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„Lebende Schlaftablette“: Gegenwind für Apple-Chef Tim Cook wird stärker

Bezieht Stellung: Apple-Chef Tim Cook

Die Unkenrufe werden lauter. Seit den schwer enttäuschenden Quartalszahlen befindet sich Cook massiv unter Druck: An der Wall Street hat die Aktie seitdem mehr als 10 Prozent an Wert eingebüßt, Analysten senken den Daumen, und auch der TV-Auftritt bei CNBC ging nach hinten los. Nachdem das Finanzportal Marketwatch bereits Tesla-Chef Elon Musk als Ersatz-CEO für Cook ins Gespräch brachte, watschte nun der Chef eines Wagnisfinanzierers Cook ungewöhnlich ruppig ab.

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Ein Befreiungsschlag sieht anders aus. In der Nacht auf Dienstag überraschte Börsenlautsprecher James Cramer Zuschauer seiner Sendung „Mad Money“ mit einem besonderen Gast: Apple-Chef Tim Cook. Cramer und Cook pflegen seit rund einem Jahr eine besondere Beziehung: Cook verbreitet sich auffällig gerne über die beliebteste Börsensendung im USA-Fernsehen – mal per Anruf, mal per Mail und diesmal sogar als Studiogast.

45 Minuten stellte sich Cook Cramer, der es dem Chef des wertvollsten Konzerns der Welt als Apple-Aktionär (Cramer empfiehlt, „die Apple-Aktie zu halten, nicht zu tragen“) mit nicht besonders harten Fragen ziemlich leicht machte, gut auszusehen.

Doch Cook konnte das Heimspiel nicht für sich nutzen. Wie ein ausgelaugter Politiker, dessen Zustimmungswerte kurz vor der nächsten Wahl im Keller stehen, beantwortete Cook Cramers Fragen mit defensiver Körpersprache: einem gesenkten Blick, hängenden Schultern und einer Rhetorik, die in der Techpresse mit dem Mantra der „unglaublichen Produkte, die das Leben unserer Kunden bereichern sollen“ seit 2011 widerhallt.

Nach fünf Jahren als Apple-Chef, der nun mal eine Dauerrolle in der Öffentlichkeit gepachtet hat, steht fest: Cook kann den großen Auftritt nicht. Der 55-Jährige fühlt sich bis heute vor der Kamera so unwohl wie ein Buchhalter. In der Metaphorik von Donald Trump könnte man es einen „energiearmen“ Auftritt nennen.

Die Apple-Aktie reagierte kaum auf Cooks TV-Interview und befindet sich bei 93 Dollar weiter seit Jahresbeginn um 12 Prozent im Minus und nur noch ein Prozent vom tiefsten Stand fast zwei Jahren entfernt. Deutlicher wurden dagegen Investoren.

Der Vermögensverwalter und Yahoo Finance-Moderator Jeff Macke nannte Cooks Interview bei „Mad Money“ „verzweifelt“, während Hedgefondsmanager Eric Jackson Cook immerhin einen „unerschütterlichen“ Auftritt bescheinigte, der gleichzeitig aber „panisch“ wirkte.

Noch deutlicher wurde gestern der CEO der des Wagnisfinanzierers Social Capital, der Cook bei CNBC in harschen Tönen kritisierte. „Apple hat einen CEO, der leider sehr glanzlos ist“, erklärte Chamath Palihapitiya. „Ich habe sein Interview bei Mad Money gesehen – er war wie eine lebende Schlaftablette. Es war furchtbar langweilig. „

Dann holte Palihapitiya richtig aus: „Es wäre sehr schwierig für mich, für jemanden wie ihn zu arbeiten.“ Bei Cooks Vorgänger Steve Jobs, aber auch beim Amazon-Chef Bezos wäre das ganz anderes. Der Social Capital-Chef ist der Meinung, dass Cook sich mehr von Bezos abschauen solle: Apple verschwende sein Geld für Rückkäufe und einen teuren Campus, statt es in die eigene Forschung zu investieren.

Palihapitiyas Äußerungen haben Gewicht: Social Capital investierte u.a. in die Erfolgs-start-ups Slack, Box und SurveyMonkey. Nach Meinung des Social Capital-CEOs gehört die Zukunft entsprechend Amazon, das bis 2025 eine Bewertung von 3 Billionen aufweisen könnte – das wäre gegenüber heute nochmal eine Verzehnfachung.

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