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Das Ende eines „Selbstläufers“: Carl Icahn verkauft alle Apple-Aktien

Keine Dinner und offenen Briefe mehr: Carl Icahn (l.) ist kein Apple-Aktionär mehr

Wenn es noch eines Nachweises bedurft hatte, dass Apple als Investment verbrannt ist, dann lieferte ihn der bislang prominenteste Fürsprecher der Wall Street: Carl Icahn hat Apple-Aktien verkauft. Nicht ein paar Anteilsscheine, sondern seine gesamte Position, die in Spitzenzeiten einmal 7 Milliarden Dollar wert war. Als Grund nennt Icahn Bedenken wegen China. Die nach den schwer enttäuschenden Quartalszahlen ohnehin schon angeschlagene Apple-Aktie wird an der Börse weiter nach unten durchgereicht.

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Eine der vermeintlich sichersten Wetten, die die Börse seit 2013 zu bieten hatte, endet weit unter ihrem eigentlichen Kursziel.  Mehr als zwei Jahre betätigte sich Wall Street-Legende Carl Icahn als lautester Fürsprecher von Apple und wurde nicht müde, CEO Tim Cook Ratschläge zu geben, offene Briefe zu schreiben und sogar zum legendären Dinner in seinem Apartment einzuladen.

Cooks und Icahns Interesse war das gleiche: Höhere Kurse der Apple-Aktie, in die Icahn seit August 2013 investiert war – zu Kursen von etwa 66 Dollar. Für rund zwei Jahre sah es so aus, als könnte mit Icahn als Finanzcoach an der Seitenlinie nichts schiefgehen.

Carl Icahn und Apple – für zwei Jahre eine Win-Win-Situation

Tatsächlich befriedigte Tim Cook seinen Großinvestor, indem er Icahns Ansinnen nach weitaus stärkeren Aktienrückkäufen nachkam und das Rückkaufprogramm immer mehr ausweitete. Für satte 117 Milliarden Dollar hat Apple bis Ende März eigene Aktien zurückgekauft.

Bis zum vergangenen Sommer sah es tatsächlich so aus, als ob Icahn und Cook mit ihrer Wette auf Apple recht hatten: Angetrieben durch den Vertragsabschluss mit dem weltgrößten Mobilfunkprovider China Mobil und den Launch der großen iPhones 6 und 6 Plus schossen die Anteilsscheine von Apple immer höher und stellten bei 134,54 Dollar vor exakt einem Jahr den bislang höchsten Stand in der 36-jährigen Börsenhistorie Apples auf.

Implosion der Apple-Aktie: 30 Prozent in einem Jahr verloren

Doch wie es mit vermeintlich ganz sicheren Wetten so ist: Es geht gut, bis es schiefgeht. Dass Apples schier endloser Siegeszug zu Ende gehen würde, begann sich im vergangenen Juli nach den Quartalszahlen abzuzeichnen. Seitdem ist die Apple-Aktie regelrecht implodiert: Binnen 52 Wochen ist das Papier um 30 Prozent auf nunmehr 95 Dollar eingebrochen.

Dass Carl Icahn erste Zweifel an seinem „Selbstläufer“ kamen, war bereits im Februar erkennbar, als bekannt wurde, dass er im vierten Quartal eine erste Position an Apple-Aktien glattgestellt hatte – es waren allerdings nur 7 Millionen Papiere oder etwa 14 Prozent seines Einsatzes.

Icahn verkaufte im Februar – wegen China

Nach den schwer enttäuschenden Geschäftszahlen für das abgelaufene zweite Fiskalquartal, die Apple Dienstag nach Handelsschluss verkündete, wurde nun bekannt, dass der legendäre Investor inzwischen komplett die Reißleine gezogen hat. Wie Icahn heute in der CNBC-Sendung „Power Lunch“ verkündete, hat er seine komplette Position, die noch rund vier Milliarden Dollar wert war, bereits im Februar veräußert. Die Aktie tradete damals auf einem ähnlichen Niveau wie jetzt – nämlich in einer Spanne zwischen 92 und 99 Dollar.

Als Grund für den Verkauf führte der 80-jährige Aktionärsaktivist wachsende Bedenken wegen China an. Einerseits wegen der Konjunktur, die sich seit dem vergangenen Sommer hochvolatil entwickelte – im jüngsten Quartal musste Apple im Reich der Mitte einen Absatzeinbruch von 26 Prozent verbuchen.

Vor allem aber wegen der möglichen Intervention der chinesischen Regierung, die Apple im schlimmsten Fall aus seinem inzwischen wichtigsten Absatzmarkt ausschließen könnte, um einheimische Anbieter zu stärken – Alphabet und Facebook, die in China nicht präsent sind, kennen das Problem.  Icahn betonte gleichzeitig, er halte Apple weiter für ein „großartiges Unternehmen“ und schließe nicht aus, zu einem späteren Zeitpunkt wieder in den noch wertvollsten Konzern der Welt zu investieren.

50 Prozent Plus in knapp drei Jahren – aber Kursverdopplung verpasst

Für Icahn bleibt Apple dennoch ein gewinnbringendes Investment: Sein Plus dürfte sich bei Verkäufen unter der 100 Dollarmarke auf rund 50 Prozent belaufen. Nicht schlecht für eine Haltedauer von zweidreiviertel Jahren, aber eben doch weit unter den Höchstkursen vom Frühjahr 2015, als Icahn sein Investment mehr als verdoppelt hatte. Vor allem jedoch Icahns Kursziel von 240 Dollar erscheint  aus heutiger Sicht als vollkommen illusionär.

Kleinaktionäre mögen sich trösten: Selbst (geschätzt) 20-fache Milliardäre lassen im Casino der Börse schon mal den Großteil ihres Einsatzes  liegen. Aktionäre reagierten auf den totalen Icahn-Verkauf indes wie zu erwarten: mit einer weiteren heftigen Ausverkaufswelle, die die Apple-Aktie um weitere 3 Prozent auf 95 Dollar schickte.

Apple hat damit in den letzten drei Handelstagen mehr als 60 Milliarden Dollar an Börsenwert verloren. Seit den Höchstkursen vor einem Jahr hat der Techpionier bei seinem Börsenkollaps gar astronomische 300 Milliarden Dollar an Wert vernichtet.

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