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Gute Zahlen, keine Interviews und Aktienrückkauf-Poker: Wie Ströer-Chef Udo Müller gegen den Muddy Waters-Fluch ankämpft

Ströer-Chef Udo Müller

Es war ein Angriff aus dem Hinterhalt: Der US-Hedgefonds Muddy Waters hatte Mitte April die Aktie des Werbevermarkters Ströer durch Leerverkäufe auf Talfahrt geschickt. Binnen Minuten verlor das Unternehmen fast 1 Milliarde Euro an Börsenwert. Jetzt will Ströer-Vorstandschef Udo Müller zur Gegenwehr ansetzen. Er prüft diverse Optionen – darunter auch ein Aktienrückkaufprogramm. Doch noch zögert er, denn die Maßnahme könnte die weitere Expansion bremsen.

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Wer Interviewanfragen an Ströer-Chef Udo Müller stellen will, wird derzeit vertröstet. Der Mitgründer des Werbevermarkters steht für Journalisten zu Gesprächen nicht zur Verfügung, heißt es aus der Kölner Konzernzentrale. Die Zurückhaltung ist nicht unbegründet. Jede Antwort des Vorstandschefs zu Gegenmaßnahmen könnte der US-Leerverkäufer Muddy Waters nutzen, um erneut anzugreifen.

Dennoch ist Udo Müller nicht untätig. Der Manager prüft derzeit unter anderem, ob er Aktien des eigenen Unternehmens zurückkauft. Dadurch will er die Börsennotierung beflügeln und die Anleger besänftigen. Doch der Zeitpunkt für eine solche Maßnahme muss wohl kalkuliert sein. Setzt er das Instrument zur Kurspflege zu früh ein, könnte dies Muddy Waters ausnutzen, um die Börsennotierung für seine Zwecke erneut auf Talfahrt zu schicken.

Müller sind daher die Hände gebunden. Er kann derzeit nur mit guten Ertragsergebnissen aufwarten, um den Aktienkurs zu stimulieren. Und die Zahlen für das 1. Quartal können sich sehen lassen. Bereinigt um Sonderposten vervierfachte das im M-Dax notierte Unternehmen den Gewinn auf 20,1 Millionen Euro. Damit sei der Jahresstart für den Werbevermarkter der beste seit dem Börsengang im Juli 2010 gewesen. Die Ströer-Aktie legte deshalb heute um mehr als 3,6 Prozent zu.

Dennoch ist die Notierung weit entfernt von dem Kursniveau vor der Attacke des US-Hedgefonds Muddy Waters vor wenigen Wochen. Damals bewegte sich der Börsenkurs knapp über der Marke von 55 Euro. Eine Entscheidung, ob Ströer eigene Aktien zurückkauft, hat der Vorstandschef bislang auch nicht getroffen. Und dies aus gutem Grund: Denn Müller steht noch vor einem weiteren Problem, wenn er diese Kapitalmaßnahme einsetzt. Jeder Euro, den er in ein Rückkauf-Programm steckt, fehlt ihm in seiner Kasse, um das weitere Wachstum – möglicherweise über Akquisitionen – zu finanzieren. Daran wird dem Vorstand kaum gelegen sein. Er hat kein Interesse, seinen ehrgeizigen Expansionskurs abzubremsen oder gar zu stoppen. Denn Müllers Ziel ist klar. Er will seine Position als führendes Digitalunternehmen in Deutschland weiter festigen.

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