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„Mutiges Projekt“, aber Kritik an Optik und Haptik: erstes Mediaagenturen-Feedback zur FAZ Woche

Verlagschef Thomas Lindner, neues Magazin Frankfurter Allgemeine Woche
Verlagschef Thomas Lindner, neues Magazin Frankfurter Allgemeine Woche

Neuer Hoffnungsträger der FAZ-Gruppe: Verlagschef Thomas Lindner startete vergangenen Freitag die FAZ Woche, eine Zeitschrift für Leser bis 35 Jahre. Doch die Mediagenturen zweifeln, ob sich das Magazin als Print-Produkt bei der Zielgruppe durchsetzt. Vor allem im Fahrwasser diverser Wochenmagazine wie Spiegel und Stern habe es der Titel mit seiner Haptik und Optik schwer, sich zu behaupten.

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Barack Obama als Captain America, Angela Merkel als Wonder-Women – zwei Superhelden auf dem Titel der neuen FAZ Woche. Verlagschef Thomas Lindner hätte für seinen Magazin-Neuling keinen besseren Kiosk-Start wählen können als vergangenen Freitag, zwei Tage vor dem Besuch des US-Präsidenten in Deutschland. Das politische Großereignis und die Diskussion über das umstrittene transatlantische Freihandelsabkommen TTIP werden Lindner zumindest bei der ersten Ausgabe helfen, einen Großteil der Druckauflage seines Print-Newcomers von rund 200.000 Exemplaren abzusetzen.

Ob das Magazin aber auf Dauer seine Leser am Kiosk findet, wird unter den Media-Agenturen bezweifelt. „Ich sehe eher großes Potenzial in der digitalen Variante und halte maximal Verkaufszahlen von 40.000 bis 50.000 Exemplaren in gedruckter Form für realistisch“, meint Volkmar Amedick, Geschäftsführer von pilot München, gegenüber MEEDIA. So würde die junge, gebildete und an Qualitätsjournalismus interessierte Zielgruppe „eher nach neuen, anderen Darreichungsformen“ suchen. Der Media-Experte fragt sich deshalb, ob das Medienhaus mit dem gedruckten Heft auf das richtige Pferd setzt, angesichts der aktuellen Print-Auflagenzahlen im 1. Quartal. „Dramatische Abwärtstendenzen sowohl für die Wochenmagazine als auch für die Tageszeitungen zeichnen sich ab. Und ganz ehrlich: auf ein neues Wochenmagazin hat niemand gewartet“, meint der Spezialist. Dennoch hält er Lindners Print-Offensive für ein „mutiges Projekt“ und einen „mehr als ehrenwerten Versuch.“ So werde die Zeitschrift, die das wichtigste der Woche kurz und prägnant zusammenfasst, einordnet, bewertet und auf den Punkt bringt, ihre „Lücke im Markt“ finden, meint er.

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Auch am Erfolg des Heftes im Anzeigengeschäft setzt Amedick Fragezeichen. „Junge, hippe und lifestylige Marken in die Tageszeitung zu locken, ist nahezu unmöglich. Die FAZ hat hier ein Produkt kreiert, das diese Lücke schließen soll. Ist dieser Ansatz neu? Nein. Haben die Anzeigenkunden darauf gewartet? Nein. Ist es „verwerflich“ diesen Weg auch zu gehen? Nein,“ erklärt er. Entscheidend sei immer die Reichweite. „Wenn die nicht stimmt, bringt das schönste Konzept nichts und auch die Verknappung der Anzeigenplätze weckt dann keine gesteigerte Begehrlichkeit“, meint der pilot-Geschäftsführer. Wie nachhaltig sich der Titel am Markt festsetzt, werde daher die Zeit zeigen müssen – insbesondere, wenn die große Werbeoffensive vorbei sei.

Auch Bernhard Becker, Head of Buying bei Mediaplus, zweifelt am Vermarktungserfolg des FAZ-Neulings am Vertriebs- und Anzeigenmarkt. Die Idee, bereits am Freitag und vor allen etablierten Wochenmagazinen wie Spiegel oder Focus die Leser zu informieren, sei zwar clever. Auch der Aufbau und Heftstruktur würde ihn überzeugen, da man sich schnell zurecht findet. Ebenso würde die erhoffte Zielgruppe mit dem schmalen Zeitfenster “komprimiert” versorgt. Die Optik und Haptik hingegen blieben hinter den hohen Erwartungen zurück, die Papierqualität enttäusche. „In unmittelbarer Regalnachbarschaft zu Stern, Focus und den anderen Nachrichtenmagazinen kann die Erstausgabe rein optisch nicht überzeugen. Schade, hier wurde eine Chance vertan, denn die FAZ-Woche könnte für eine Vielzahl von Werbetreibenden eine interessante Alternative im Nachrichtensegment sein“, meint Becker. Gutverdienende Leser würden seiner Meinung nach „sicher auch ein paar Cent mehr bezahlen, wenn die Haptik mit der redaktionellen Qualität mithalten könnte.“

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Alle Kommentare

  1. FAZ hat fertig…..seit Udo Ulfkotte und Uwe Krüger wissen wir bescheid…..Journalisten die in Schatten CIA Organisationen laufen…können nicht unabhängig sein….die Artikel fallen ja auch meistens durch eine bestimmte pro USA Haltung auf…..China und Russland wären für Deutschland viel wichtigere Partner…in jeder Hinsicht.

    Mainstream Medien haben ein Problem….zuviel Elite Nähe……und Hofberichtersattung.

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