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YouTube-Stars, Web-Serien und bürokratische Hürden: Werkstattblick ins junge Angebot von ARD und ZDF

Programmchef Florian Hager will das junge ARD/ZDF-Angebot pünktlich zum 1. Oktober starten
Programmchef Florian Hager will das junge ARD/ZDF-Angebot pünktlich zum 1. Oktober starten

Noch sechs Monate hat Florian Hager Zeit das junge Angebot von ARD und ZDF auf die Beine zu stellen. Auf der re:publica gab der Programmchef des öffentlich-rechtlichen Projekts Einblicke in seine Arbeit und machte deutlich: Vor allem bürokratische Hürden erschweren die kreative Entwicklung. Trotzdem soll das Angebot, für das noch kein Name gefunden ist, pünktlich zum 1. Oktober "on air" gehen.

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Es ist ein Mammutprojekt, dem sich Florian Hager verschrieben hat. Der ehemalige stellvertretende Programmverantwortliche für den deutsch-französischen Kultursender Arte ist Programmgeschäftsführer des neuen jungen Angebots von ARD und ZDF, das am 1. Oktober an den Start gehen soll. Ausgesucht hat sich der 40-Jährige diesen Termin nicht, er wurde ihm von der Politik vorgegeben. Die aktuellen bürokratischen Hürden zeigen, dass er trotz der nunmehr Jahre andauernden Vorbereitungen (erste Planungen gab es 2013) ambitioniert ist. Gerade erst (genauer: im Herbst) haben die Ministerpräsidenten durch eine Überarbeitung des Rundfunkstaatsvertrages den Weg für Hager frei gemacht, derzeit geht das Projekt noch durch die Landtage, die ebenfalls zustimmen müssen. Mitreden wollen viele: Das Angebot ist ein Kind der neun Landesrundfunkanstalten der ARD sowie dem ZDF. Und auch Gruppen, die erst einmal nichts mit Medien zu tun haben, muss Hager seine Aufmerksamkeit schenken – wie beispielsweise der Bischhofskonferenz.

Parallel arbeitet der studierte Publizist und Filmwissenschaftler an der inhaltlichen Gestaltung, in deren aktuellen Stand er am Dienstag auf der re:publica einen Einblick gab. Hager sucht noch Konzepte für Formate, die eine nicht homogene Zielgruppe ansprechen (14- bis 29-Jährige) sollen. Konkrete Vorstellungen äußerte der Programmchef nicht, präsentierte aber erste Ideen mit Protagonisten aus der YouTube-Szene: Darunter das Trio aus “Nerd1080”, bestehend aus LeFloid, Frodo und RobBubble. Das Format feierte im August vergangenes Jahr Premiere bei YouTube und später im ARD-Spartenkanal EinsPlus. Ebenfalls an sich gebunden hat Hager Rayk Anders, der bei YouTube mit seinem Kanal “Armes Deutschland” unterwegs ist unter anderem und das politische Tagesgeschehen kommentiert. Für das Jugendangebot wird er eigentlich weitermachen wie bisher, nur bekommt sein Format einen eigenen Namen und redaktionellen Support, wird beispielsweise von den Produzenten von RocketBeans TV produziert – nach Innovation klingt das nicht.

Bewegtbild mit YouTube-Stars soll ein Teil des neuen Projekts sein, aber nicht das einzige, erklärte Hager. Man wolle sich auch der Fiction zuwenden und mit Web-Serien experimentieren. Derzeit arbeite Radio Bremen an einem Format. Thematisch soll es auch um Schule und Bildung gehen, genauso wie um Musik- und Gaming-Kultur. Ganz im Sinne des öffentlich-rechtlichen Auftrages mache man sich personell wie auch inhaltlich Gedanken um Diversifizierung. “Bei uns wird es keinen ‘Bibis Beauty Palace’ geben. Wir wollen ein anderes Frauenbild vermitteln”, antwortete Hager auf eine Frage aus dem Plenum. Genauso wichtig sei das Thema Migration. 

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Wo der Content letztlich ausgestrahlt oder veröffentlicht wird, ließ er weitestgehend offen. “Wir wollen nicht mit einer Plattform exklusiv arbeiten.” Es soll verschiedene Formate für verschiedene Plattformen geben. Ein Gedanke, der einleuchtet, in der Branche allerdings selten seine Umsetzung findet. Derzeit befinde man sich auch in Gesprächen mit Facebook, YouTube oder der Livestreaming-Plattform Twitch. Darüber hinaus mache man sich Gedanken, wie man mit Messengern wie Snapchat umgehen könnte. Allerdings wolle man die Nutzer nicht auf alle diese Plattformen zwingen. Auch eine eigene Anlaufstelle in Form einer App und eines eigenen Players als Ausspielmöglichkeit seien geplant. Notwendig sei das, weil man gewisse Funktionalitäten schaffen wolle, die Plattformen bisher nicht ausreichend anbieten, so Hager.  

Alles in allem blieb der Chef des neuen Angebots weiterhin unkonkret. Vielleicht auch, weil viele Formate einfach noch nicht gefunden sind  und organisatorische Entscheidungen noch getroffen werden müssen. Hager sei an vielen Enden mit vielen Dingen beschäftigt, erklärte er. Derzeit fehlt es noch Personal, auch eine Marke, auf die seine Inhalte zurückzuführen sein werden, ist noch nicht gefunden. Bewusst, beteuerte er. “Die Marke soll um den Content herum entwickelt werden”ä.” Man werde sie erst nach einer gewissen Zeit in den Vordergrund bringen. Man wolle keine “künstliche Marke” schaffen. Das Jahresbudget für das neue Programm liegt bei 45 Millionen Euro, eine Werbefinanzierung ist (vorerst) nicht geplant.

 

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Alle Kommentare

  1. “Für das Jugendangebot wird er eigentlich weitermachen wie bisher, nur bekommt sein Format einen eigenen Namen und redaktionellen Support, wird beispielsweise von den Produzenten von RocketBeans TV produziert – nach Innovation klingt das nicht.

    […]

    Auch eine eigene Plattform in Form einer App und eines eigenen Players als Ausspielmöglichkeit seien geplant.

    […]

    Alles in allem bleibt der Chef des neuen Angebots weiterhin unkonkret.”

    =====

    Nö, so unkonkret nun auch wieder nicht:

    “Das Jahresbudget liegt bei 45 Millionen Euro, eine Werbefinanzierung ist (vorerst) nicht geplant.”

    Also wieder alles aus dem Zwangsbeitrag.

    Der wieder nicht reichen wird und die nächste “Anmeldung eines erhöhten Finanzbedarfs” an die KEF ist schon vorprogrammiert.

    Und wofür die 45 Millionen? – Für irgendwelchen Quark, der x-te und wieder sehr teure Pleite werden wird.

    Die ÖR erreichen die Jugendlichen nun mal so gut wie garnicht mehr.

    Und der Grund dafür sollte mittlerweile eigentlich auch jedem klar sein:

    Die ÖR-Chefs basteln sich eine Jugend nach ihren Vorstellungen, die allerdings kaum etwas mit der Realität zu tun haben und danach wird dann das Programm gemacht.

    Sowas muss schief gehen und tut es ja auch regelmäßig.

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