jahren abstürzen ließ, gelang dem Techpionier vergangene Woche zumindest eine leichte Gegenreaktion. Lohn der Kurszuwächse von fünf Prozent binnen der vergangenen Woche, die maßgeblich vom Einstieg der Investorenlegende Warren Buffett befeuert wurde: Der Börsenthron wurde von Alphabet wieder zurückerobert.

Und doch bleiben viele Fragezeichen: Zumindest bis zum Herbst dürfte Apples Kerngeschäft weiter schrumpfen. Glaubt man dem gut informierten Apple-Analysten Ming-Chi Kuo von KGI Securities, dürfte auch das iPhone 7, das kaum innovative Features aufweisen soll, Apple nicht die ersehnte Rückkehr des Wachstums bescheren. Erst mit dem runderneuerten iPhone 8 soll der Kulturkonzern aus Cupertino zurück in den Wachstumspfad finden – im Herbst 2017.

Schulden und die Besteuerung bei Rückführung des Auslandskapitals schmälern Apples Mittel

Doch was spricht bis dahin eigentlich noch für Apple? Ein Argument, das Apple-Befürworter nach dem großen Ausverkauf immer wieder anführen und auch Warren Buffett maßgeblich zum Einstieg bewogen haben dürfte, liegt in der Bewertung des wertvollsten Konzerns der Welt. Tatsächlich verdient Apple mit zuletzt 10,5 Milliarden mehr als doppelt so viel wie Erzrivale Alphabet, liegt aber nach dem Börsenwert fast gleich auf, weil die Geschäfte des iKonzerns schrumpfen, während die Google-Mutter zweistellig wächst.

Mit in die Bewertung von Apple fließen zudem noch die hohen Bargeldreserven von 233 Milliarden Dollar ein. Doch tatsächlich ist Apples legendäres Nettovermögen deutlich geringer – Apple hat in den vergangenen Jahren schließlich auch jede Menge Schulden angehäuft. Seit 2013 leiht sich Apple bekanntlich am Bondsmarkt zu Niedrigzinsen Geld, um damit sein exorbitantes Aktienrückkaufprogramm zu finanzieren. Auf bereits 80 Milliarden Dollar sind diese Verbindlichkeiten für die ausgegebenen Anleihen bereits angeschwollen. Tatsächlich verfügt Apple also „nur“ über 153 Milliarden Dollar.

Und auch das ist nicht das reale Vermögen: Denn der Löwenanteil des Kapitals schlummert in Steuerparadiesen, wo es mit Mini-Sätzen versteuert wird: 208 der 233 Milliarden lagern auf Offshore-Konten im Ausland. Doch um auf das Kapital zuzugreifen, muss es erst einmal nach Amerika zurückgeführt werden – und das kostet: Steuern.

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Apples Rückführungsproblem vom Auslandskapital: „Nur 60 Cent vom Dollar“

Wie der Hegefondsmanager Doug Kass vorrechnet, besitzt Apple „nur 60 Cent vom Dollar“. Nach aktuell geltendem Steuerrecht in den USA wird die Repatriierung von Auslandskapital mit einem Spitzensteuersatz von bis zu 35 Prozent besteuert.

In anderen Worten: Von den 208 Milliarden blieben also “nur” 135 Milliarden zuzüglich der 24 Milliarden, die in den USA ruhen. Macht summa summarum 159 Milliarden, von denen wiederum 80 Milliarden für die Anleiheschulden abzuziehen sind. Tatsächlich verfügt Apple damit nach aktuell geltendem Steuerrecht, das von der nächsten US-Regierung modifiziert werden könnte, also “nur” über 79 Milliarden Dollar.

Höchstens 80 Milliarden Dollar zur Verfügung

Keine Frage, dass sich davon eine Großübernahme im zweistelligen Milliardenbereich, die Tim Cook in der jüngsten Analystenkonferenz anzudeuten schien, finanzieren ließe – doch damit wäre das Cashpolster möglicherweise erstaunlich schnell erschöpft. Und ob sich die 50 Milliarden Dollar, die aktuell jährlich für Aktienrückkäufe und Dividenden aufgewendet werden, nämlich auch langfristig aus dem Cahsflow finanzieren lassen, steht auf einem anderen Blatt – möglicherweise müsste Apple auch hierfür an seine Reserven gehen.

In anderen Worten: Das Cash-Argument, das Apple-Apologeten so gerne anführen, fällt am am Ende geringer aus als vielfach angenommen – das Cash-Polster schmilzt auf ein Nettovermögen von unter 80 Milliarden Dollar zusammen. Bleiben noch 440 Milliarden Dollar reiner Unternehmenswert – mehr als Microsoft, Facebook und Amazon wert ist sind –, die für ein Kerngeschäft bewilligt werden, das aktuell zweistellig schrumpft.

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