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Ex-Entwickler Harald Kuppek: “Neue Test Bild hat mit meinem Entwurf nicht mehr viel zu tun”

Computer Bild-Gründer und Blatt-Entwickler Harald Kuppek findet sein Ur-Konzept in der neuen Test Bild nicht wieder
Computer Bild-Gründer und Blatt-Entwickler Harald Kuppek findet sein Ur-Konzept in der neuen Test Bild nicht wieder

Eine Woche vor dem Start von Test Bild meldet sich bereits ein potenzieller Kritiker zu Wort. Harald Kuppek, einst als "Mr. Computer Bild" bei Axel Springer hoch geschätzt und später in Disharmonie geschieden, ätzt gegenüber Clap: "Mit meinem Entwurf von damals hat die neue Test Bild nicht mehr viel zu tun." Hintergrund: Vor mehr als zehn Jahren war Kuppek Chefentwickler des Ur-Konzepts.

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Nachdem sich Springer damals von Kuppek getrennt hatte, wurde das Projekt auf Eis gelegt.Nach einer „grundlegenden verlegerischen Prüfung“ hatte das Management dem Projekt damals aber nur „geringe wirtschaftliche Perspektiven“ eingeräumt.

Nun kommt etwas überraschend die Kehrtwende. Im Gespräch mit dem Clap Magazin erklärte Kuppek weiter, er habe vor allem inhaltlich hatte eine andere Auseinandersetzung mit den Produkten im Sinn und sehr hohe redaktionelle Ansprüche gehabt. Im Klartext: Offensichtlich findet Kuppek, der stets auf kompromiss- und rücksichtsloses Testen von Produkten ohne Scheu vor Auseinandersetzungen mit Anzeigenkunden gesetzt hatte, das neue Konzept journalistisch nicht hart genug. Unklar ist allerdings, wie sich der frühere CoBi-Macher ein umfassendes Bild von einem Magazin machen konnte, das noch gar nicht auf dem Markt ist.

Kuppek verriet Clap zudem, dass er beispielsweise auch habe Autos testen wollen. Der Abgasskandal wäre vielleicht schon viel früher rausgekommen, kalauerte Kuppek dazu. 2006 wäre es seiner Meinung nach außerdem etwas leichter gewesen, ein Printprodukt wie die Test Bild auf dem Zeitschriftenmarkt zu lancieren. Wohl deshalb sei das Ziel mit einer verkauften Auflage von rund 100.000 Exemplaren von Springer vergleichsweise niedrig angesetzt. Dennoch verfolge er den Start der neuen Zeitschrift mit Freude und Interesse: „Ich wünsche der Hamburger Redaktion alles Gute“. Kuppek selbst hat sich mittlerweile aus dem Mediengeschäft nach einer Krankheit zurückgezogen. Er lebt derzeit in einem kleinen Ort bei München.

Die Verkaufsprofis von Media Impact preisen den Neuling vorab als „perfekte Mischung aus kompetenten Testergebnissen und einer Integration von überprüften Käufer-Rezensionen zu aktuellen Produkten“ an. Tatsächlich soll das Heft damit punkten, dass nicht nur Fachleute bzw. eine Experten-Redaktion die einzelnen Produktgruppen testet, sondern dass das Magazin dazu jeweils noch echte Kundenrezensionen von Amazon.de, Idealo.de oder auch Mediamarkt.de dazustellt. Insgesamt soll die erste Ausgabe rund 200 Tests umfassen. Grundsätzlich beinhaltet das neue Magazin so unterschiedliche Kategorien wie Smartphones, TV-Geräte, Hochdruckreiniger oder Thermomixer.

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Verantwortlich für das Projekt ist Hans Hamer, Geschäftsführer der Verlagsgruppe Auto, Computer & Sport. Der Springer-Manager beschreibt das Projekt gegenüber MEEDIA als „Deutschlands einziges Magazin mit kuratierten Käuferrezensionen“. Außerdem verrät er, dass man über die weitere Erscheinungsweise entscheiden werde, „wenn uns die Resonanz aus dem Anzeigen- und Lesermarkt vorliegt, geplant ist eine Erscheinungsfrequenz von vier Ausgaben pro Jahr.“

Springer schielt mit dem Neuling auf einen attraktiven Markt. Die Nummer eins in diesem Segment ist das Test-Magazin der Stiftung Warentest. Im Jahr 2014 verkauften die Berliner durchschnittlich 440.000 Hefte pro Monat, wobei davon 380.000 auf Abonnenten entfielen. Damit erwirtschaftete die Stiftung nach eigenen Angaben einen Umsatz von 21,91 Millionen Euro. Dabei verzichten die Warentester auf den Verkauf von Anzeigen. Die Zahlen für das Jahr 2015 sollen erst im Mai auf der Jahrespressekonferenz vorgestellt werden.

 

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Alle Kommentare

  1. Erinnert etwas an den Versuch der Motor Presse Stuttgart mit PLUS…years ago…und nicht erfolgreich, obwohl dort geballte Testkompetenz in Bereichen wie Auto, Motorrad, Audio, Video, Foto, Telekommunikation etc. vertreten war…

  2. Wenn ein Produktestmagazin – ähnlich also wie “Test” von der Stiftung Warentest – schon vor Erscheinen mit dem Stempel “journalistisch nicht hart genug” belegt wird, dann sind das ja nun nicht gerade die idealsten Startbedingungen, um es mal vorsichtig auszudrücken.

    Dann aber kommt etwas, von dem sogar die Meedia-Redaktion noch was lernen kann:

    “Ich wünsche der Hamburger Redaktion alles Gute.”

    *So* sieht echte (und auch leicht erkennbare) Ironie aus, liebes Meedia-Team. 🙂

  3. Sollte es nicht auch TV-Sendungen mit Tests geben ?

    Erinnert an damals als plötzlich ganz viele Dinosaurier-Filme oder Jahrzehnte davor eine Welle von Ninja-Filmen die Kinos und Videotheken füllte oder bei den Sendern dann die Mittags-Talkshows oder aktuell scripted Reality. Ich würde ja mal regelmäßig die Füllung des Programmes nach Sparten (US-Serie, Kino-Film, Fernseh-Film, Scripted, Telenovela, Daily-Soap,…) durchzählen. Dasselbe für Zeitschriften wäre auch mal interessant um zu sehen welche Formate wie schnell abbauen.

    Wichtig heutzutage ist bequeme einfache sichere abo-freie digitale Einzel-Kaufbarkeit von Einzel-Tests wenn man z.b. eine Kaffee-Maschine sucht oder der Staubsauger kaputt gegangen ist oder man Großeltern einen Fitness-Tracker kaufen soll. Von Warentest gibts ja das Test-Jahrbuch, aber ich glaube auch Heise hat ein Jahres-Heft mit Test-Sammlungen herausgebracht.

    Noch netter wären von Rentnern bequem benutzbare KO-Apps womit man die Vielfalt der Angebote einschränken kann. Die Datenbestände bei Preisvergleichern und teilweise auch Amazon oder Ebay sind nicht immer optimal. Ein gutes Vebraucher-Ministerium hätte digitale Daten-Hinterlegung schon 2000 unter rot-grün vorschreiben können.

    Brauchbare Produktberatung hat noch viel Potential.

  4. Am Thema “Test-Zeitschrift” doktert der Herr Kuppek doch bereits seit zwanzig Jahren herum. Bereits 1995 gab es ein Konzept namens “Megatest”, das Kuppek – damals noch bei Markt & Technik – umzusetzen versuchte.

    Insofern: Wenn Springer heute ein neues Heft auf den markt bringt, ist es vielleicht nicht weiter tragisch, wenn es min Kuppeks ursprünglichen Vorstellungen nicht mehr viel zu tun hat. Schließlich hat sich die Welt weitergedreht.

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